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Bergischer HC: Ein Klassiker im Moment des Schlusspfiffs

Bergischer HC : Ein Klassiker im Moment des Schlusspfiffs

Der Bergische HC hat gegen den HSV Hamburg die Sensation gepackt. Mit 34:27 gewann der Aufsteiger gegen den Champions League-Sieger.

Als Björgvin Gustavsson gegen den unbedrängt werfenden Henrik Toft Hansen pariert, verwandelt sich die Klingenhalle endgültig in die berüchtigte "Klingenhölle". Die Zuschauer toben in der ausverkauften Handball-Arena und feiern ihren Torhüter, der einen Angriff zuvor bereits gegen den frei vor ihm aufgetauchten Hans Lindberg gehalten hatte. Direkt im Gegenzug markiert Viktor Szilágyi seinen fünften von sieben Treffern zum 22:19. Man kann sein eigenes Wort nicht mehr verstehen, als sich HSV-Trainer Martin Schwalb gezwungen sieht, eine Auszeit zu nehmen.

Was der Bergische HC gegen den HSV Hamburg bis zu dieser 45. Minute abgeliefert hat, war nicht nur alle Ehren wert. Es war herausragend von allen Mannschaftsteilen, die mit Viktor Szilágyi einen Anführer hatten, der gestern einfach nur unbezahlbar gut war. Der Aufsteiger hat den amtierenden Champions League-Sieger am Rande einer Niederlage. "Es waren die ersten 15 Minuten der zweiten Halbzeit, die den Ausschlag gegeben haben", wird Christian Hoße später sagen. "Da ist es uns gelungen, unseren Stiefel durchzudrücken. Und der HSV konnte nichts dagegen machen."

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Tatsächlich waren die Bergischen schon in der ersten Hälfte der stark. Doch wer hat schon daran geglaubt, dass sich die Hamburger nicht fangen würden, um die Löwen in ihre Schranken zu verweisen ? Sie werden bis zum Ende nicht zu bändigen sein. Im Gegenteil: Die HSV-Auszeit verpufft total. Arnor Gunnarsson und Christian Hoße erhöhen auf 24:19, und Martin Schwalb nimmt seine zweite Auszeit direkt hinterher. Es ist zu spät. Beim Bergischen HC klappt jetzt alles. Torhüter Gustavsson trifft bei fast jedem Hamburger Wurf die richtige Entscheidung, Emil Berggren gelingen Distanzwürfe. Die Tore sprudeln — der BHC gewinnt 34:27 gegen einen übermächtigen Gegner. In der Klingenhalle singen die Fans: "Oh, wie ist das schön." Lange nicht gehört.

Es ist eine dicke Überraschung, eine Sensation. Nicht aber für Viktor Szilágyi. "Wir haben von Anfang an gespürt, dass die Hamburger heute zu schlagen sind", erläutert der Österreicher. "Wenn uns eine solche Möglichkeit geboten wird, müssen wir da sein." Gestern waren sie alle da. Auch Stanko Sabljic zum Beispiel, der in der umkämpften ersten Halbzeit mehrere Bälle stibitzte und vorne drei Treffer erzielte. "Wir haben unsere Linie über die gesamte Partie nicht verloren. Das hat uns ausgemacht", sagt Szilágyi. "Wenn wir so spielen und mit dem unglaublichen Publikum eine Festung aufbauen, werden es auch andere Gegner hier sehr schwer haben."

Das Lob an das Publikum ergänzt Björgvin Gustavsson, der sichtlich Spaß daran hatte, seine Aktionen mit den Zuschauern zu feiern. "Die Paraden kommen von alleine, wenn ein Spiel so läuft wie in der zweiten Halbzeit. Die war überragend von der ganzen Mannschaft." Ab welchem Moment der Torhüter an die Überraschung geglaubt hat ? "Einen Tag nach der Niederlage in Kiel", antwortet der Isländer trocken.

So unglaublich es klingt, gestern war der Aufsteiger besser als der Champions League-Sieger. "Das müssen wir anerkennen", meint sogar Martin Schwalb. Freilich hat Sebastian Hinze keine Kritikpunkte. "Wir haben eine außerordentlich gute Leistung gesehen. Heute stimmte das Selbstbewusstsein — bei allen", lobt der BHC-Coach. "So wollen wir es immer sehen. Dass dann immer alles so passen wird wie heute, können wir natürlich nicht garantieren." Gestern war es so. Diesen Heimauftakt wird so schnell niemand vergessen. Die Partie ist schon jetzt ein Klassiker.

(trd)