Handball Clever zugepackt

Sebastian Hinze beseitigte 41 Sekunden vor Schluss mit seinem Treffer zum 30:28 alle Zweifel am Heimsieg des Bergischen HC. Der Handball-Zweitligist hatte zuvor schon zwei Mal eine Vier- beziehungsweise Fünf-Tore-Führung gegen den EHV Aue verspielt.

Plötzlich ist es mucksmäuschenstill. Eigentlich hätten die knapp 1000 Zuschauer in der Bayerhalle vor Begeisterung auch toben können – wenn sich Jens Reinarz bei seinem Tempogegenstoß´nicht einen Schrittfehler erlaubt hätte, weil er nicht nur ein Tor erzielen, sondern auch noch ein Foul provozieren wollte.

Nun waren die Fans des Bergischen HC wie erstarrt, weil der EHV Aue anderthalb Minuten vor Ende der Begegnung in der 2. Handball-Bundesliga völlig unverhofft noch einmal die Möglichkeit bekam, den Sieg der Gastgeber zu verhindern. Tatsächlich schaffte Michael Hätterich im folgenden Angriff den dritten EHV-Treffer in Folge zum 28:29. Jetzt wachten die Zuschauer auf, erhoben sich allesamt von ihren Plätzen, um den Tabellenvierten in der Schlussminute nach vorne zu treiben.

Zwei Mal hatten die Löwen schon einen vermeintlich sicheren Vorsprung verspielt. 17:12 hatte das Team von Trainer Norbert Gregorz zur Pause geführt, nachdem Christoph Krosch und Co. Aues Kreisläufer Alexander Urban nach dessen vier Treffern in den acht Anfangsminuten in den Griff bekommen hatten. Zwar nicht immer mit fairen Mitteln, aber oftmals so clever zugepackt, dass Jutta Ehrmann und Susanne Künzig die Fouls nicht zu sehen bekamen. So gelang Jens Reinarz nach einem Schnellangriff auch die erste Führung, weil die Schiedsrichterinnen den Klammergriff Christoph Kroschs an Alexander Urban übersehen hatten.

Von da an ging es aufwärts. Die Löwen packten in der Abwehr aggressiver zu und wurden gegen Ende der ersten Hälfte mit vielen fair erkämpften Ballgewinnen belohnt. Das 12:11 war die letzte Führung der Erzgebirgler. Danach brachten Sebastian Aschenbroich, Lars Friedrich jeweils mit geduldig herausgespielten Würfen aus dem Rückraum sowie Simon Kluge (2) und Jens Reinarz (2) jeweils nach Tempogegenstößen ihr Team mit 17:12 in Front.

Der Vorsprung war bis zur 42. Minute verspielt. Die Rückraumschützen hatten Probleme, sich auf Mareks Skabeikis einzustellen, der für Rostislav Badura zwischen die Pfosten gewechselt war. Neun Paraden gelangen dem EHV-Keeper bis zur 47. Minute. Weil Skabeikis bis dahin keinen Treffer aus dem BHC-Rückraum zugelassen hatte, hatte seine Mannschaft den Fünf-Tore-Rückstand beim 20:20 (42.) wieder aufgeholt. Der BHC legte von da an stets einen Treffer vor, Aue glich aus – bis zum 25:25, als Elvir Selmanovic sein Comeback mit zwei Toren in Folge krönte. Lars Friedrich und Alexander Oelze legten nach – so schien beim 29:25 (56.) die Entscheidung gefallen zu sein.

Die getapte Hand war im Spiel

Auch beim letztendlich entscheidende Tor von Sebastian Hinze hatte Selmanovic seine noch getapte Hand im Spiel: Der Pass an den Kreis kam von der Nummer 17, den Ball bekam Hinze im Zweikampf mit Valdis Gutmanis erst nach mehrmaligem Nachfassen zu packen und versenkte ihn 41 Sekunden vor Schluss unter tosendem Beifall zum 30:28. Maik Nowak beorderte zwar noch einen siebten Feldspieler für Mareks Skabeikis in den folgenden Angriff – aber ohne Erfolg. Michael Hätterich wurde auf Linksaußen freigespielt, traf nur den Pfosten. So konnte Lars Friedrich auf der Gegenseite mit seinem vierten Treffer den Schlusspunkt zum 31:28 setzen.

(RP)