Bergischer HC: Sie tanzten, hüpften, lachten und weinten

Bergischer HC : Sie tanzten, hüpften, lachten und weinten

Die Niederlagen-Serie hat ein Ende: Der Bergische HC gewinnt den Abstiegsgipfel bei der HBW Balingen-Weilstetten mit 29:27 (16:12).

Die Zweifel waren zweifelsohne vorhanden. Sollte der Bergische HC nach einer weiteren Partie in der Handball-Bundesliga nur als Verlierer vom Feld gehen, obwohl er diese lange Zeit diktiert hatte ? Entschlossen und konzentriert wie schon lange nicht mehr hatten sich die Löwen im Abstiegsgipfel präsentiert und sich so eine Fünf-Tore-Führung erarbeitet, die bis zur 37. Minute Bestand hatte. Die Körpersprache sprach eindeutig für Szilágyi, Hegemann und Co. gegen einen in vielen Situationen konsterniert wirkenden Tabellennachbarn.

Nach Stanko Sabljic' 19:14 aber startete die HBW Balingen-Weilstetten ihre Aufholjagd. Elf Minuten später war das Polster aufgebraucht (21:21), weitere sechs Minuten später ließ sich Dragan Tubic in der ausverkauften Sparkassen-Arena von den frenetischen Anhängern des Tabellennachbarn für seinen Führungstreffer zum 25:24 feiern. "Es war der ungünstigste Zeitpunkt, um in Rückstand zu geraten", fand Michael Hegemann. "Nach einem kurzen Moment des Zweifels hat man allerdings sofort die Reaktion gesehen."

Ein riesiger Aufwand war in dieser Woche betrieben worden, um das nach zehn Niederlagen in Serie angeknackste Selbstbewusstsein der Mannschaft zu stärken. Die Abschlussbesprechung am Freitagabend war beispielsweise ausschließlich psychologisch geprägt gewesen. Das Ergebnis einer auf den Kopf gestellten Trainingswoche war der unbedingte Wille, dieses im Kampf um den Klassenerhalt so bedeutende Spiel trotz aller kleinen Rückschläge zu gewinnen. "Alle haben sofort ihre Körpersprache wiedergefunden — auch die Spieler auf der Bank", lobte ein sichtlich erleichterter Trainer Sebastian Hinze.

Der wiederentdeckte Glaube an die eigenen Stärken bescherte den Bergischen in der Schlussphase die entscheidenden Ballgewinne und das notwendige Quäntchen Glück, um in einem derartigen Nervenspiel erfolgreich zu bestehen. "Wir hatten uns vorgenommen, uns in der Abwehr die Abpraller zu sichern. Ich habe mir gedacht: Warum soll das nicht auch im Angriff funktionieren ?" Mit dieser Einstellung war Benjamin Meschke zum 26:26-Ausgleich erfolgreich.

Der entscheidende Mann der letzten Minuten aber war Viktor Szilágyi, der die dritte Zeitstrafe für Frank Ettwein provozierte und wenig später in Überzahl das 27:26 folgen ließ. Als der Löwen-Kapitän 62 Sekunden vor Ende mit dem 28:27 den Gegentreffer von Kai Häfner beantwortete, schien zumindest die Punkteteilung gesichert. Die Balinger Auszeit sowie die Vorbereitung, mit Christoph Theuerkauf einen siebten Feldspieler einzuwechseln, blieben ohne Wirkung, weil Kai Häfner ein Fußspiel unterlief. Unbeeindruckt von der offenen Manndeckung der Schwaben wanderte der Ball in den verbleibenden 20 Sekunden durch die BHC-Reihen, bis Viktor Szilágyi frei zum Abschluss kam. Über das 29:27 freute sich der Österreicher wie ein Kind: Hüpfend, lachend und mit den Tränen in den Augen kehrte er in die eigene Hälfte zurück, um sich mit seinen tanzenden Teamkollegen dem erlösenden Jubel hinzugeben.

Drei Punkte beträgt jetzt wieder der Abstand auf die Abstiegsränge. Die Löwen haben den Klassenerhalt weiter in eigener Hand.

(gra)