Turnen : Das Kampfrichter-Puzzle

Sabine Ernst und Rosemarie Müller sorgen vor jedem Wettkampf des Turnverbandes Niederberg mit der Einteilung der Riegen und Wertungsrichter dafür, dass wie beim Niederbergpokal alles reibungslos über die Bühne geht.

Ordnung muss sein. Zumindest beim Einmarsch. Nahezu im Gleichschritt betreten die 98 Mädchen und 14 Jungen nacheinander die Sporthalle Vogelsang, um sich mit Blick auf die Zuschauerränge rund um die zwölf mal zwölf Meter große Bodenmatte aufzustellen. Sabine Ernst wartet einen kurzen Moment, bis Eltern, Freunde oder Verwandte das eindrucksvolle Bild per Digitalkamera festgehalten haben. Nach und nach ruft die Kinder- und Jugendwartin im Turnverband Niederberg die Vornamen aller Turnerinnen und Turner auf, um sie gleichmäßig in verschiedene Riegen aufzuteilen.

Hinter dem reibungslosen Prozedere zu Beginn des Niederbergpokals steckt eine Menge Arbeit. In der Regel müssen die Vereine, zehn Tage vor jedem Wettkampf ihre Teilnehmer melden. Für Sabine Ernst beginnt zu Hause dann die Puzzlearbeit. "Es wäre simpel, ausschließlich nach Leistungs- und Altersklasse vorzugehen." Um lange Wartezeiten an den einzelnen Geräten zu vermeiden, müssen die Riegen jeweils mit der gleichen Anzahl bestückt sein. Zudem gilt die Regel, dass die Teilnehmer einer Altersklasse jeweils vom gleichen Kampfgericht bewertet werden müssen. Mit viel Routine hat Sabine Ernst nach knapp zwei Stunden die Einteilung vorgenommen.

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Nun beginnt für eine andere Mitarbeiterin im Vorstand des Turnverbandes Niederberg die Arbeit. Anhand der Einteilung der Riegen bastelt Rosemarie Müller an der optimalen Besetzung der Kampfgerichte. "Sie ist immer so nett und lässt eine Wahl zu, welches Gerät man am liebsten oder gar nicht werten möchte", sagt Ingeburg Scholz. Das habe sie in all den Jahren nie gemacht, bevor sie die Aufgabe der Kampfrichterwartin an ihre Nachfolgerin weiter gegeben habe. "Schließlich muss jeder Kampfrichter überall eingesetzt werden können."

Der unbeliebte Sprung

Das gleiche Prinzip verfolgt auch Rosemarie Müller – gezwungenermaßen. "Ich kann nun mal nicht alle am Schwebebalken einsetzen, denn da wollen sie fast alle hin." Aus einem Grund: Hier geht es ruhig und langsam zu, das macht das Bewerten einfach. Ganz im Gegensatz zum Sprung. Das Pferd ist unbeliebt, weil alles so schnell geht. Lediglich Janin Reinarz (TSG Solingen) könnte Rosemarie Müller bei jedem Wettkampf an deren Lieblingsgerät einteilen. "Keiner darf allerdings den Bezug zu den anderen Geräten verlieren, deswegen gibt es jedes Mal einen Wechsel."

Dass Janin Reinarz gemeinsam mit Sabine Weisheit vom TSV Aufderhöhe wertet, folgt ebenfalls einem strengen Prinzip. "Keiner der Teilnehmer darf benachteiligt werden, deswegen müssen die Kampfrichter an einem Gerät immer von unterschiedlichen Vereinen kommen", erklärt Rosemarie Müller. Weniger, weil die Wertungen für Turnerinnen oder Turner aus dem eigenen Lager besser ausfallen könnten. "Ganz im Gegenteil." Die vereinseigenen Kampfrichter kennen die Fehler aus dem Training, achten mehr darauf und ziehen deswegen schneller Punkte ab. Ordnung muss sein, erst recht beim Kampfrichter-Puzzle.

(RP)