Baseball : Das Ende einer Ära

Am Sonntag beginnen die Alligators mit der Vorbereitung auf die Saison 2010. Auf einen ihrer wichtigsten Spieler müssen die Solinger Baseballer in Zukunft verzichten. Werfer Enorbel Marquez Ramirez wechselt nach Italien.

Ruhig, fast unbemerkt hat er Tschüss gesagt. Sechs Spielzeiten spielte Enorbel Marquez Ramirez für die Solingen Alligators in der Baseball-Bundesliga. Jetzt ist es für den geborenen Kubaner, inzwischen deutscher Nationalspieler, Zeit für den nächsten Schritt. In Italien, bei Telemarket Rimini Baseball, sucht Marquez Ramirez eine neue Herausforderungen.

"Die italienische Liga ist stärker", erklärt Enorbel Marquez Ramirez seine Entscheidung. Wer den Werfer kennt, weiß, dass er stets den Wettkampf sucht und nur wenig Spaß daran hat, Woche für Woche gegen vermeintlich leicht zu besiegende Gegner zu spielen. Darüber hinaus gibt der Pitcher zu: "Ich verdiene natürlich auch mehr in Italien." Mit dem Gedanken ins Ausland zu wechseln, beschäftigt sich Marquez Ramirez bereits seit zwei Jahren. "Es ging aus familären Gründen nicht, und es fiel mir natürlich schwer, die Alligators zu verlassen."

Mit der Familie hat der in Berlin lebende Nationalspieler den Wechsel nun in Einklang gebracht. "Meine Schwiegermutter kann auf die Kinder aufpassen, wenn ich nicht da bin. Die Sommerzeit wird aber schwer", erklärt Marquez Ramirez. "Ich möchte dann einmal im Monat nach Berlin kommen, oder meine Frau kommt mit den Kindern nach Rimini." Der Pitcher ist zwischen Familie und Baseball hin und her gerissen. "Aber meine Frau muss verstehen, dass es auch mein Leben ist, Baseball zu spielen."

Positive Erinnerungen

Der Ehrgeiz des geborenen Kubaners beendet eine Alligators-Ära und trifft die Solinger Baseballer in dieser Saison ins Mark. An der Deutschen Meisterschaft 2006 hatte Enorbel Marquez Ramirez großen Anteil. Dazu kommt die Vize-Meisterschaft 2005, die ohne ihn sicher nicht möglich gewesen wäre, sowie viele große Spiele in den vergangenen Jahren. Der Pitcher muss nicht lange überlegen, wenn es um die schönsten Erinnerungen mit den Solingern geht. "Den Titelgewinn werde ich nie vergessen, das ist klar. Aber noch darüber steht das Perfect Game gegen die Bonn Capitals." Am 25. Mai 2008 warf er das erste perfekte Spiel über neun Durchgänge in der Bundesliga-Geschichte. Bei einer solchen Partie gelingt es dem Pitcher, keinen gegnerischen Schlagmann an die erste Base zu lassen. "Dafür spielt man als Pitcher Baseball – um das zu schaffen. Es wird mir wohl nie wieder gelingen." Zum Vergleich: In der 130-jährigen Geschichte der amerikanischen Profiliga (MLB) gab es lediglich 18 "Perfect Games".

Traurige Momente wird der 36-Jährige aber ebenfalls nicht vergessen. "2004 im Europacup wurde ich von den Puerta Cruz Marlins hoch und deutlich besiegt. Dafür habe ich mich nie richtig revanchieren können." Zudem hadert er mit den verpassten Chancen auf die Deutsche Meisterschaft. "Wir hatten das Potenzial für mindestens zwei oder drei Meisterschaften."

Marquez Ramirez ist den Alligators sehr dankbar. "Ich wurde in Solingen von allen wie ein Sohn, auch vom gesamten Umfeld aufgenommen", erklärt der Pitcher. "Ich wünsche der Mannschaft in dieser Saison zumindest den Finaleinzug. Sie sollen endlich wieder um den Titel kämpfen."

Eines steht für den Nationalspieler im Übrigen fest: Sollt er nochmals in Deutschland spielen, will er dies bei den Alligators tun. "Wenn sie mich dann möchten."

(RP)
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