Bergischer HC : Keine Heimschiedsrichter

Das Ergebnis klingt deutlicher als es der Spielverlauf war. Bei der 21:34-Niederlage gegen den THW Kiel haben die Bundesliga-Handballer des Bergischen HC vieles richtig gemacht, wurden in ihren Bemühungen aber auch von den Unparteiischen gestoppt.

Zum Thema Schiedsrichter dürfen sich Spieler, Trainer und andere Offizielle eines Vereins seit dieser Saison nach Spielende nicht mehr negativ äußern. Bis 48 Stunden nach dem Abpfiff, um genau zu sein. Sonst drohen Strafen, die — mit Verlaub — in einem Land, in dem Meinungsfreiheit groß geschrieben wird, wahrscheinlich ohnehin nicht durchsetzbar wären.

Trotzdem hat die Maßnahme der Handball-Bundesliga Wirkung gezeigt. Man hält sich allgemein bei den Vereinen zurück, wenn es um eine Beurteilung der Unparteiischen geht. Auch nach der Partie des Bergischen HC gegen den THW Kiel. Wer HaDe Schmitz' Worte über Ronny Dedens und Nico Geckert gehört hat, muss trotzdem kein großer Philosoph sein, um zu erkennen, dass der BHC-Coach mit der Vorstellung der beiden Referees nicht ganz glücklich war.

"Ich will gar nichts zur Leistung sagen", betont HaDe Schmitz. Der Coach bezieht sich auf das Auftreten der Schiedsrichter. "Ich habe gesagt: Wenn Du mal ein großer Schiedsrichter werden willst, musst Du Kommunikation betreiben." Der BHC-Trainer empfand es als störend, dass das Gespann auf Nachfrage von außen nach unten oder weggeschaut hat. "Es sieht fast wie ein schlechtes Gewissen aus." Hatten die Schiedsrichter Grund dazu? HaDe Schmitz hat freilich keine der vielen Entscheidungen gegen seine Mannschaft kritisiert. "Und die Hinausstellungen. Ja, die muss ich mir auf Video ansehen", sagt der Coach und gewinnt dabei vermutlich exakt 48 Stunden Zeit.

Die Statistik

Fakt ist, der Bergische HC hätte sowieso gegen den THW Kiel verloren. Zu stark, zu erfahren, zu abgebrüht agierten die Gäste in der Defensive und bei ihren Tempo-Gegenstößen. Die Gastgeber hatten über weite Strecken nur dem Kieler Aufbauspiel etwas entgegenzusetzen und hielten die Partie deshalb lange knapp. Einige Pfiffe für das Heimteam hätten der Begegnung sicherlich gut getan. Nicht nur wäre dies im Sinne des Bergischen Lands gewesen, es wäre schlicht ausgewogener gewesen. Fünf Mal mussten BHC-Spieler mit einer Zeitstrafe auf der Bank Platz nehmen. Auf der anderen Seite wurde nur Momir Ilic für zwei Minuten runter geschickt. Außerdem erhielt Kiel fünf, der BHC nur zwei Siebenmeter. Soviel zur Statistik.

Klar waren die Kieler cleverer, begingen ihre Fouls teilweise nicht so offensichtlich und zogen die Bergischen Eingriffe in der Offensive sehr geschickt. Doch viele, fast alle kleinen Entscheidungen, fielen zu Gunsten der Gäste aus. Kenneth Klevs erste Hinausstellung bei engem Spielstand war sicher überzogen, aber auch viele andere Kleinigkeiten liefen gegen die Bergischen. Verloren hätten sie, aber ein bisschen mehr Dramatik hätten sich die Löwen verdient gehabt. Das lange Agieren in Unterzahl in der zweiten Halbzeit verhalf den Kielern dann sogar zu einem Kantersieg. "Dieser Umstand hat es uns auch konditionell nicht leichter gemacht", sagt HaDe Schmitz.

(trd)