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Bergischer HC: Quälende 15 Sekunden nach dem Schlusspfiff

Bergischer HC : Quälende 15 Sekunden nach dem Schlusspfiff

Der Bergische HC ist gegen den TBV Lemgo mit einem blauen Auge davongekommen. Viktor Szilágyi rettete das 34:34 in letzter Sekunde.

Beim 30:26 ist die Welt für den Bergischen HC in Ordnung. Arnor Gunnarsson hat gerade den Siebenmeter verwandelt und peitscht das Publikum in der ausverkauften Wuppertaler Unihalle auf. Zwölf Minuten müssen die Löwen gegen den TBV Lemgo noch durchhalten, um zwei wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt in der Handball-Bundesliga einzufahren.

Doch von da an geht es abwärts. Viktor Szilágyi erhält eine etwas kleinliche zweiminütige Hinausstellung, weil er den Ball in der Abwehr mit dem Fuß berührt hat. Der TBV verkürzt in Überzahl auf 28:30. Aber auch nachdem Szilágyi auf das Feld zurückgekehrt ist, finden die Löwen kein Mittel mehr gegen die Verteidigung der Gäste. Die Lemgoer haben von einer 5:1- zurück auf eine 6:0-Deckung gestellt und halten so die rechte Abwehrseite dicht, über die Alexander Oelze zuvor ein paar Mal erfolgreich gewesen ist.

Jetzt bleibt der BHC zu oft hängen, findet keine Lücke mehr und versucht es am Ende mit Einzelaktionen, die zum größten Teil ohne den gewünschten Erfolg bleiben. Viktor Szilágyi schießt in den Block, Alexander Oelze über das Tor, und auch Kristian Nippes vergibt aus wenig aussichtsreicher Position. Oft geht der Ball auch einfach verloren, so dass die Lipperländer zu Gegenstößen eingeladen werden. Als Patrick Zieker frei vor BHC-Keeper Björgvin Gustavsson auftaucht und nur die Latte trifft, hat der BHC zum ersten Mal enormes Glück. Schließlich verwandelt Szilágyi im Gegenzug zum 32:30.

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Doch die Aufholjagd des TBV ist nicht mehr zu stoppen. Max Weiß räumt Rickhard Lönn ab und muss vom Feld. Hendrik Pekeler gleicht wenig später gegen sein Ex-Team aus. Es werden Erinnerungen wach an die Mutter aller Niederlagen vor zweieinhalb Jahren, als der BHC eine noch höhere Führung völlig unnötig gegen die Lemgoer aus der Hand gegeben hat. Spätestens mit der ersten TBV-Führung seit der 3. Minute, deutet sich das schlimmste sportliche Unglück an. Max Höning trifft eine Minute vor Schluss zum 34:33.

Noch ein Mal werfen die Löwen alles nach vorne, werden aber immer wieder von den Gästen festgemacht. Wie in den Minuten zuvor gelingt es der Truppe nicht, eine gute Schusschance herauszuarbeiten. Bei drei Sekunden auf der Uhr erhält das Team einen letzten Freiwurf. Der Ball kommt zu Viktor Szilágyi, der ihn verzweifelt Richtung Tor feuert. Es grenzt an ein kleines Handball-Wunder, dass die Kugel mit der Schlusssirene in den Maschen einschlägt. Doch Vorsicht: Noch herrscht Verwirrung, ob er Treffer zählt.

Etwa 15 Sekunden dauert die Beratung der Unparteiischen am Zeitnehmertisch. Dann zeigen sie an: Das Tor zählt. Wie quälend diese letzten Sekunden gewesen sein müssen, zeigt nicht nur der Aufschrei der Zuschauer. Es bricht förmlich aus Sebastian Hinze heraus. Der Löwen-Trainer läuft ein paar Schritte Richtung Gegengerade und springt mit geballten Fäusten hoch. So emotional hat man Hinze selten gesehen.

Unter dem Strich bleibt, dass der BHC ein Riesenglück gehabt hat - vielleicht ein Ausgleich für etwas Pech in vorangegangenen Spielen. "Trotzdem ist es ein verlorener Punkt, wenn wir das gesamte Spiel betrachten", stellt Linksaußen Christian Hoße klar. "Wir sind in den letzten zehn Minuten im Angriff ohne Lösung geblieben." Gegen die 6:0-Deckung hatte Fabian Gutbrod in der ersten Halbzeit Akzente gesetzt. Am Schluss hätten seine Würfe vielleicht geholfen. "Er war eine Option", sagt Hinze. "Aber Alexander Oelze hat auf der linken Seite eine starke Leistung gezeigt, so dass ich mich für ihn entschieden habe."

(RP)