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Bergischer Hc: Nur zwei Punkte für den Klassenerhalt

Bergischer Hc : Nur zwei Punkte für den Klassenerhalt

Der sensationelle 34:27-Erfolg des Handball-Erstligisten Bergischer HC gegen den HSV Hamburg ist im Abstiegskampf besonders wertvoll.

Emil Berggren hatte es noch nicht einmal in die Kabine geschafft. Der Schwede hatte sich im Treppenaufgang auf eine der untersten Stufen gesetzt und war ganz in sich versunken. "Ich bin kaputt", waren die einzigen Worte, die ihm wenige Minuten nach dem großen Coup zu entlocken waren. Viktor Szilágyi erging es nicht viel anders. Der Kapitän war ebenfalls sprachlos: "Aber mehr aufgrund der Müdigkeit. Es war wirklich ein sehr kraftaufwendiges Spiel – auch im mentalen Bereich."

Der Bergische HC hat am obersten Limit gespielt. 60 Minuten lang. Ohne eine längere Schwächeperiode, die einen deutlichen Rückstand hätte bedeuten können. Lediglich zwei Mal kassierte der Aufsteiger zwei oder drei Gegentreffer in Serie. In der Anfangsphase, als Hans Lindberg in Überzahl seine beiden einzigen Feldtore des Abends gelangen und Andreas Nilsson den dritten Treffer nachlegte (11.). Und in den letzten Minuten der ersten Hälfte, als Petar Djordjic und Domagoj Duvnjak erfolgreich waren. Ein Faustpfand gegen einen Gegner dieses Kalibers. In beiden Ausnahmefällen waren die Hanseaten in Zugzwang gewesen, weil die Löwen jeweils eine Zwei-Tore-Führung vorgelegt hatten. "Die Hamburger mussten immer wieder ihre Abwehr umstellen, weil uns im Angriff sehr viel gelungen ist", urteilte Viktor Szilágyi. "Das hat es für sie natürlich nicht leichter gemacht."

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Die Chance, gegen einen der ganz Großen der Liga zwei Punkte abzustauben, bietet sich einer Mannschaft aus der unteren Tabellenregion nur selten. Im ersten Heimspiel der Saison aber war sie zweifelsohne vorhanden. Einiges hatte darauf hingedeutet, dass sich die Norddeutschen so schwer tun könnten wie sie es in der ausverkauften Klingenhalle schlussendlich getan haben. Die beiden Qualifikationsspiele zur Champions League gegen die Füchse Berlin sowie die inoffizielle Weltmeisterschaft für Vereinsteams in Doha steckten dem neu formierten Team von Martin Schwalb noch in den Knochen. Der HSV-Coach hatte eine schwierige Aufgabe, in nur zwei Trainingseinheiten den Schalter auf Bundesliga-Modus umzustellen. Vier Tage vor dem Prestigeduell gegen den THW Kiel war die Partie beim Bergischen HC nur eine lästige Pflicht, die angesichts der bravourösen Gegenwehr irgendwann zu einem unlösbaren Kopfproblem wurde.

Johannes Bitter war auf Hamburger Seite einer der Ersten, der nach dem Debakel die Worte wiedergefunden hatte. Der Ex-Nationalkeeper sprach seinem Team die Einstellung ab: "Die erste Halbzeit war gut, aber danach war das gar nichts. Der Gegner hatte den Willen, den wir nicht hatten", sagte Bitter, der neben dem Ex-Solinger Torsten Jansen der einzige Hamburger war, der Normalform erreicht hat. Ein frustrierter Hans Lindberg bilanzierte angefressen: "So gewinnt man kein Spiel in der Bundesliga – egal wie der Gegner heißt".

Während die Norddeutschen an der auch in der Höhe unerwarteten Niederlage zu knabbern haben, ist der Sieg aus BHC-Sicht zu einem so frühen Zeitpunkt der Erstliga-Saison ein besonders wertvoller. Der 34:27-Erfolg bringt zwar auch nur zwei Punkte für den anvisierten Klassenerhalt, aber er stärkt das Vertrauen in das eigene Leistungsvermögen in derartigem Maß, wie es vor zwei Jahren vonnöten gewesen wäre, um in den vielen knappen Spielen zu bestehen. "Wenn wir 60 Minuten lang unseren Stiefel durchdrücken können, haben wir gegen jeden Gegner eine Chance." Nach dieser Vorstellung bestehen an der selbstbewussten Aussage von Christian Hoße keine Zweifel.

Die Messlatte haben Szilágyi, Gustavsson und Co. hochgelegt. Anlass, plötzlich von mehr als dem Klassenerhalt auszugehen, gibt es jedoch keinen. Träumen mag zwar erlaubt sein, die Realität aber sieht anders aus und bedeutet harte Arbeit. Wenn Spieler sprachlos sind und keine Kraft mehr zum Jubeln haben, weil sie sich voll verausgabt haben, haben sie alles richtig gemacht.

(RP)