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Bergischer HC: Turnier-Finale auf gutem Erstliga-Niveau

Bergischer HC : Turnier-Finale auf gutem Erstliga-Niveau

Handball-Erstligist Bergischer HC verschafft sich beim "BERO Linden-Cup" trotz der 26:28-Niederlage gegen die HSG Wetzlar Respekt.

Viktor Szilágyi hätte eine leere Wasserflasche am liebsten quer durch die Halle geschleudert, derart ärgerte er sich über die Niederlage gegen die HSG Wetzlar. Stattdessen beförderte der Kapitän des Bergischen HC das leere Gefäß aus dem Handgelenk unter die Bank, um für einen kurzen Augenblick in den Kabinentrakt zu entschwinden und dort seinen Frust abzulassen. Szilágyis Teamkollegen erging es ähnlich. Sie saßen nach dem Abpfiff des Endspiels beim "BERO Linden-Cup" unisono mit hängenden Köpfen auf der Mannschaftsbank, um auf die Siegerehrung zu warten. Eine eher ungewöhnliche Reaktion nach einer verlorenen Partie im Rahmen einer Vorbereitung auf die neue Saison.

 Skeptisch blickt Arnor Gunnarsson (l. / mit Physiotherapeut Carsten Walonka und Torhüter-Kollege Mario Huhnstock) während einer Auszeit in der ersten Halbzeit auf die Anzeigetafel. Mit 5:10 liegt der BHC gegen die HSG Wetzlar zurück.
Skeptisch blickt Arnor Gunnarsson (l. / mit Physiotherapeut Carsten Walonka und Torhüter-Kollege Mario Huhnstock) während einer Auszeit in der ersten Halbzeit auf die Anzeigetafel. Mit 5:10 liegt der BHC gegen die HSG Wetzlar zurück. Foto: Radtke, Guido (gra)

Das Testspiel vor knapp 600 Zuschauern in der fast ausverkauften Stadthalle Linden hatte von der körperlichen Härte, dem Tempo und den Emotionen zweifelsohne gutes Erstliga-Niveau. Löwen-Coach Sebastian Hinze spielte gegen den künftigen Liga-Konkurrenten bei seinen taktischen Maßnahmen gegen den künftigen Liga-Konkurrenten ebenso wenig mit verdeckten Karten wie Trainerkollege Kai Wandschneider. "Wir hatten vor diesem Wochenende unsere Testphase abgestellt und stattdessen Wettkampfbereitschaft und -nähe angestrebt", sagt Hinze. "Da geht es nur um Leistung und darum, Spiele zu gewinnen." In dieser Hinsicht sei die Begegnung gegen die HSG Wetzlar ein überragender Test gewesen.

Eine umstrittene Schiedsrichter-Entscheidung eröffnete das unterhaltsame Finale. 160 Sekunden waren gespielt, als Alexander Oelze mit einer Roten Karte ausgeschlossen wurde. Der Spielmacher hatte bei einem Siebenmeter Andreas Wolff mit dem Ball am Kopf touchiert. Oelze entschuldigte sich sofort, zudem zeigten der HSG-Schlussmann, dessen Mitspieler und auch die Zuschauer keine Reaktion — trotzdem schickte Christoph Maier den Mittelmann vom Feld. Der Bergische HC war damit einer personellen Alternative beraubt, die in der Schlussphase dringend benötigt worden wäre.

17 Minuten benötigte der Aufsteiger, um sich dem Wetzlarer Level anzupassen. Die Auszeit nach einem erneuten Gegentreffer von Kevin Schmidt über Linksaußen zum 5:10 zeigte Wirkung: Fortan spielten die Bergischen couragierter und mit mehr Bewegung ohne Ball. Bis zum Seitenwechsel wurden den Mittelhessen nur noch drei Tore gestattet — auch ein Verdienst von Stanko Sabljic, der sich in den Wochen der Vorbereitung insbesondere in der Abwehr als echte Alternative zum eingespielten Innenblock-Duo Michael Hegemann und Michael Weiß entwickelt hat.

"Wie wir zurückgekommen sind, stimmt mich positiv", erklärt Sebastian Hinze. Zudem seien die Phasen, in denen sein Team schlecht auftrete, im Vergleich zum Vorjahr geringer geworden. Der Coach vermisst allerdings noch die Souveränität und die Körpersprache in den entscheidenden Momenten. Nach der zwischenzeitlichen 23:20-Führung (42.) hätte der Außenseiter Grund genug gehabt, sich von der Sonderbewachung gegen Viktor Szilágyi nicht verunsichern zu lassen. Stattdessen blieben die Löwen bis 24:26 ohne Feldtor. Szilágyi und Emil Berggren beendeten die Schwächeperiode mit dem erneuten Ausgleich (58. / 26:26) — und plötzlich war der BHC wieder im Spiel. Gerade deshalb sorgten ein Ausrutscher von Kristian Nippes und der daraus resultierende unkontrollierte Querpass ins Aus für kollektiven Frust.

(RP)