Bergischer HC Lange vier Sekunden

Bergischer HC · Gegen die TSV Hannover-Burgdorf benötigte der Bergische HC rund 20 Minuten der Eingewöhnung. Dann aber sorgte der Aufsteiger bei seiner Heimpremiere für Begeisterung unter den rund 2700 Zuschauern. Ein Sechs-Tore-Rückstand wurde aufgeholt und der erste Erstliga-Sieg gefeiert.

Kristoffer Moen wedelt mit den Händen und will damit den Schiedsrichtern verdeutlichen, dass er nur ein ganz normales Foul begangen hat. Wenn nicht er, dann hatte es zumindest einer seiner beiden Mitspieler verdient, für das taktisch clevere Foul mit einer Zeitstrafe vom Feld geschickt zu werden. Zu dritt hatten sie sich in den letzten zehn Sekunden auf Asgeir Hallgrimsson gestürzt, um ihn nach einer Schnellen Mitte am Wurfkreis zu stoppen und die 29:28-Führung zu verteidigen.

Die Uhr bleibt bei einer Restspielzeit von zwei Sekunden stehen. Nach einigen Diskussionen am Kampfgericht bekommt die TSV Hannover-Burgdorf noch zwei weitere Sekunden obendrauf. Mit Hannes Jonsson als siebtem Feldspieler versuchen die Niedersachsen, gegen die fünf verbleibenden Akteure noch zu einem freien Wurf zu kommen. Der Pfiff zur Freigabe, ein Pass, ein zweiter Pass, ein dritter Pass, ein Foul, noch ein Pfiff — das alles dauert extrem lange für vier Sekunden. Das Schlusssignal aber will nicht ertönen. Stattdessen wird die Partie noch um einen direkten Freiwurf verlängert. Das gellende Pfeifkonzert verwandelt sich in tosenden Jubel, als der Versuch von Torge Johannsen in der Löwen-Mauer hängenbleibt. Der erste Sieg des Bergischen HC in der Handball-Bundesliga ist perfekt.

Wechselbad der Gefühle

In seinem ersten Heimspiel haben die Bergischen die 2720 Zuschauer in der Wuppertaler Unihalle durch ein Wechselbad der Gefühle geschickt. Im Vergleich zur Liga-Premiere am Mittwoch beim TBV Lemgo hat sich der Aufsteiger in der Abwehr zwar deutlich verbessert gezeigt. In der Offensive fehlte jedoch abermals der Anfangsschwung. Trainer Ha De Schmitz bezeichnete die kläglichen Versuche, Kristoffer Moen am Kreis zu bedienen oder aus dem Rückraum zum Erfolg zu kommen, als "außerirdisch". Gestern aber reduzierte der BHC seine Phase der Eingewöhnung um zehn auf 20 Minuten und fand noch vor dem Seitenwechsel die Sicherheit und Kreativität in der Offensive.

Die Gastgeber kämpften und nutzten die Schwierigkeiten der Niedersachsen, sich in der Abwehr zu finden. TSV-Abwehrchef Frej Rydergard war schon nach gut einer Viertelstunde verletzt ausgefallen. Und als dessen Vertreter Piotr Przybecki nach der zweiten Zeitstrafe nicht mehr unbekümmert zupacken durfte, zogen die Bergischen auf 27:24 (54.) davon. Angetrieben von der Unterstützung des Publikums war der erste Ausgleich schon neun Minuten zuvor gelungen.

Geschlagen gaben sich die Hannoveraner noch lange nicht. TSV-Coach Christopher Nordmeyer stellte in der Abwehr um, ließ nun offensiv verteidigen. Für wenige Minuten wirkte der Neuling etwas ratlos, was drei Ballverluste und drei Gegentreffer in Serie belegen. Die entscheidenden Akzente kamen trotzdem — insbesondere von Henrik Knudsen. Der Däne fand den Weg in der dramatischen Schlussphase durch die 3:2:1-Deckung, weil seine Mitspieler ihm Platz schafften. Erst traf er zur 28:27-Führung, und schließlich zehn Sekunden vor Ende nach einem schnell ausgeführten Anwurf nach dem erneuten Ausgleich zum 29:28-Endstand.

(RP)