Motorsport : Bremse der Vernunft

Philipp Hafeneger hatte sich für das „G-Lab Racing-Team“ entschieden, weil er sich hier Chancen auf einen WM-Start und auf den Titel bei der Internationalen Deutschen Meisterschaft erhofft hatte. Jetzt zog er den Schlussstrich.

Viele bittere Erfahrungen hat Philipp Hafeneger in seiner sportlichen Laufbahn gesammelt. Wo er sich am Anfang seiner zwölfjährigen Motorrad-Karriere noch voller Begeisterung Hals über Kopf in Projekte gestürzt hatte, überlegte der Motorsportler zuletzt mehrmals, bevor er irgendwo einen Vertrag unterzeichnete. Als der 25-Jährige im Januar das Angebot des „G-Lab Racing-Teams“ annahm, gab es eigentlich wenig zu überlegen. Kein anderes Team in der Supersport-Klasse der Internationalen Deutschen Motorrad-Meisterschaft (IDM) arbeitet professioneller, kaum ein anderes wäre ein besseres Sprungbrett für einen WM-Start gewesen. Und doch ist Philipp Hafeneger jetzt um eine weitere bittere Erfahrung reicher.

Gestern verkündete Teamchef Dietmar Franzen in einer Pressemitteilung nämlich kurz und knapp: „Der Wechsel des Reifenpartners hat leider zu unüberbrückbaren Differenzen in unserer Saisonplanung mit Philipp Hafeneger geführt. Aus diesem Grund wird Philipp ab dem Rennen auf dem Salzburgring nicht mehr für G-Lab Racing an den Start gehen“. Bei den Differenzen handelt es sich um Geld. „Um reichlich Geld, das ich nicht hinblättern wollte“, wie Philipp Hafeneger nach der von ihm in die Wege geleiteten Vertragsauflösung erklärt.

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Den Stein ins Rollen gebracht hatte die Entscheidung, die nicht konkurrenzfähigen Continental-Reifen nach dem Lauf auf dem Nürburgring gegen Pirelli-Pneus zu tauschen. „Hätte ich nicht gewechselt, wäre die finanzielle Rechnung eh nicht aufgegangen, weil ich mit Continental nie auf einen der ersten drei Plätze gefahren wäre.“ Nur so wäre eine Erfolgsprämie in die Teamkasse geflossen. Die Stimmung im „G-Lab Racing-Team“ war seitdem angeknackst, über die Zusammenarbeit für den Rest der Saison konnten sich Teamleitung und Pilot nicht einigen. „Ich hätte gerne einen Wildcard-Start bei einem Lauf zur Motorrad-Weltmeisterschaft vertraglich garantiert gehabt – dann wäre ich auch bereit gewesen, für einen finanziellen Ausgleich zu sorgen“, sagt Hafeneger.

Den WM-Start, den Hafenegers Teamkollege Arne Tode bereits hinter sich hat, konnte Dietmar Franzen dem 25-Jährigen allerdings nicht zusichern. Also verzichtete der Solinger auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem Koblenzer Rennstall. „Dieses Mal hat der Verstand gesiegt und nicht die Leidenschaft.“ Es habe bei nur noch vier ausstehenden IDM-Rennen keinen Sinn gemacht, noch so viel Geld zu bezahlen.

Auch wenn Philipp Hafeneger am Sonntag auf dem Salzburgring nicht dabei sein wird, möchte er die aktuelle Saison noch nicht abschließen. „So will ich nicht von der Bildfläche verschwinden.“ Der Motorsportler will jetzt versuchen, in einem anderen Team unterzukommen – egal, ob in der Supersport- oder in der Superbike-Klasse. Vielleicht kehrt Hafeneger ja zu „Wilbers Racing“ zurück. Dort ist in dieser Woche ein Platz frei geworden, weil Jesco Günther ein Angebot aus der WM angenommen hat.

(RP)