Bergischer HC : Testspiel mit Lerneffekt

Lange Zeit war kein Unterschied zu erkennen, welches der Teams aktuell in der Handball-Bundesliga ansässig ist. Erst Mitte der zweiten Hälfte gab der Bergische HC das Testspiel beim TuS N-Lübbecke aus der Hand und verlor 27:31.

Eine erfolgreiche Mannschaft braucht einen Akteur, der sich nicht zu schade ist, die Drecksarbeit in der Abwehr zu erledigen. In der vorigen Saison hatte dem Bergischen HC der Aufräumer gefehlt. Davor war es Kristoffer Moen gewesen, der sich den Unmut der Fans oder den Ärger seiner direkten Gegenspieler eingehandelt hatte. Im neuen Team des Handball-Zweitligisten wächst Max Weiß immer mehr in diese wichtige Rolle.

Gestern im Testspiel beim TuS N-Lübbecke kam der Kreisläufer in der 12. Minute aufs Feld, um sich vorne wie hinten mit Arne Niemeyer sogleich einen Freund zu machen. Der Rückraumlinke des Erstligisten nahm das Duell an, steigerte sich hinein und sah schließlich eine gut provozierte Zwei-Minuten-Strafe (23.). Den Vorteil der Überzahl nutzten Weiß und Co., um sich erstmals auf zwei Tore abzusetzen (12:10). Nach Niemeyers Rückkehr beharkten sich die beiden weiter. Der Zweikampf hatte etwas von Ringen griechisch-römisch, als Weiß dem Lübbecker fast das Trikot über den Kopf zog. Es war die beste Phase der Bergischen in einer auf einem kämpferisch hohen Niveau geführten Partie, in der nicht zu erkennen war, welches der Teams aktuell in der Ersten Liga ansässig ist.

Obwohl Alexander Oelze per Siebenmeter an TuS-Keeper Dario Quenstedt scheiterte, wuchs der Vorsprung nach Treffern von Viktor Szilágyi und Stanko Sabljic auf 14:10 an. Die zehnminütige Torflaute der Mannschaft von Trainer Gennadij Chalepo beendete Kristian Svensson erst kurz vor Ende der ersten Hälfte – derart kompakt hatte die 6:0-Deckung der Löwen gestanden.

Nach Wiederbeginn war der TuS N-Lübbecke – im Übrigen ohne seine Olympia-Teilnehmer Drago Vukovic und Mattias Svensson sowie den verletzten Jens Schöngarth angetreten – vor gut 500 Zuschauern in der nahezu ausverkauften Sporthalle von Unterlübbe deutlich aktiver. Mario Huhnstock, für den im ersten Abschnitt guten Jan Stochl zwischen die Pfosten gerückt, sah sich einigen Krachern aus zehn bis zwölf Metern ausgesetzt, weil seine Vorderleute Arne Niemeyer und Co. nicht attackierten. "Wir hatten hinten einfach nicht mehr die Griffigkeit", analysierte Michael Hegemann treffend. Das galt auch für die Anspiele auf Frank Löke an den Kreis, der den Löwen sieben Treffer einschenkte.

Die Partie kippte jedoch erst, als der BHC nach der 22:21-Führung (43.) seinerseits für zehn Minuten das Tore werfen nahezu einstellte. Ausnahme bis zum 23:27 blieb Jiri Viteks 23:25 in Unterzahl. "Wenn man nach Erklärungen sucht, wird man welche finden", sagte Viktor Szilágyi. "Wir sind als Mannschaft noch in der Findungsphase und müssen lernen, besser aus solchen kritischen Situationen rauszukommen." Der Zweitligist schaffte zwar zwischenzeitlich den Anschluss (56./26:28), jedoch verhinderten in der hektischen Schlussphase ein paar Kleinigkeiten ein besseres Ergebnis als das 27:31.

(RP)