Bergischer HC : Die Startruppe geärgert

Mehr als achtbar zog sich der Bergische HC gegen den HSV Hamburg aus der Affäre. Bei der 25:29 (13:13)-Niederlage verlangte der Aufsteiger dem Deutschen Meister alles ab.

Die ersten drei Minuten ließen nichts Gutes erahnen. Ruckzuck führte der HSV Hamburg nach Treffern von Pascal Hens, Hans Lindberg und Torsten Jansen mit 3:0. Was anschließend aber passierte, hatten noch nicht einmal die kühnsten Optimisten vor dem Anpfiff des Duells zwischen dem Deutschen Meister und dem Aufsteiger erwartet.

Nach drei weiteren Minuten hatte der Bergische HC seine Nervosität vor laufenden Fernsehkameras abgelegt. Als Igor Vori gegen Jan Stochl scheiterte und Pascal Hens einen Versuch nur an die Latte setzte, merkte das Team um Kristian Nippes, dass es sich an diesem Abend nicht verstecken musste. Die Initialzündung war die frühe Einwechslung des Linkshänders für Runar Karason (6.). Nippes tankte sich sogleich mutig im Eins-gegen-Eins durch und bezwang Hamburgs Schlussmann Johannes Bitter zum 3:5. Kenneth Klev, Richard Wöss und Henrik Knudsen ließen drei weitere Treffer in Serie folgen gegen den haushohen Favoriten, dem die Nerven flatterten.

Atmosphäre gibt Kraft

Die Atmosphäre in der mit 3200 Zuschauern ausverkauften Unihalle gab den Bergischen nur zwei Tage nach dem Auswärtsspiel bei der HSG Wetzlar viel Kraft und Motivation, die untypisch vielen Technischen Fehler auf Seiten der Hanseaten ebenso. Nach Kristian Nippes' Ausgleich zum 7:7 in Unterzahl hatte Richard Wöss nach einem vergebenen Tempogegenstoß schon den Kopf hängenlassen, als ein Fehlpass von Johannes Bitter die Bergischen noch in der eigenen Hälfte gleich wieder in Ballbesitz brachte. Diese Chance ließ sich Kenneth Klev nicht entgehen. Per Carlén an der Seitenlinie der Hamburger hatte schon mehrfach getobt, nach dem 8:7 bat der HSV-Coach mit grimmiger Miene zur Auszeit.

Geholfen haben seine Worte nicht. Seine Mannen machten auch weiterhin reichlich Fehler. Zum Entzücken der Zuschauer wurden diese vom Außenseiter bestraft. Henrik Knudsen schnappte sich einen Pass von Blazenko Lackovic, lief auf und davon zum 9:7. Jens Reinarz legte nach einem weiteren Schnellangriff gleich noch das 10:7 nach (19.).

Es roch nach einer Sensation, die bei den Kräfteverhältnissen in der Handball-Bundesliga eigentlich nicht möglich scheint. Zwei Minuten vor dem Seitenwechsel gelang Pascal Hens wieder der Ausgleich (12:12). Wie in dieser Szene, als der Nationalspieler einfach abzog, als es bei drohendem Zeitspiel notwendig war, war der Mann mit dem Irokesenschnitt mehrfach der Retter seines Teams.

Die Vergangenheit hat oft genug gezeigt, dass eine Truppe wie der HSV Hamburg nach Wiederbeginn kräftig zulegt, wenn man sie eine Halbzeit derart gefordert und geärgert hat wie der BHC. Aber auch das passierte nicht. Pascal Hens, Hans Lindberg und Matthias Flohr machten zwar bis zur 40. Minute aus einem 15:16 eine 18:16-Führung — die Gastgeber blieben jedoch auch weiterhin in Reichweite.

Die große Chance, die Norddeutschen noch einmal in große Bedrängnis zu bringen, hatte Christian Hoße. Der Linksaußen hatte schon in Unterzahl zum 19:20 getroffen, warf nur wenige Augenblicke später einen Tempogegenstoß an Dan Beutler, aber auch am Tor vorbei. Nach einem langen, etwas ungenauen Pass hatte Hoße Schwierigkeiten gehabt, seinen Schrittrhythmus zu finden (44.).

Fragwürdige Pfiffe

Die Hamburger hatten ihr Fehler anfälliges Spiel längst eingestellt. Dafür hatten sie das Tempo deutlich reduziert. Mit der größten Routine und der Unterstützung einiger fragwürdiger Pfiffe rettete der Deutsche Meister seinen knappen Vorsprung zu einem 29:25-Arbeitssieg über die Zeit. Gewonnen haben die Bergischen nur eine gehörige Portion Respekt.

(RP)