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Bergischer HC: Eine Niederlage mit positiver Note

Bergischer HC : Eine Niederlage mit positiver Note

Der Bergische HC stellt den THW Kiel derart vor Probleme, dass Trainer Alfred Gislason fast ausschließlich seiner ersten Garde vertraut.

Alfred Gislason zögerte keine Sekunde, als Richard Wöss die Unihalle in einen Hexenkessel verwandelt hatte. Der Erfolgstrainer des THW Kiel legte sofort seine Grüne Karte ab und bat zur Auszeit. Der verwandelte Tempogegenstoß des Rechtsaußen zum 9:9 war der dritte Treffer des Bergischen HC in Serie in einem Spiel, das kurz zuvor vom THW Kiel bestimmt worden war. "Direkt nach der Umstellung der Abwehr haben wir uns einige Technische Fehler geleistet, die uns vielleicht später in der Endabrechnung gefehlt haben", resümierte Löwen-Coach Sebastian Hinze. Sein Team mühte sich mehrere Minuten, um sich gegen die nun offensiv ausgerichtete 3:2:1-Deckung der Norddeutschen eine zwingende Torchance zu erarbeiten. Die Ballverluste bestrafte der Favorit mit fünf Tempogegenstößen in kurzer Folge — lediglich unterbrochen von Viktor Szilágyis Treffer zum 5:6. Unbedrängt kamen Gudjon Sigurdsson (3) und Filip Jicha (2) jeweils zum Abschluss.

In Sachen Rückzugsverhalten wollte Sebastian Hinze seinem Team keinen Vorwurf machen. "Das Momentum liegt beim Angreifer, wenn sich ein Ballgewinn abzeichnet und er frühzeitig startet." Den Vorteil habe sein Team in Person von Richard Wöss oder Christian Hoße in diesem Spiel auch oft gehabt. "Wenn ich den Jungs etwas vorzuwerfen habe, dann nur, dass sie in dieser Phase nicht zum Abschluss gekommen sind." Trainerkollege Alfred Gislason gab zu, dass er froh war, dass die ab der 10. Minute praktizierte offensive Abwehrvariante derart Wirkung gezeigt habe. "Ich glaube, dass es sehr eng geworden wäre, wenn der BHC komplett gewesen wäre. Mit Alexander Oelze und Kristian Nippes haben die Spieler gefehlt, die diese Deckung aushebeln können." Der Aufsteiger hat es im Gegensatz zum Hinspiel jedenfalls geschafft, dem haushohen Favoriten derart große Probleme zu bereiten, dass Gislason fast ausschließlich seiner ersten Garde vertraut hat. "Man konnte nicht übersehen, dass meine Mannschaft müde ist. Wir haben derzeit nur die erste Reihe, die gut spielt."

Filip Jicha, Marko Vujin oder Gudjor Sigurdsson beherrschten jedoch die Kunst, in den Momenten für einen moralischen Dämpfer beim Kontrahenten und den mehr als 3000 BHC-Anhängern zu sorgen, wenn der Außenseiter gerade Hoffnung schöpfte. So war es nach Wöss' 9:9, als Gislason die Auszeit nahm. So war es nach Christian Hoßes 14:15 direkt nach Wiederbeginn, als Rene Toft Hansen, Christian Zeitz und Gudjor Sigurdsson drei Treffer in Serie erzielten. So war es nach Arnor Gunnarssons Siebenmeter zum 17:18 (42.), als sich der Deutsche Meister in Unterzahl direkt wieder absetzte und die Führung anschließend entscheidend auf 25:19 (49.) ausbaute. "Ich hatte das Gefühl, dass die Kieler immer dann die Tore gemacht haben, wenn sie sie gebraucht haben", urteilte Abwehrchef Michael Hegemann.

Obwohl der Rückrunden-Auftakt mit 25:31 verloren ging, bleibt ein positiver Eindruck. Das Team um den neunfachen Torschützen Viktor Szilágyi wirkte nach zuletzt etwas schwächeren Auftritten willensstärker und damit auch wieder kompakter in der Abwehr. "Wir waren nah dran, den THW in einigen Sequenzen mächtig zu ärgern", sagte BHC-Geschäftsführer Jörg Föste. "Das macht uns stolz." Unter dem Strich werden die Gäste das Spiel schnell vergessen. Dafür boten die Löwen dann zu wenig Dramatik. Trotzdem war es die achtbarste BHC-Leistung gegen den THW Kiel bisher.

(gra)