Bergischer HC : Oelze im Dutzend

In einer für einen Aufsteiger nicht selbstverständlichen Ruhe ergatterte sich der Bergische HC wie schon im Hinspiel einen Sieg gegen die TSV Hannover-Burgdorf. Einer der Matchwinner beim 35:31 (17:13)-Erfolg war Spielmacher Alexander Oelze.

Etwas überraschend stand sein Name auf der Mannschaftsliste. Henrik Knudsen, der Unermüdliche, hatte signalisiert, dass er es zumindest probieren wollte. Der Mann, der sich Schmerzen wegdenken kann, hatte sich unter der Woche in Schweden bei seinem Haus- und Hofphysiotherapeuten am Wurfarm behandeln lassen und war mit etwas gelinderten Beschwerden nach Solingen zurückgekehrt. "Es war jedoch klar, dass er nicht spielen konnte." Ha De Schmitz hatte Knudsens Teamkollegen schon im Abschlusstraining darüber in Kenntnis gesetzt.

Trotzdem setzte der Coach des Bergischen HC seinen Mittelmann auf passiv, so dass er ihn während der laufenden Partie noch hätte nachtragen können. "Es hätte ja sein können, dass sich Hannover noch einmal kurz mit Henrik beschäftigt." Während sich der Däne mit der Mannschaft warm machte, sah Christoph Nordmeyer, dass sein Trainerkollege nur in die psychologische Trickkiste gegriffen hatte. Henrik Knudsen lief erst gar nicht ein, sondern nahm direkt neben Jens Reinarz und Christian Hoße auf der Tribüne Platz.

Vermisst wurde Henrik Knudsen nicht. Dafür sorgte Alexander Oelze, der Mann, der in der Hinrunde im Schatten des Dänen gestanden hatte. Ausgestattet mit einem in der Vorbereitung gut gefüllten Tank Selbstbewusstsein schaltete und waltete der 28-Jährige von der ersten Sekunde an, wie er wollte. Anfangs war er nur der Regisseur, der die Bälle verteilte oder die entscheidenden Pässe spielte. Beim 7:4 (10.) trat Oelze zum ersten Mal als Torschütze in Aktion. Bei Abpfiff hatte er inklusive seiner drei Siebenmeter das Dutzend vollgemacht.

Alexander Oelze war der Oldie in der jüngsten Startformation, die Ha De Schmitz in dieser Saison aufs Feld geschickt hat. Abgeklärt warfen Hendrik Pekeler, Runar Karason, Fabian Böhm, Richard Wöss, Max Weiß an seiner Seite nicht nur einen frühen Vier-Tore-Vorsprung heraus, genauso souverän verwalteten sie ihn auch. Dass die TSV Hannover-Burgdorf ab und zu auf zwei Treffer verkürzte, ließ die Bergischen bis weit in die zweite Halbzeit unbeeindruckt. Mit zunehmender Spieldauer entpuppte sich Kristian Nippes immer mehr als zweite treibende Kraft in einer Mannschaft, die an diesem Nachmittag als solche perfekt funktionierte. An seinem 24. Geburtstag gelang dem Linkshänder alles, so auch das Anspiel aus dem Handgelenk auf Hendrik Pekeler zum 25:21.

Fehlpässe laden Burgdorf ein

Auf Knopfdruck war es vorbei mit der bergischen Herrlichkeit, als Hendrik Pekeler für eine kurze Behandlung raus musste. "Plötzlich hatten wir Probleme in der Deckung", registrierte Mario Huhnstock. Deswegen hatte der glänzend aufgelegte Löwen-Keeper gegen Morten Olsen und Aivis Jurdzs keine Abwehrchance.

Zwei Fehlpässe luden die Burgdorfer zu Tempogegenstößen ein, die Lars Lehnhoff und Torge Johanssen zum 25:25-Ausgleich dankend annahmen. Es waren die einzigen Anzeichen von Nervosität. Genauso schnell, wie der BHC seinen Vorsprung verspielt hatte, eroberte er ihn sich zurück. In einer für einen Aufsteiger nicht selbstverständlichen Seelenruhe. Mit dem 35:31-Auswärtscoup wurde der Anschluss an das untere Mittelfeld hergestellt — bei nur zwei Punkten Rückstand auf Hannover.

(RP)