1. NRW
  2. Städte
  3. Solingen
  4. Sport
  5. Bergischer HC

Bergischer Hc: Der besondere Moment eines Torhüters

Bergischer Hc : Der besondere Moment eines Torhüters

Neuzugang Björgvin Pall Gustavsson bringt aus Magdeburg zwei Jahre Erfahrung aus der Handball-Bundesliga zum Bergischen HC mit.

Einen kleinen Vorgeschmack hat Björgvin Pall Gustavsson schon geliefert, welcher Torwart-Typ in ihm steckt. Im Testspiel gegen den TBV Lemgo parierte der Isländer einen Siebenmeter von Jens Bechtloff und ließ gleich auch noch eine Glanztat bei dessen Nachwurf folgen. Gustavsson ballte die Fäuste, baute sich vor der Tribüne auf und ließ sich von den Zuschauern feiern. "Das ist der Moment, den ich als Torhüter liebe: einen wichtigen Ball halten und dann mit dem Publikum jubeln." Ruhig ist der 28-Jährige nur abseits des Handballfeldes, zwischen den Pfosten lebt er seine Emotionen aus. "Ich hoffe, ich kann in dieser Saison noch ganz viele solcher Aktionen folgen lassen."

Schon früh hatte sich Björgvin Gustavsson entschlossen, sich dem Bergischen HC anzuschließen, obwohl bei der Vertragsunterzeichnung keine Garantie auf ein Engagement in der Ersten Liga bestanden hatte. "Ich freue mich auf die Aufgabe, bei einem Aufsteiger zu spielen. Das ist etwas Neues für mich." Zuletzt beim SC Magdeburg oder davor bei den Kadetten Schaffhausen hatte sich der 130-fache Nationalspieler nie mit dem Kampf um den Klassenerhalt beschäftigen müssen. Trotzdem war der Keeper zuletzt mit seiner Rolle nicht zufrieden, weil er das Gefühl hatte, bei der Verwirklichung seiner ehrgeizigen Ziele aufgehalten zu werden.

  • Bergischer Hc : Hinze will im DHB-Pokal so weit wie möglich kommen
  • Rúrik Gíslason.
    „Let’s Dance“-Kandidat : Ex-Fußballer Rúrik Gíslason hat „ein bisschen Angst“ vorm Tanzen
  • Ein Mann hält ein Schild mit
    Basketball-Star James erkennt „Rechenschaft“ : So reagiert die Sportwelt auf den Schuldspruch im Floyd-Prozess

Der Ex-Solinger Gerrie Eijlers war in Magdeburg die Nummer Eins und genoss das Privileg, fast immer in der Startformation zu stehen. "Ich hatte rund 40 Prozent Spielanteile und habe mich gut entwickelt." Gustavsson wurde jedoch oft erst eingewechselt, als vieles schiefgelaufen und kaum noch etwas zu retten war. "Das ist keine schöne Aufgabe, wenn man einen schweren Stand hat." Beim BHC erhofft sich der frischgebackene Vater – seine Frau Karen brachte Tochter Emma vor drei Wochen in Solingen zur Welt – mehr Spielanteile.

Björgvin Gustavsson hat sich nie auf einer anderen Position versucht. Als Achtjähriger hat er sich gleich zwischen die Pfosten gestellt. "Das war vielleicht auch besser so, weil ich ein schwieriges Kind war. So hatte ich meinen eigenen Bereich." Parallel versuchte er sich beim Fuß- und Basketball, ehe er sich mit 15 Jahren voll und ganz auf den Handball konzentriert hat. "Die anderen Sportarten haben mir mit allen Bewegungen bei meiner Entwicklung geholfen." Mit seiner Spezialisierung hat der Isländer für sich auch gleich entschieden, einmal zu den fünf besten Torhütern der Welt zu gehören. "Ich war nie der Schnellste oder der Größte. Das muss ich kompensieren mit harter Arbeit jeden Tag, um meine Technik zu verbessern und cleverer zu werden." Bis jetzt sei es ihm gelungen, sich jedes Jahr zu steigern.

Ein genauer Blick auf die Tätowierung, die seinen kompletten rechten Arm ziert, verrät viel über einen gläubigen Menschen, der sein Heimatland über alles liebt. "Credo" (Lateinisch: Ich glaube) steht auf dem Unterarm geschrieben, auf der Schulter sind die olympischen Ringe gezeichnet. Gustavsson gerät ins Schwärmen, wenn er von Peking 2008 erzählt. "Es war mein erstes großes Turnier als Nummer Eins, und wir haben auf Anhieb Silber gewonnen." Die Begeisterung kannte damals in Island keine Grenzen. "Die Einschaltquote bei der Fernsehübertragung des Olympia-Endspiels lag bei 80 Prozent", erinnert sich der Keeper. Nach der Rückkehr durfte sich die Nationalmannschaft in Reykjavík bei einem Auto-Korso von mehr als 50 000 Menschen feiern lassen. "Ein Erfolg fürs Leben."

Während der Vorbereitung war schon zu erkennen, dass Mario Huhnstock mit Björgvin Gustavsson genauso gut harmoniert wie zuvor im Gespann mit Jan Stochl. "Wir verstehen uns gut und waren auch überall Zimmer-Partner", sagt der Neuzugang, der seine Erstliga-Erfahrung einbringen möchte, damit es zum anvisierten Klassenerhalt reicht. Sein großes Plus: Aus den beiden jüngsten Spielzeiten kennt der Isländer jedes Team. "Ich muss immer besser sein als mein Gegenspieler, gerade dann, wenn er etwas Überraschendes macht." Dafür analysiert er ein Video nach dem anderen und ordnet diese akribisch auf seinem Computer. "In dieser Beziehung bin ich ein Handball-Streber." Am Spieltag selbst konzentriert sich Björgvin Gustavsson dann nur auf sich und sammelt die Energie für die bestmögliche Leistung.

(RP)