Gutbrod lässt den Bergischen HC jubeln

Handball-Bundesliga: Gutbrod lässt den Bergischen HC jubeln

Torhüter Bastian Rutschmann bringt den BHC in Lemgo nach Rückstand zurück auf Kurs. 250 Fans feiern frenetisch das Remis.

Bastian Rutschmann flucht. Gerade hat Tim Hornke aus spitzem Winkel gegen ihn zum 22:21 für den TBV Lemgo getroffen. „Wir hatten einen anderen Wurf auf dem Zettel“, wird der Torhüter später sagen. „Aber das Gegentor hat mich doch sehr geärgert.“ Denn zuvor hatte es der Bergische HC auch dem Keeper zu verdanken, dass er in Lemgo noch für einen Sieg in Frage kam. 15:20 hatten die Löwen bereits zurückgelegen. Zum Schluss erntet Fabian Gutbrod die Früchte für die Aufholjagd. Der Rückraum-Linke bringt den letzten Wurf im Tor unter. Dann brechen bei den Gästen alle Dämme.

Doch der Reihe nach: Nur 10:9 führten die Gastgeber zur Pause. Ein Ergebnis, mit dem die Bergischen sehr gut leben konnten, denn offensiv hatten sie nahezu eine gebrauchte Halbzeit erwischt. Sie nutzten ihre Chancen nicht. Bogdan Criciotoiu traf zwar zum 1:0 aus dem Rückraum, doch in der Folge gelang im Abschluss nicht allzu viel. Immerhin taten sich die Lipper ähnlich schwer. Sie scheiterten mehrfach an Torhüter Christopher Rudeck und bekamen auch gegen die 6:0-Abwehr der Löwen wenig Zugriff.

Trotzdem präsentierte sich der TBV im Vergleich effizienter. Als Fabian Gutbrod nach überstandener Verletzung wieder die Platte betrat, vergab er gleich seine ersten beiden Würfe. Rudeck verfehlte das leere Tor, Arnor Gunnarsson setzte einen Siebenmeter an die Latte, und in einer Phase hielt Peter Johannesson mehrfach für Lemgo. So setzten sich die Hausherren auf 10:7 ab, während die Gäste im Abschluss von individuellen Qualitäten profitierten. Linus Arnesson überraschte mit zwei Schlagwürfen.

Vor der Pause verkürzte der BHC durch Arnesson und Jeffrey Boomhouwer per Strafwurf auf 9:10, während Lemgo offensiv Fehler fabrizierte und es damit verpasste, sich für die stärkere Leistung entsprechend zu belohnen.

  • Bergischer HC : Rutschmann muss pausieren

Die Chance, die Partie zu drehen, war nach der Pause also groß. Tomas Babak setzte sich durch und glich aus, Boomhouwer hatte beim nächsten Gegenstoß die Führung in der Hand, traf aber nur die Latte. Es blieb Sand im Getriebe des Löwen-Angriffs. Die Gastgeber zogen erneut auf vier Tore Abstand davon (16:12) – auch weil die Gäste in der Deckung großes Pech hatten. Der Ball war schon fast gesichert, doch beim Versuch, ihn Richtung seiner Mitspieler abzulenken, erwischte Kristian Nippes Tim Hornke, der frei vom Kreis einnetzte.

Zwischen die Pfosten rückte nun Bastian Rutschmann, um einen neuen Impuls zu setzen. Und der BHC kam immer mal wieder nah ran. Gutbrod und Rafael Baena verkürzten auf 15:17, aber in den hitzigen Phasen behielten die Hausherren den kühleren Kopf. Sie hatten auch Glück, dass eine Aktion von Tim Suton nicht als Stürmerfoul geahndet wurde, sondern Gunnarsson für zwei Minuten vom Feld flog und Hornke einen Siebenmeter bekam. Zehn Minuten vor Schluss führten die Hausherren 20:15.

Dass die Gäste noch einmal zurückkamen, war fast sensationell. Rutschmann parierte drei Mal frei, Petrovsky stibitzte den Ball, und vorne kam die Mannschaft zum ersten Mal überhaupt in Schwung. Ein 4:0-Lauf brachte die Gäste auf 19:20 heran. Die Lemgoer Auszeit brachte nichts. Nippes stahl die Kugel, Pass auf Gunnarsson – Ausgleich.

Die 250 mitgereisten BHC-Fans waren nun lauter als die restlichen 4330 in der Phoenix-Contact-Arena. Nachdem Gutbrod seinen fünften und wichtigsten Treffer zum 22:22 markiert hatte, kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Mit dem Punkt hatte keiner mehr gerechnet.

(Boll)
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