Viktor Szilagyi: "Der Bergische HC war genau der richtige Verein"

Viktor Szilagyi: "Der BHC war genau der richtige Verein"

Der 39-jährige Rekordnationalspieler und Sportliche Leiter der Löwen wechselt zum 1. Januar zum THW Kiel. Im Interview spricht Viktor Szilagyi über seine Zeit im Bergischen Land.

Seine offizielle Verabschiedung hat Viktor Szilagyi beim letzten BHC-Heimspiel des Jahres in der Uni-Halle gehabt. Nach den beiden Auswärtsspielen in Coburg und Dresden ist für den österreichischen Rekordnationalspieler nun endgültig der Abschied vom Bergischen HC gekommen. In fünfeinhalb Jahren als Spieler und zuletzt als Sportlicher Leiter hat er wesentlich zu den Erfolgen der bergischen Elite-Handballer beigetragen. Zum 1. Januar wird der 39-Jährige Sportlicher Leiter beim THW Kiel.

2012 kam Viktor Szilagyi zum Bergischen HC - und er stieg in dieser Saison mit den Löwen in die 1. Liga auf. Foto: Imago

Als Sie 2012 zum BHC kamen, war der gerade in die 2. Liga abgestiegen und versuchte nach einem personellen Umbruch den Wiederaufstieg. Inwieweit ist das mit der aktuellen Lage vergleichbar?

16. Juni 2016: Ehrung im Nationaltrikot durch Präsident Gerhard Hofbauer (OeHB) und Generalsekretär Martin Hausleitner (OeHB). Foto: Imago

Viktor Szilagyi Ich kann nur meine persönliche Situation vergleichen. Als ich mich dazu entschieden habe, zum BHC zu gehen, stand die Mannschaft noch mitten im Abstiegskampf, aber mit relativ guten Karten. Stefan Adam und HaDe Schmitz waren meine ersten Ansprechpartner. Da sieht man, wie schnell sich das ändert. Jörg Föste habe ich auch sehr früh kennengelernt, als ich das erste Mal in Wuppertal war, und Sebastian Hinze wirklich erst im Sommer. Ich glaube, dass in diesem Moment sehr, sehr viele Entscheidungen richtig getroffen worden sind. In erster Linie mit dem Trainer. Er hatte eine erfahrene Mannschaft zur Verfügung, die ihm sicher über die Anfangszeit geholfen hat, aber schlussendlich ist auch Sebastian ein Trainer, der sich unglaublich schnell persönlich und sportlich entwickelt hat. Die Mannschaft hat sehr schnell zueinander gefunden. Man muss aber sagen, dass der Start viel holpriger war als jetzt.

Warum glauben Sie, ist es jetzt glatter gegangen?

Szilagy Ich glaube, dass die Erfahrung, die aktuell in der Mannschaft steckt, um einiges höher ist als damals. Spieler wie Fabian Gutbrod, Kristian Nippes oder Arnor Gunnarsson haben schon viel Bundesliga-Erfahrung. Damals hatte man zuvor gerade ein Jahr dort gespielt und das am Ende eben nicht erfolgreich. Dazu kamen mit Michael Hegemann und mir nur noch zwei Spieler mit Bundesliga-Erfahrung. Hinzu kommt, dass man in dieser Saison, für die zweite Liga untypisch, sehr viel Qualität verpflichten konnte. Ich glaube, dass die aktuelle Mannschaft qualitativ höher anzusiedeln ist als die damalige.

Wie hat der Bergische HC es in der sportlich prekären Lage geschafft, so hochwertige Spieler von sich zu überzeugen?

Szilagyi Natürlich haben wir diese Situation klar angesprochen. Wir haben aber genauso längerfristige Ziele und die Garantie gegeben, dass im Falle eines Abstiegs identisch professionelle Bedingungen geschaffen werden. Das ist Spielern, die eine hohe Qualität haben und sich weiterentwickeln wollen, elementar wichtig.

War das auch damals für Sie der Grund, zu sagen, ich ziehe das durch, als der Abstieg für den BHC feststand?

Szilagyi Der Gedanke an die 2. Liga war für mich anfangs schwierig. Aber für mich war dann eben auch wichtig, dass perspektivisch gut gearbeitet wird, dass Leute in dem Verein sind, die keine utopischen Ziele haben, sondern Visionen und dafür alles tun. Das ist eine einmalige Situation, auch, was das Ehrenamt hier betrifft. Dann war da auch der Gedanke aufgrund der gesundheitlichen Situation, dass ich meine Karriere noch ein, zwei Jahre fortsetzen, aber eine geringere Spielbelastung haben wollte, sprich keine Europapokalspiele.

Hätten Sie 2012 gedacht, dass Sie so lange beim BergischenHC bleiben? Es ist ja Ihr längster Karriereabschnitt.

Szilagyi Nein, wirklich nicht. Ich bin davon ausgegangen, die letzten zwei Jahre meiner Karriere beim BHC zu verbringen, alles da reinzuhauen.

Wie oft sind Sie damals gefragt worden: BHC, wer?

Szilagyi Man merkte schon, vor allem im Ausland, dass die Leute Schwierigkeiten hatten, den Bergischen HC zu platzieren. Aber die Zeiten sind vorbei. Spätestens nach unserem Auftritt im Pokal-Final-Four weiß jeder, dass der BHC aus Solingen und Wuppertal kommt.

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Inwieweit glauben Sie, war auch der Name Szilagyi da ein Türöffner?

Szilagyi Das kann ich nicht beziffern. Ich war natürlich bei vielen Vereinen, die ein großes Standing im Handball haben. Aber allein in den vier Jahren, in denen ich noch mit der Nationalmannschaft unterwegs war, ist man natürlich ein Repräsentant für den BHC. Das gilt auch jetzt bei der EM in Kroatien für die BHC-Spieler.

Wo würden Sie den BHC in Ihrer Karriere ansiedeln?

Szilagyi Ich möchte da keine Rangliste aufstellen. Ich glaube, dass es immer zur richtigen Zeit der richtige Verein für mich war. Der BHC war genau der Richtige, bei dem ich meine Erfahrungen einsetzen und weitergeben konnte.

Gibt es Top-3-Momente?

Szilagyi Sicher gehört das Final Four in Hamburg dazu. Genauso waren die Siege in Balingen und Berlin unvergesslich, die richtungsweisend für den Klassenerhalt waren. Was aber eigentlich viel wichtiger war und für die ganze Zeit beim BHC spricht, ist, wie man aus negativen Phasen und Durststrecken, die es immer gibt, herausgekommen ist. Diese Ruhe, wirklich in Ruhe zu analysieren. Das heißt ja nicht, dass wir nicht kritisch und emotional miteinander umgegangen sind. Aber das ist immer hinter verschlossenen Türen passiert. Ich würde über die fünfeinhalb Jahre sagen, dass fast ausschließlich richtige Entscheidungen in diesen Krisensituationen getroffen wurden. Und das ist eine riesengroße Qualität, die bei weitem nicht alle Vereine haben.

Inwieweit glauben Sie, dass der tolle Zweitliga-Start des BHC Kiel mit dazu bewogen hat, Sie als Sportlichen Leiter zu holen?

Szilagyi Ab dem Zeitpunkt, als ich meine Karriere beendet habe, kamen immer wieder Anfragen, aber ich habe mich nie wirklich damit beschäftigt. Beispielsweise im Sommer und auch in der Vorbereitungsphase gab es nichts anderes als das Ziel, mit dem BHC, ich sage mal Wiedergutmachung zu betreiben. Die ersten Gespräche mit dem THW waren erst, als wir den Start positiv gestaltet hatten. Da habe ich an mir selber gemerkt, dass ich mir über das Angebot vom THW Gedanken mache. Ich habe auch sofort das Gespräch mit Jörg Föste gesucht und mit Sebastian Hinze und Philipp Tychy. Wir waren ja so eine Viererkombo, die immer vertrauensvoll zusammengearbeitet hat.

An wen übergeben Sie Ihre Aufgaben?

Szilagyi Einige administrative Dinge bespreche ich mit Philipp Tychy. Was Planung, Scouting und Ideen für die Mannschaft betrifft, sind Sebastian Hinze und Jörg Föste die Ansprechpartner. Ich habe sehr bald, nachdem mein Wechsel feststand, alle meine Erkenntnisse an sie weitergegeben. Ich bin aber auch weiter für sie ansprechbar, genauso wie ich glaube, dass ich den Austausch mit ihnen brauchen werde. Alle haben mir versichert, dass ich immer die Möglichkeit habe, sie anzurufen.

Glauben Sie, dass alle Aufgaben nun im kleineren Zirkel zu lösen sind?

Szilagyi Kurzfristig ja. Viele Sachen sind ja weit vorangebracht. Was die Zukunft betrifft, müssen die Beteiligten sich unterhalten, inwieweit man das schafft oder die Notwendigkeit besteht, die Position neu zu besetzen. Ich denke, dass es für einen Profiverein wichtig ist. Es ist wichtig für den Trainer, dass er jemanden hat, mit dem er sich austauschen kann. Genauso ist es gut, wenn zwischen Trainer und Geschäftsführung ein Kommunikator ist und die Spieler nicht nur mit dem Trainer ihre Dinge besprechen müssen.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE GÜNTER HIEGE.

(RP)