Bergischer HC: Eine ganz andere Woche beim Bergischen HC

Bergischer HC : Eine ganz andere Woche beim Bergischen HC

Vor dem richtungsweisenden Kellerduell beim Tabellennachbarn HBW Balingen-Weilstetten wurde beim Handball-Erstligisten auf allen Ebenen intensiv debattiert. Als Folge dessen wurden die Abläufe auf den Kopf gestellt.

Keine andere Niederlage in dieser Saison hat Sebastian Hinze derart zugesetzt wie das 20:24 gegen GWD Minden. Der Trainer des Bergischen HC funktionierte so lange, bis in der Pressekonferenz die Mikrofone ausgeschaltet waren. Dann stand der 34-Jährige auf, stützte sich auf die Rückenlehne, verschwand in einen Tunnelblick und hielt in dieser Position minutenlang inne.

Der misslungene Befreiungsschlag im Abstiegskampf der Handball-Bundesliga hat nicht nur Sebastian Hinze vorübergehend ins Leere stürzen lassen. Nach 0:20 Punkten in Serie war der Zeitpunkt gekommen, sich beim Aufsteiger mit dem Phänomen der Erfolglosigkeit auseinanderzusetzen. "Wenn wir vor zwei Jahren nicht so jämmerlich abgestiegen wären, wäre die Grundlage für ein derart negatives Denken, wie wir es gerade erleben, nicht gegeben", sagt Geschäftsführer Jörg Föste. Basierend auf den Erfahrungen der Saison 2011/12 wurden in dieser Woche viele Maßnahmen eingeleitet, die den Löwen zeitnah aus der sportlichen Krise helfen sollen.

Der Tag nach dem jüngsten Heimauftritt stand ganz im Zeichen der Analyse. Mutlosigkeit hat Jörg Föste als einen der Gründe ausgemacht, die den BHC seit Wochen ausbremsen. "Bestes Beispiel ist die Zurückhaltung bei den Tempogegenstößen. Die Außen laufen nicht direkt, sondern warten die Abpraller ab. Damit sind wir unserer stärksten Waffe beraubt." Die im Profisport oftmals praktizierte Veränderung auf der Trainerposition stand als mögliches Ergebnis nicht zur Debatte. "Darüber haben wir zu keiner Sekunde nachgedacht." Jörg Föste ergänzt in diesem Zusammenhang sein Statement aus der Pressekonferenz um einen bedeutenden Zusatz: "Sebastian Hinze ist und bleibt unser Trainer".

Fröhlich verlief der Rosenmontag beim Bergischen HC nicht. In kleinem Kreis wurde mit dem Chefcoach vier Stunden lang über die prekäre Situation debattiert. "Es war ein intensives, anstrengendes Gespräch, in dem alle Beteiligten bis an ihre Schmerzgrenze gegangen sind." Am Ende herrschte Einigkeit darüber, dass Maßnahmen getroffen werden müssen. Die Konzentration des Kaders für das anstehende Auswärtsspiel gegen HBW Balingen-Weilstetten, in dem erstmals seit dem ersten Spieltag wieder der Fall auf einen Abstiegsplatz droht, war eine Option. Diese allerdings wurde aufgrund der personellen Probleme verworfen. Gleiches galt für die Hinzunahme eines sportlichen Begleiters für Sebastian Hinze auf der Bank sowie die Erhöhung des Drucks auf die Mannschaft.

In die Tat umgesetzt wurde die vierte Variante, die ein weiteres "schmerzhaftes Gespräch" inkludierte. Die Mannschaftssitzung entwickelte sich zu einer offenen Konfrontationsdebatte, in der alles an die Oberfläche gekommen ist, was sich in jüngster Zeit an Unzufriedenheit angesammelt hatte. "Es wurde ziemlich tief gegraben", stellt Jörg Föste fest. Es ist nicht nur bei klaren Worten geblieben. Die Abläufe der Vorbereitung auf das morgige Kellerduell gegen den nur einen Punkt hinter dem Bergischen HC lauernden Tabellennachbarn wurden auf den Kopf gestellt, um Impulse zu setzen. Ein veränderter Trainingsaufbau bringt mehr Stress in die Halle — eine Maßnahme, die von der Mannschaft selbst initiiert worden ist. "Der Fokus gilt diesem einen Spiel, in dem wir krasser Außenseiter sind — obwohl die Balinger in der Tabelle hinter uns liegen." Für Jörg Föste ein Phänomen der Serientäter.

(RP)