Bergischer Hc: Verantwortung - ein Produkt des Teams

Bergischer Hc : Verantwortung - ein Produkt des Teams

Mit großem Respekt war Viktor Szilagyi von der SG Flensburg-Handewitt zum Bergischen HC in die Zweite Liga gewechselt. Der österreichische Nationalspieler spricht über die Gewöhnungsphase, die Entwicklung und Hierarchie in der Mannschaft.

In den vergangenen Wochen war im Umfeld des Bergischen HC häufiger die Aussage zu hören: "Wir können nie wieder ohne Viktor Szilagyi Handball spielen." Wie sehen Sie das ?

Szilagyi (lacht) Handball ist ein Mannschaftssport. Wir haben sehr gute Spieler — gerade auch auf Rückraum Mitte mit Ali (Anmerkung der Redaktion: Alexander Oelze), der gegen jede Mannschaft und jede Abwehr einspringen kann. Wir haben auch gesehen, wohin das führt, wenn man als Einzelkämpfer und nicht als Mannschaft auftritt. Und damit meine ich nicht nur mich. Das beste Beispiel war die Partie in Emsdetten. Seitdem wir immer besser zusammenspielen, läuft's bei uns auch immer besser.

Wie das aussehen kann, hat man zuletzt am Mittwoch beim Erfolg gegen den SV Henstedt-Ulzburg gesehen. Sie haben nach Ihrem Länderspiel-Einsatz für Österreich länger gesessen, dafür hat Alexander Oelze eine glänzende Partie gemacht.

Szilagyi Es wird immer Phasen geben, wo der eine Spieler besser drauf ist als der Spannmann. Die Mannschaft, die das oder Verletzungen am besten kompensieren kann, wird am Ende der Saison oben stehen.

Man gewinnt trotzdem den Eindruck, dass Sie in kritischen Situationen besonders präsent sind — siehe Saarlouis.

Szilagyi Da sind wir wieder bei der Mannschaft und zugleich bei den vielen Komponenten, die zusammenpassen müssen. Ausschlaggebend für alles, was wir in Saarlouis erreicht haben, war eine Steigerung in der Abwehr und bei den Torhütern. Wen man merkt, dass man eine gute Phase hat, muss man auch Verantwortung übernehmen. Auf der Spielmacher-Position hat man sie automatisch etwas mehr.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung im Team ?

Szilagyi Wenn man bedenkt, wie viele neue Spieler wir haben oder welche Spieler in der vergangenen Saison verletzungsbedingt oder aufgrund der Konkurrenzsituation weniger Einsatzzeiten bekommen haben, spielt hier eine komplett neue Mannschaft. Dass diese nicht vom ersten Spieltag an perfekt harmoniert, war klar. Es ging daher nicht darum, wie wir spielen, sondern nur darum, dass wir die Punkte holen. Das haben wir Gott sei Dank gemacht — bis auf das Emsdetten-Spiel, das für uns gegen eine eingespielte Truppe definitiv zu früh gekommen ist. Man merkt, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht. Wir haben sicherlich genug individuelle Klasse, aber trotzdem wird diese allein in keinem Spiel ausreichend sein.

Haben Sie sich nach dem Wechsel aus Flensburg an die Zweite Liga gewöhnen müssen ?

Szilagyi An alles. Es spielen ja viele Sachen eine Rolle. Erst einmal bin ich umgezogen in eine neue Wohnung, in eine neue Region. Das Einleben mit der Familie ist die eine Seite. Die andere ist die sportliche. Neue Mitspieler, neuer Trainer, teilweise neue taktische Vorstellungen — so etwas braucht seine Zeit. Was in dieser Liga erschwerend hinzukommt, ist die Tatsache, dass ich fast alle Mannschaften so gut wie kaum bis gar nicht kenne. Das wird aber mit jeder Video-Analyse besser. Vor allem schaue ich mir Spiele an gegen Mannschaften, gegen die wir bereits gespielt hat. Da kann man alles besser einschätzen.

Haben Sie irgendwann gedacht: Wäre ich besser in der Ersten Liga geblieben ?

Szilagyi Nein, gar nicht. Mir war bewusst, dass es für mich eine neue Liga sein würde und ganz andere Herausforderungen warten. Die Automatismen, die in der Bundesliga gegeben waren, müssen erst wieder erarbeitet werden. Ich bin mit großem Respekt in die Zweite Liga gegangen — weil ich wusste, dass ich meine Spielweise umstellen muss und der Fokus auf mich kommen würde. Das habe ich vor allem in den ersten Begegnungen gemerkt, in denen sich fast jeder nur mit mir beschäftigt hat. Das ist zum Glück weniger geworden, weil wir als Mannschaft dafür gesorgt haben, dass mit viel Respekt über den BHC gesprochen wird.

Wie haben Sie das Spiel im DHB-Pokal gegen Hamburg erlebt — als Reise zurück in die Vergangenheit ?

Szilagyi (lacht) Nein. Es trennen uns ja keine Riesenwelten, auch wenn Hamburg ein anderes Kaliber ist. Oft ist es ja so, dass man sich mit der Qualität des Gegners steigert. In der Partie gegen Henstedt beispielsweise hat man gesehen, dass es schwierig wird, wenn man nicht voll konzentriert bei der Sache ist. Und bei Hamburg stellt sich die Frage gar nicht. Da ist man automatisch bei hundert Prozent. Da gilt auch für die Partien in der Zweiten Liga gegen die Top-Mannschaften.

Somit dürfte vom Bergischen HC am Sonntag wieder ein besserer Auftritt zu erwarten sein . . .

Szilagyi Das muss auch. Und das wissen wir auch. Wir haben zuletzt viel probiert, zudem haben Arnor Gunnarsson und ich nach mehr als einer Woche nur einmal mit der Mannschaft trainiert. Deswegen war es vielleicht ganz gut, noch einmal so ein Spiel gehabt zu haben vor einer Spitzenpartie wie gegen Eintracht Hildesheim, wo wir eine ganz andere Leistung bringen müssen.

Guido Radtke führte das Gespräch

(RP/ac)