Bergischer HC : Ein Koffer bleibt in Berlin

Nach seinem Abschied aus Magdeburg gelang Fabian Böhm innerhalb eines Jahres auf ungewöhnlichem Weg zum Handball-Erstligisten Bergischer HC. Als Stammspieler des Zweitliga-Teams der Füchse Berlin wurde der 22-Jährige in der Rückrunde an den DHC Rheinland ausgeliehen.

Diese Saison wird Fabian Böhm nicht vergessen. Nach sechs Jahren hatte er seine Zelte beim SC Magdeburg abgebrochen, um "zu beweisen, dass ich noch Handball spielen kann". Das wollte der gebürtige Potsdamer vor der Haustür, eigentlich in der Hauptsache in der Reserve der Füchse Berlin.

In Magdeburg hatte den ehemaligen Junioren-Nationalspieler vor anderthalb Jahren eine Verletzung zurückgeworfen. "Danach habe ich nur schwer wieder Fuß fassen können." Bewusst entschied sich Fabian Böhm dafür, in eine schwächere Zweitliga-Mannschaft zu wechseln. "So konnte ich mich beweisen und Verantwortung übernehmen." Die Option, unter Chefcoach Dagur Sigurdsson trainieren und in der Ersten Liga eingesetzt werden zu können, waren ein zusätzlicher Anreiz gewesen. Empfohlen für einige Kurzeinsätze im Handball-Oberhaus hat sich der Rückraumspieler mit acht Treffern im Schnitt. Als der 22-Jährige gebraucht wurde, weil der komplette linke Rückraum aufgrund kleinerer Verletzungen geschont wurde, war auf ihn Verlass. Beim 28:19-Auswärtserfolg gegen die HSG Wetzlar durfte der Youngster sogar 60 Minuten ran und steuerte vier Treffer bei. Ein Auftritt, den Fabian Böhm nicht vergessen wird.

Die Erste Liga war schon als Jugendlicher das Ziel. Deswegen war er als 15-Jähriger auch ans Sportgymnasium nach Magdeburg gewechselt. "Wenn man mit den Besten trainieren kann, kann das einem nur zugutekommen." Und deswegen reagierte Fabian Böhm ganz offen auf das ungewöhnliche Vorhaben von Bob Hanning, ihn an den finanziell klammen DHC Rheinland auszuleihen. "Ich hatte nicht das Gefühl, dass man mich abschieben wollte. Wenn's mir in Dormagen nicht gefallen hätte, hätte ich die Option gehabt, nach Berlin zurückzukommen." Bis auf sein möbliertes Appartement ("Das war mehr schlecht als recht") hat er die halbe Saison am Rhein genossen. Ganz besonders die Partie gegen Frisch Auf Göppingen. "Acht Treffer gegen dieses Abwehrbollwerk zu erzielen, war ein Highlight meiner bisherigen Karriere." Die Erstliga-Zeit in Dormagen habe ihm aber auch aufgezeigt, woran er noch arbeiten müsse.

Seine Leistungen jedenfalls haben Interesse bei anderen Clubs geweckt. Fabian Böhm hätte bei seinem bisherigen Kader fest in den Erstliga-Kader aufrücken können. "In Berlin hätte ich drei Kenneth Klevs vor mir gehabt. Beim Bergischen HC ist es nur einer." Mit dem Selbstbewusstsein, sich im Konkurrenzkampf mit dem Norweger um ähnliche Einsatzzeiten wie beim DHC Rheinland behaupten zu können, nahm der für seine flexible Spielweise bekannte Rückraumspieler das Angebot des Aufsteigers an.

Mit Vorfreude bereitet Fabian Böhm seinen Umzug nach Solingen vor, auch wenn er noch mehr als einen Koffer in Berlin lassen wird. Der Liebe wegen. Mit seiner langjährigen Freundin Katharina war Fabian Böhm vor einem Jahr erst nach Berlin-Mitte gezogen. Seine neue Wohnung im von den BHC-Handballern bevorzugten Stadtteil Gräfrath wird daher nur sein Zweitwohnsitz werden.

(RP)