Bergischer HC: Der "Geist von Balingen" war nicht anwesend

Bergischer HC : Der "Geist von Balingen" war nicht anwesend

Der Bergische HC lässt beim 28:30 gegen Frisch Auf Göppingen die nächste Gelegenheit aus, sich von den Abstiegsränge zu lösen.

Wie Dinge sich wiederholen. Wenige Augenblicke vor Beginn der Pressekonferenz stimmten die Sieger in der angrenzenden Umkleide lautstark ihre Freudengesänge an. Der Trainer des Gäste-Teams findet es amüsant, der Coach der Heimmannschaft nimmt es enttäuscht zur Kenntnis. Vor einer Woche war es Sebastian Hinze, der sich im Duell mit der HBW Balingen-Weilstetten über zwei Punkte im Kampf um den Klassenerhalt gefreut hatte. Nach der nächsten Begegnungen gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf war er es, der zähneknirschend seinem Trainerkollegen zu einem verdienten 30:28 (16:10)-Erfolg gratulierte.

Christian Hoße ist in der Anfangsphase mit zwei Tempogegenstöße erfolgreich. Foto: Köhlen, Stephan (TEPH)

"Zwei Tage lag der Fokus nur auf diesem Spiel", sagte Aleksander Knezevic. Genauso zielorientiert wie der Bergische HC vor einer Woche in Balingen angetreten war, habe sich auch der Trainer von Frisch Auf Göppingen nicht vorstellen können, was passieren würde, wenn seine Mannschaft in Solingen verloren hätte. "Wir waren in einer guten Position. In solchen Spielen ist der Druck immer größer, wenn man vor eigenem Publikum spielt." Diesem haben die Löwen in der ersten Halbzeit nicht standgehalten. Wo waren die Blicke und die Körpersprache, die einen unbedingten Siegeswillen verraten und die einen Gegner einschüchtern können ? Der "Geist von Balingen", den Geschäftsführer Jörg Föste beschworen hatte, war nicht anwesend.

Sebastian Hinze gestand ein, dass "wir eine Phase hatten, in der uns gar nichts gelungen ist." Gedauert hat diese Phase allerdings rund 13 Minuten. Völlig aus dem Rhythmus kamen die Löwen, als Kristian Nippes für zwei Minuten vom Feld musste und Tim Kneule von der Mittellinie aus zum 8:5 ins verwaiste Gehäuse traf. Die taktische Maßnahme, Alexander Oelze als zusätzlichen Feldspieler agieren zu lassen, hatte zuletzt Sicherheit für das Spiel in Unterzahl gegeben. Gegen Frisch Auf Göppingen wirkte der Mittelmann fehl am Platz, weil er kaum eingebunden war in den holprigen Spielaufbau und sich nie sicher war, wann er Mario Huhnstock zurück zwischen die Pfosten schicken sollte. Während Benjamin Meschke seine Zeitstrafe absaß, warfen Manuel Späth und Momir Rnic mit weiteren Treffern ins leere Tor die bislang höchste Führung (25. / 15:9) der Schwaben heraus.

Die Stimmung beim Gang in die Kabinen war bedrückend. Nach einer von Technischen Fehlern geprägten ersten Hälfte war unter den Zuschauern der Glaube, dass der BHC den solide aufspielenden Kontrahenten noch gefährden könnte, nur bei den kühnsten Optimisten noch gegeben. Sechs Minuten nach Wiederbeginn hatte sich die Mannschaft mit Kampfgeist jedoch das Vertrauen zurückerarbeitet. "Wenn wir da auf zwei Tore herankommen, wird es ein anderes Spiel", sagt der siebenfache Torschütze Alexander Oelze. Gedauert hat die Aufholjagd bis zur 57. Minute — zu spät, um zumindest noch einen Punkt zu retten. "Dafür hat nur ein weiterer gelungener Moment gefehlt", haderte Sebastian Hinze. Im Gegensatz zum Wochenspiel gegen den SC Magdeburg (20:31) habe der Löwen-Coach kein Kraftproblem ausgemacht.

(gra)
Mehr von RP ONLINE