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Bergischer HC: Neuanfang nach tragischem Jahr

Bergischer HC : Neuanfang nach tragischem Jahr

Als gestandener Spieler ist Michael Hegemann nach Solingen zurückgekehrt. Der 35-Jährige betrachtet die Aufgabe beim Bergischen HC als reizvoll, die Rückkehr in die Handball-Bundesliga anzustreben. Damit das gelingen kann, rät der Routinier, nicht mehr an die vorige Saison zu denken.

Die Strecke kennt Michael Hegemann noch aus seiner Zeit, als er vier Jahre lang das Trikot der SG Solingen getragen hat. Damals pendelte er noch zwischen seinem Elternhaus in Gladbeck und der Klingenhalle, seit 2009 wohnt der 35-Jährige in seiner Heimatstadt mit Frau und Hund in einem eigenen Häuschen. "Ich empfinde es als sehr angenehm, wenn ich Handball und Privates trennen kann." Im Durchschnitt benötigt Hegemann 45 Minuten bis vor die Haustür – genügend Zeit, um die Eindrücke vom Training oder den Spielen gedanklich zu verarbeiten. "Zu Hause kann ich dann direkt abschalten."

Das allerdings ist Michael Hegemann in der abgelaufenen Saison zwangsläufig sehr schwer gefallen. Auf das finanzielle Aus der HSG Düsseldorf folgte der Wechsel während der Saison zum Zweitliga-Konkurrenten DHC Rheinland, um ein Düsseldorfer-Dormagener Fusionsteam einzuspielen – bis in Dormagen ebenfalls der Insolvenzantrag gestellt wurde. "Fernab von allem Sportlichen war es menschlich ein tragisches Jahr", sagt Hegemann. Bewusst sei mit Existenzen gespielt worden. "Das hatte nichts mehr mit dem Sport zu tun, den ich kenne und seit meiner Jugendzeit mit Spaß und Leidenschaft betreibe." In den Meisterschaftsspielen haben sich alle irgendwie motivieren können, im Training allerdings habe sich die Frage gestellt, wofür man sich noch quält. "Ich wusste gottseidank schnell, dass es für mich beim Bergischen HC eine neue Perspektive geben würde."

Noch einmal eine Saison bei einem ambitionierten Club bestreiten, hatte sich Michael Hegemann als Bedingung für eine Unterschrift unter einen neuen Vertrag gesetzt. "Hier beim BHC ist die innere Freude und die Spannung wieder da" – seitdem der Routinier weit vor dem offiziellen Trainingsauftakt sein eigenes Programm gestartet hatte. "Mit 35 muss ich anders trainieren als mit 18." Hegemann lacht. "Ab einem gewissen Alter muss man sich auf die Vorbereitung vorbereiten. Erst recht, weil die Endphase in Dormagen nicht typisch war für einen Handballprofi und Nachholbedarf bestand." Als reizvoll betrachtet der Rückraumspieler die Situation, als älterer, gestandener Akteur das Projekt der Rückkehr ins Handball-Oberhaus mitgestalten zu können. Damit das Vorhaben gelingen kann, rät Hegemann zum Neuanfang. "Im Sport gibt's nur das Jetzt, keine Vergangenheit, keine Zukunft. Es würde allen gut tun, nicht mehr an das vergangene Erstliga-Jahr zu denken." Der neue Löwen-Kader verfüge über Qualität. "Allerdings werden wir Zeit brauchen, um uns als Mannschaft zu finden."

Gefühlte 30 Semester

Hegemanns Vertrag beim Bergischen HC besitzt Gültigkeit für ein Jahr. "Weil ich mittlerweile nur von Saison zu Saison denke." Wie lange der 35-Jährige noch als Profi aktiv sein wird, mache er von seinen Ansprüchen abhängig. "So lange ich ihnen gerecht werde und morgens locker aus dem Bett komme, kann ich den Handball genießen." Für die Zeit danach hat er vorgesorgt: Der angehende Grundschullehrer muss nur noch seine Klausuren schreiben, um das Studium in Deutsch, Mathe und Erziehungswissenschaften nach gefühlten 30 Semestern abzuschließen und das Referendariat aufzunehmen.

Testspiel: ASV Hamm-Westfalen – Bergischer HC (heute, 19.30 Uhr, Maxipark-Arena).

(RP)