Bergischer HC : Auf Spurensuche

Das Rätselraten hatte schon in der Klingenhalle unmittelbar nach dem Schlusssignal begonnen. Die Meinungen gehen weit auseinander, warum es in der Klingenhalle ein zweites Korschenbroich gegeben hat. Der Frust nach der bitteren 32:33-Niederlage gegen den TBV Lemgo aber ist bei allen enorm. Wie konnte es passieren, dass der Bergische HC innerhalb von nur acht Minuten eine Acht-Tore-Führung aus den Händen gegeben hat ? Die Mechanismen des Sports setzen ein, und die Suche nach den Schuldigen hat begonnen. Das müssen die Löwen über sich ergehen lassen.

Vor allem Ha De Schmitz steht in der Kritik. Der Trainer muss sich den Schuh anziehen, bei seinen Wechseln in der Endphase kein glückliches Händchen gehabt zu haben. Das ist kaum von der Hand zu weisen, schließlich haben die Formationen, die die letzten 14 Minuten bestimmt haben, nicht funktioniert. Sowohl Mannschaft als auch Trainer haben anscheinend bei der deutlichen Führung nicht mehr im entferntesten damit gerechnet, die Partie noch verlieren zu können.

Foto: Gregor Eisenhuth

Die ersten großen Fehler

Die ersten großen Fehler leistete sich der BHC nach den frühen, scheinbar nicht bedrohlichen Toren der Ostwestfalen. Der Aufsteiger setzte zur Schnellen Mitte an und gestaltete das Spiel weiterhin temporeich, als würde es unentschieden stehen. Dieser grobe taktische Fehlgriff rächte sich binnen Minuten. Das hohe Tempo nutzte nur den Gästen. Es wäre vermutlich kein Problem gewesen, in jedem eigenen Angriff bis zum angezeigten Zeitspiel zu warten. Die Begegnung wäre locker gewonnen worden, weil umgekehrt Lemgo in seinen Angriffen überhastet hätte abschließen müssen.

Nach der Auszeit führte der BHC immer noch mit fünf Toren bei gut zehn Minuten verbleibender Spielzeit. Gerade in dieser Phase enttäuschte vor allem der bis dahin so starke Henrik Knudsen. Als Spielmacher lag auf ihm die Hauptverantwortung, die Begegnung langsam zu machen und die Angriffe auszuspielen, bis sich eine Lücke auftut. Stattdessen schloss nicht nur der Däne zu früh ab. Auch Runar Karason zum Beispiel schießt zu gerne, als dass er seiner Mannschaft in dieser Situation eine Hilfe gewesen wäre. Alexander Oelze und Kristian Nippes hätten als geduldigere Rückraumspieler wohl mehr geholfen. Dieses Ruder hatte Ha De Schmitz in der Hand. Im Nachhinein hat er in die falsche Richtung gesteuert.

Atmosphäre in der Klingenhalle

Bei der Spurensuche soll die Atmosphäre nicht außer Acht gelassen werden. Als der Aufsteiger vor wenigen Wochen bei seinem Sensationssieg gegen den SC Magdeburg in der gleichen Situation war, ebbte die Partystimmung in der Wuppertaler Unihalle nie ab. Der konstant hohe Lärmpegel trieb die BHC-Akteure an, bis zum Ende Vollgas zu geben. Am Mittwochabend in der Klingenhalle waren die rund 2500 Zuschauer irgendwann zufrieden mit dem, was sie schon geboten bekommen hatten. Ähnlich schien das Handeln auf dem Feld begründet zu sein.

Doch eines steht auch fest: Schon ein kleines bisschen Glück, eine Torhüterparade mehr oder ein schneller Abschluss, der trotzdem ins Tor fliegt, hätten gereicht, und niemand würde Trainer oder Mannschaft kritisieren. Im Gegenteil: Der Jubel hätte angesichts der ersten 45 Minuten kaum Grenzen gekannt. Und alle Fehler wären verziehen.

So ist es bitter. Ganz bitter. Es ist dem Bergischen HC nur zu wünschen, dass er den Punkten nicht zu lange nachtrauern muss. Die Saison ist schließlich lang — und zum Klassenerhalt zählen die möglichen Punkte von vorgestern genauso wie die am letzten Spieltag.

(RP)