Bergischer HC Handball-Welten

Bergischer HC · Die Vorfreude war so groß gewesen auf den Höhepunkt der Hinrunde. Dem Kaliber des Gegners angepasst hatten sich die Handballprofis des Bergischen HC auf der Fahrt sogar wie Stars fühlen dürfen.

 Die 6:0-Abwehr des THW Kiel um Momir Ilic (l.) und Marcus Ahlm war für Kristian Nippes und Co. in der zweiten Hälfte wie ein Bollwerk.

Die 6:0-Abwehr des THW Kiel um Momir Ilic (l.) und Marcus Ahlm war für Kristian Nippes und Co. in der zweiten Hälfte wie ein Bollwerk.

Foto: KLahn

Zufällig hatte das Busunternehmen aus Gummersbach am vergangenen Wochenende auf ein Luxusgefährt zurückgreifen können — inklusive Lounge mit Flatscreen und einer Spielkonsole sowie einem Ruhebereich mit zehn Betten.

Nicht nur deswegen war der Aufsteiger beim Rekordmeister ausgeruht angetreten. Bereits am Samstag war der BHC-Tross in den hohen Norden gereist und hatte in Altenholz übernachtet. In dem Vorort von Kiel wurden nach der Ankunft sowie am Sonntagvormittag zudem noch zwei Trainingseinheiten absolviert. Diesen Aufwand hatte der Club in der Zweiten Liga nur betrieben, wenn bei ähnlichen weiten Fahrten und frühen Anwurfzeiten bedeutende Begegnungen angestanden hatten.

Gemessen an den Ansprüchen der beiden Vereine und an der 18:34 (9:14)-Niederlage gegen den THW Kiel kann davon keine Rede gewesen sein. Sportlich hat die Truppe um das Weltklasse-Quartett Daniel Narcisse, Filip Jicha, Kim Andersson und Momir Ilic eindrucksvoll aufgezeigt, dass die Norddeutschen und die Bergischen in verschiedenen Handball-Welten agieren.

Da wäre Kim Andersson, der nach einem Zusammenprall mit Kenneth Klev mit genähter Lippe aufs Feld zurückkehrte und neun einfachste Treffer aus dem Rückraum erzielte. Da wäre Daniel Narcisse, der sich auf der Mittelposition auf das Bälle verteilen beschränkte, aber aus dem Stand zwei Tore zum Zunge schnalzen erzielte, als er plötzlich Lust dazu hatte. Da konnten die Löwen in der Abwehr so gut arbeiten, wie sie wollten.

Auf der anderen Seite sah beim Spielaufbau im Rückraum alles nach harter Arbeit aus. "Die zehn Minuten nach Wiederbeginn waren eine Katastrophe", bilanziert Ha De Schmitz. Der Löwen-Coach belegte das mit der Ausbeute von einem Tor aus zehn Angriffen.

Neben zahlreichen abgeblockten Versuchen (Karason, Klev) stand neben dem Pfosten (Nippes) immer wieder Andreas Palicka im Weg. Vor allem der sonst so treffsichere Christian Hoße hat den zweiten Mann hinter Thierry Omeyer im THW-Gehäuse kennengelernt. Ha De Schmitz verheimlicht nicht, dass er irgendwann nur noch auf die Uhr geschaut und sich gedacht habe: Hoffentlich ist es bald zu Ende".

Ob sich der Aufwand gelohnt hat, werden die nächsten Spiele zeigen. Nach der nächtlichen Rückkehr aus Kiel folgen morgen schon die nächsten Reisestrapazen in die andere Handball-Welt des noch ungeschlagenen Süd-Drittligisten TSB Heilbronn-Horkheim.

(RP)