Bergischer HC: Arbeitssieg gegen den Aufsteiger

Bergischer HC : Arbeitssieg gegen den Aufsteiger

Der HC Elbflorenz Dresden erweist sich als unangenehmer Gegner. In Halbzeit eins liegt der Bergische HC sogar mit vier Toren zurück.

Die Freudentänze der BHC-Profis nach dem Schlusspfiff waren die gleichen wie nach einem Sieg über Magdeburg oder Wetzlar. Und die Kulisse von 1873 Zuschauern in der Wuppertaler Uni-Halle feierte die ersten Zweitliga-Punkte nach vier Jahren Oberhaus am Samstagabend ebenfalls mit Ovationen. Gleich das erste Spiel der neuen Saison hat BHC-Kapitän Kristian Nippes & Co. darauf eingestimmt, dass die 38 Saisonspiele in der Zweite Bundesliga ein hartes Stück Arbeit werden. Aufsteiger HC Elbflorenz Dresden deckte respektlos Schwächen des bergischen Top-Favoriten auf und ließ sich über 60 Minuten nie abschütteln. Am Ende waren es zwei kurze Phasen, in denen das BHC-Tempospiel mal lief, und die größere individuelle Klasse, die den 26:23-Erfolg der Löwen garantierten.

"Wenn wir ein paar dumme Fehler weniger machen, können wir hier sogar was mitnehmen", staunte nach Spielende auch Dresdens Kreisläufer Henning Quade, der bis 2011 selbst ein Löwe war und über Lübeck in die sächsische Landeshauptstadt kam. "Wir wollten nur auf unser eigenes Spiel schauen", verriet Quade die Einstellung der Gäste, die mit ihrer kompakten 6:0-Abwehr und langen Angriffen dem BHC von Anfang an Probleme bereiteten.

Auch eine schnelle 3:1-Führung, noch befeuert durch eine Siebenmeter-Parade von Christopher Rudeck, brachte keine Sicherheit ins Spiel der Löwen. Im Gegenteil: Beim Dresdener 4:3 durfte der sechsfache Torschütze Gabriel de Santis nach einem Missverständnis im BHC-Innenblock unbedrängt durchs Abwehrzentrum laufen und aus sechs Metern einnetzen. Die Defensive, das Paradestück der Vorbereitung, bekam keinen rechten Zugriff.

Gleichzeitig häuften sich vorne die Fehlwürfe, allen voran beim neuen Spielmacher Linus Arnesson. Bereits ab der zwölften Minute begann Trainer Sebastian Hinze mit Personalwechseln, bei einer Auszeit in der 16. Minute (6:8) tauschte er gleich auf vier Positionen. Neuzugang Czaba Szücs, in der Vorbereitung noch ganz ohne Spielpraxis, feierte sein Comeback auf dem Spielfeld nach mehr als einem Jahr Verletzungspause. Die Löwen rutschten noch auf einen 7:11-Rückstand, aber dann griff urplötzlich die auf eine 5:1-Formation geänderte Deckung. Innerhalb von nur sieben Minuten schaffte der BHC mit vier Gegenstoß-Toren und zwei Siebenmetern die kaum noch für möglich gehaltene 13:11-Pausenführung.

Das Signal für einen klaren Sieg? Fast schien es so. Dresden kam direkt nach Wiederbeginn zwar zum 14:14, aber dann nutzten die Löwen zwei Zeitstrafen gegen die Gäste überzeugend zum 18:14. Aber der Aufsteiger gab sich keineswegs geschlagen und kämpfte sich beharrlich zurück in die Partie. Auch begünstigt durch mehrere Pfostenwürfe - Gunnarsson per Siebenmeter, Nippes und Gutbrod - waren die Sachsen des HC Elbflorenz beim 20:19 (48.) plötzlich wieder auf Schlagdistanz.

In dieser Situation warf der BHC seine überlegene individuelle Klasse in die Waagschale. Fabian Gutbrod sorgte für zwei einfache Rückraumtreffer, Arnor Gunnarsson lief in unnachahmlicher Manier einen Dresdener Gegenstoß-Pass ab. Und als es Siebenmeter für den BHC gab, versenkte der gerade erst von einer Grippe genesene Maximilian Bettin die Kugel völlig cool in seiner ersten Aktion im ganzen Spiel zum eminent wichtigen 23:21. "Wenn ich angefangen hätte, mir Gedanken zu machen, hätte ich wahrscheinlich verworfen", meinte Bettin hinterher zu seinem erfolgreichen Kurzauftritt.

Auf der Gegenseite setzte de Santis zwei Minuten vor der Schlusssirene beim Stand von 24:22 für den Bergischen HC einen freien Wurf lediglich an den Pfosten. Das rächte sich: Im direkten Gegenzug brachte eine schwedische Co-Produktion von Max Darj und Linus Arnesson zum 25:22 die endgültige Entscheidung.

(RP)