Handball-Bundesliga: Unterschrift beim BHC war für Sebastian Damm ein Heilmittel

Handball-Bundesliga : Unterschrift beim BHC war für Sebastian Damm ein Heilmittel

Handball-Bundesliga: Sebastian Damm erhielt den Anruf der Löwen in einer seiner schwersten Stunden.

Sebastian Damm wirkt euphorisch und glücklich, wenn er über seine ersten Erfahrungen und die Zukunft beim Bergischen HC spricht. Der Handballer beginnt in diesen Tagen, seinen Traum zu leben. Schon mit 13 Jahren überredete der Linksaußen seine Eltern, alleine von Kassel nach Großwallstadt zu ziehen, um dort ins Internat zu gehen. „Weil ich unbedingt Handball spielen wollte“, erinnert sich der 24-Jährige. Mit dem Wechsel zum Bergischen HC geht der ganz große sportliche Wunsch in Erfüllung – einer, den er im vergangenen Winter schon fast aufgegeben hatte.

Es war ein bitterer Tag im November 2018, als Sebastian Damm, zu diesem Zeitpunkt in Diensten des VfL Lübeck-Schwartau, auf die Autobahn auffuhr. Er landete im Stau, doch ein Multivan-Fahrer reagierte zu spät und schob den damaligen Zweitliga-Handballer unter einen LKW. „Ich erinnere mich nur noch an Lichter hinter mir, und, dass mich jemand aus dem Auto gezogen hat, weil es brannte“, beschreibt Damm das einschneidendste Erlebnis seines Lebens.

Der Sportler hatte sich schwere Verletzungen an Bein und Rücken sowie ein Schädel-Hirn-Trauma zugezogen. Vier Wochen saß er im Rollstuhl, musste täglich bis zu drei Untersuchungen über sich ergehen lassen. „Ich bin dann nach Kassel verlegt worden, um näher bei meinen Eltern zu sein. Und ich wusste nicht, ob ich je wieder richtig gehen, geschweige denn Sport machen könnte“, sagt Damm.

Der Zuspruch von allen Seiten war enorm, die MT Melsungen, wo Damms kleiner Bruder Julian in der A-Jugend-Bundesliga spielte, half bei den Reha-Maßnahmen. Doch ein besonders entscheidender Impuls kam vom Bergischen HC. „Ich konnte gerade wieder etwas gehen, da kam der Anruf. Das war kaum zu glauben“, erläutert Handballer. „Plötzlich war da ein Bundesligist, der mich wollte, obwohl niemand genau sagen konnte, ob ich wieder fit würde.“

Als sein Bruder Julian (r., mit Johannes Golla) bei der MT Melsungen sein Profidebüt gab, saß Sebastian Damm noch im Rollstuhl. Foto: Karsten Damm. Foto: Boll

Weil Damm noch nicht wieder fahren konnte, kam er mit seinem Vater Karsten ins Bergische Land, um sich mit Trainer Sebastian Hinze und Geschäftsführer Jörg Föste zu treffen. „Ich musste nicht überlegen, ob ich das Angebot annehme“, sagt Damm. „Die Unterschrift hat gewirkt wie ein Heilmittel. Die Aussicht, in der Bundesliga zu spielen, war ein unheimlicher Ansporn.“

Bereits im April gab Sebastian Damm sein Zweitliga-Comeback in Lübeck. Spätfolgen hat er keine, außer, dass er nicht mehr gerne im Dunkeln Auto fährt. „Ich glaube, dass der BHC gar nicht weiß, was er mir gegeben hat. Ich werde alles dafür tun, diesen unglaublichen Vertrauensvorschuss zurückzugeben.“ Das heißt: seine Rolle als schneller Flügelspieler bestens auszufüllen. „Jeffrey Boomhouwer ist die klare Nummer eins auf der Position“, sagt Damm. „Er ist Nationalspieler, hat viel Erfahrung in der Bundesliga. Aber klar, ich möchte meine Spielanteile bekommen.“

Mit dem Niederländer versteht sich Damm übrigens besonders gut. Die beiden teilten sich im Trainingslager ein Zimmer, das sogenannte Insta-Zimmer, weil vor allem Boomhouwer dafür bekannt ist, viel von seinem Leben auf Instagram preiszugeben. Eine besondere Aufgabe als Neuling gab es für Damm obendrauf. Er musste stets einen Einhorn-Luftballon – getauft Chanti Schmetterling – mit sich führen. „Ich hatte sie wirklich überall dabei – sogar nachts im Bett. Das habe ich gelebt.“

Dass Damm bestens zum Bergischen HC passt, den Erfolg der Mannschaft also über seinen eigenen stellt, ist deutlich spürbar. „Durch den Unfall habe ich gelernt, viel mehr wertzuschätzen, was ich habe. Ich weiß jetzt, was eine Mannschaft ausmacht“, erklärt der Handballer. So haben zum Beispiel auch die Lübecker voll hinter ihm gestanden und ihn in der schweren Zeit aufgebaut. „Das sind Dinge, die mehr zählen als ein bisschen Spielzeit.“

(Boll)