Bergischer HC : Auswärtssieg in Reichweite

Obwohl der Bergische HC seine beste erste Halbzeit in der Ersten Liga ablieferte, ging der Aufsteiger bei der HSG Wetzlar mit 28:33 (13:14) als Verlierer vom Feld. In den zehn Schlussminuten spielte sich das Team um den eingewechselten Matchwinner Timo Salzer auf die Überholspur.

Die rund 3000 Anhänger der HSG Wetzlar sind ohnehin schon unzufrieden. Ihre Mannschaft wirkt in der ersten Halbzeit ratlos vor der beweglichen und kompakten 6:0-Abwehr des Bergischen HC. Jetzt sind auch noch die Schiedsrichter dem Aufsteiger wohl gesonnen, als sie bei einem Tempogegenstoß einen Kontakt von Kevin Schmidt kurz vor dem Wurfkreis als Stürmerfoul ahnden. Fabian Böhm war vor den Linsksaußen gelaufen und hatte sich ihm mit breiter Brust in den Weg gestellt.

Jeder der folgenden Angriffe der Bergischen in den verbleibenden zweieinhalb Minuten wird mit einem Pfeifkonzert begleitet. Auch die Gelbe Karte des an der Seitenlinie gestikulierenden Gennadij Chalepo heizt die Stimmung zusätzlich an. Nach einem Ballverlust und Daniel Valos Ausgleich zum 12:12 reagiert HaDe Schmitz sofort mit einer Auszeit, damit seine Truppe auch weiterhin kühlen Kopf bewahrt. Runar Karason beantwortet Georgios Chalkidis' Treffer nach Zweiter Welle mit einem seiner typischen Kracher aus dem Handgelenk zum 13:13.

Mit dem anschließenden Gegentor mit der Schlusssirene von Alois Mraz zur Wetzlarer 14:13-Führung ging die beste erste Halbzeit der Bergischen in der Handball-Bundesliga zu Ende. Mit der jüngsten Garde, die HaDe Schmitz aufs Feld schicken konnte, wurde ein 4:6-Rückstand (12.) in eine Zwei-Tore-Führung verwandelt. Christian Hoße per Siebenmeter, Henrik Knudsen mit zwei Sololäufen und Richard Wöss nach Tempogegenstoß belohnten ihr Team für die beständig glänzende Abwehrarbeit. Offensiv aber agierte der BHC mit Höhen (Hendrik Pekeler am Kreis oder Runar Karason) und Tiefen (insgesamt zu wenig Gefahr aus dem Rückraum), weshalb die Mittelhessen stets im Spiel blieben.

Die entscheidenden Wechsel

Bis zur 44. Minute, als Gennadij Chalepo mit zwei Wechseln dem Spielverlauf entscheidend beeinflusste. Zwischen die Pfosten hatte der HSG-Coach Nikolai Weber beordert, der sogleich zwei freie Bälle von Richard Wöss und Hendrik Pekeler nach Schnellangriffen abwehrte. Ein letztes Mal in Reichweite war der BHC mit Runar Karasons Treffer in Unterzahl zum 22:23, als sich der zweite neue Mann in Szene setzte. Timo Salzer, gerade erst auf dem Spielbogen eingetragen, hatte vom Ex-Solinger Alois Mraz den Spielaufbau übernommen. Als dreifacher Torschütze selbst Gefahr ausstrahlend riss er mit seinen Aktionen Lücken in der bis dahin so soliden BHC-Abwehr. Von dem Wetzlarer Zwischenspurt zum 25:22 (50.) erholten sich die Bergischen nicht mehr. Die letzte verzweifelte Maßnahme, Jan Stochl für den guten Mario Huhnstock ins Gehäuse zu schicken, revidierte HaDe Schmitz nach vier Minuten und fünf Gegentoren gleich wieder.

Unzufrieden war jetzt nur der Aufsteiger und rund 180 mitgereisten Fans, weil ein möglicher Punkt verpasst und die Niederlage mit 28:33 zu hoch ausgefallen war.

(RP)