Bergischer HC : Alles neu bei Gunnarssons

Arnor Gunnarsson hätte die Möglichkeit, für Island bei den Olympischen Spielen aufzulaufen. Der Rechtsaußen des Bergischen HC verzichtete, um in keinem Fall die Geburt seiner Tochter Diana zu verpassen.

Arnor Gunnarsson verzieht keine Miene, wenn der Anpfiff erfolgt ist. Sein Blick ist so ernst, dass man als Gegenspieler am liebsten einen großen Bogen um den Isländer machen würde, um nicht mit ihm aneinanderzugeraten. "Das ist halt so", sagt der Isländer. Und er lacht, weil er das beim TV Bittenfeld schon häufiger zu hören bekommen hat. Der konzentrierte und kämpferische Handballer sei ja abseits des Feldes ein total freundlicher Typ.

Viel hat sich im Leben von Arnor Gunnarsson getan. Nach rund fünf Wochen beim Bergischen HC bereut der 24-Jährige keinen Moment, dass er sich für den Wechsel entschieden hat. Gunnarsson genießt als Handballprofi das professionelle Umfeld, aber vielmehr noch die private Situation. In Haan hat er mit seiner Frau Jovanna eine schicke Wohnung bezogen, die seit knapp drei Wochen um einen weiteren Bewohner reicher geworden ist: Töchterchen Diana. Um bei der Geburt auf jeden Fall dabei sein zu können, hat er sogar auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen verzichtet. Gunnarsson war schon gegen die Niederlande im Rückspiel der WM-Qualifikation in den isländischen Nationalkader gerückt und hatte auch in London die Lücke schließen sollen. "Ich bin immer dann dabei, wenn einer von den Topleuten verletzt sein sollte."

Wie viel Arnor Gunnarsson Familie bedeutet, lässt sich an dem markanten Tattoo ablesen, das seinen rechten Arm ziert. Zwei Engel symbolisieren die Eltern, sechs Sterne darunter die drei Schwestern und die drei Brüder — inklusive des gelernten Bauhandwerkers. "In den vergangenen drei Jahren ist das Tattoo Stück für Stück gewachsen." Ergänzt werden soll es noch mit dem Namen seiner Tochter sowie dem Umriss seines Heimatlandes.

Schon als Sechsjähriger hatte Gunnarsson den Wunsch ausgesprochen, einmal in Deutschland Handball zu spielen. "Ich habe den Rat meines Vaters und gleichzeitig ersten Trainers befolgt und dafür hart gearbeitet." Sein erstes Probetraining hat der Rechtsaußen im Alter von 19 Jahren bei der TSV Hannover-Burgdorf absolviert. "Ich hatte einen Vertrag vorliegen, als ich doch noch die Absage bekommen habe." Bedauert hat er das damals wie heute nicht. Denn im Nachhinein wäre der Schritt wohl zu früh gekommen. Beim BHC will er sich nun den Traum von der Ersten Liga erfüllen. Dass sein neuer Verein womöglich die Klasse würde nicht halten können, hat Arnor Gunnarsson bei der Unterschrift in Kauf genommen. "Es geht ja wieder zurück", sagt er voller Überzeugung und lächelt.

(RP/ac)