Bergischer Hc: Die Liste der Fehlversuche war zu lang

Bergischer Hc : Die Liste der Fehlversuche war zu lang

Der Bergische HC geht mit einem Rückstand von vier Punkten auf Spitzenreiter TV Emsdetten in die Winterpause. Der Handball-Zweitligist verspielte gestern eine 15:10-Führung zur Halbzeit und verlor gegen die SG Bietigheim mit 25:29.

Es war die letzte Chance, im letzten Spiel der Hinrunde noch mit einem blauen Auge davonzukommen. 100 Sekunden vor Ende lief Richard Wöss einen Tempogegenstoß. Mutterseelenallein. Der Rechtsaußen machte es beim Abschluss derart präzise, dass der Ball mit voller Wucht an die Latte knallte und in hohem Bogen bis unter die Hallendecke der Ludwigsburger Arena flog.

Wöss bewies einen guten Riecher bei der Berechnung der Flugkurve und war in der äußersten linken Ecke zur Stelle, um das Spielgerät wieder in Empfang zu nehmen. Mutterseelenallein. Präzise bediente der Österreicher den am Kreis lauernden Max Weiß.

Nichts wurde es beim Nachwurf jedoch mit dem möglichen Anschlusstreffer zum 26:27, weil ihn Bietigheims Keeper Pascal Welz mit einer spektakulären Parade verhinderte. Der Treffer von Christian Schäfer im direkten Gegenzug besiegelte die Niederlage des Bergischen HC, die nicht hätte sein müssen. Nach dem 25:29 trennen die Löwen vier Punkte vom Spitzenreiter TV Emsdetten.

Der Tabellenzweite der 2. Handball-Bundesliga hatte die Begegnung bei der SG Bietigheim eine Halbzeit im Griff gehabt. Mit einer 15:10-Führung waren die Löwen in die Kabine gegangen. In der Anfangsphase hatte Mario Huhnstock seinen Kasten mit sechs Paraden sauber gehalten, weswegen bereits in der 8. Minute eine Vier-Tore-Führung stand (5:1).

Das schwäbische Zwischenhoch mit drei Toren in Serie zum 7:8 (17.) löste BHC-Coach Sebastian Hinze mit einer einfachen personellen Maßnahme. Mit Viktor Szilágyi für Emil Berggren auf der defensiven Halbposition war die Gefahr der Höchstgeschwindigkeitswürfe aus dem Rückraum gebannt, bei denen Mario Huhnstock keine Abwehrchance hatte. Mit viel Tempo warfen Christian Hoße (2), Viktor Szilágyi, Alexander Oelze und Richard Wöss (2) das Polster von sechs Toren heraus (25./14:8), von dem die Gäste nur bis Mitte der zweiten Hälfte zehrten.

Ähnlich wie 100 Sekunden vor Schluss waren schon zuvor einige Bigpoints liegengelassen worden. Richard Wöss scheiterte an Pascal Welz und vergab das 23:20 (42.). Max Weiß lief einen Tempogegenstoß, aufgrund eines Schrittfehlers unter Bedrängnis fand sein Treffer zum möglichen 24:21 keine Anerkennung. Die Liste der Fehlversuche wurde immer länger. Geblockte Bälle, ein Pfostentreffer von Jiri Vitek sowie etliche Paraden des auf Bietigheimer Seite später zum "Spieler des Tages" gekürten Pascal Welz ermöglichten den Gastgebern die Übernahme der Führung — auch begünstigt von Zeitstrafen gegen Max Weiß (46.) und Michael Hegemann (51.)

Zehn Minuten lang waren die Bergischen nach Christian Hoßes 23:21 ohne Torerfolg geblieben, bis Viktor Szilágyi die Durststrecke mit einem beherzten Solo beendete (54. /24:24). Die Bietigheimer hatten mit der Unterstützung von den Rängen im Rücken längst die Kontrolle übernommen. Selbstbewusst suchten sie die Eins-gegen-Eins-Situationen, aus denen Hegemann, Weiß und Co. allzu oft als Verlierer hervorgegangen waren.

(RP/ila)