Bergischer HC: 15:34 – ein doppelter Negativrekord

Bergischer HC : 15:34 – ein doppelter Negativrekord

Sebastian Hinze bezeichnet die SG Flensburg-Handewitt als eines der größten Vorbilder, die die Handball-Bundesliga habe. Eine ähnliche Selbstdisziplin hätte sich der Trainer des Bergischen HC von seinem Team gewünscht.

Der bisherige Negativrekord des Bergischen HC hatte seinen Ursprung an der dänischen Grenze. Mit 20:37 hatte der Handball-Erstligist bei der SG Flensburg-Handewitt seine bislang höchste Niederlage im Oberhaus kassiert. Trainerfuchs Ha De Schmitz hatte im Mai 2012 ähnlich konsterniert und ratlos gewirkt wie sein Nachfolger, der am Mittwochabend mit einem völlig anderen Kader in der "Flens-Arena" antrat und genauso vorgeführt wurde — abgesehen von einigen guten Aktionen in den zwölf Anfangsminuten.

Das Team von Coach Sebastian Hinze verzeichnete jetzt sogar in doppelter Hinsicht einen statistischen Tiefpunkt der beiden Spielzeiten in der stärksten Liga der Welt. Noch nie haben die Löwen mit 19 Treffern Differenz verloren, noch nie haben sie weniger als 20 Tore erzielt. Das 15:34 (8:17) gegen den Ex-Club von Viktor Szilágyi geht in die Löwen-Geschichte ein. Dem BHC-Kapitän gelangen an alter Wirkungsstätte nur wenige Anspiele, ansonsten war er völlig abgemeldet. Die Flensburger um Abwehrchef Tobias Karlsson kannten die Bewegungen des Spielmachers aus unzähligen Trainingseinheiten wohl noch zu gut.

Dabei hatte anfangs die taktische Maßnahme gegriffen, auf der linken Angriffsseite auf einen etatmäßigen Rückraumspieler zu verzichten. Viktor Szilágyi spielte hinten wie vorne anstelle von Emil Berggren oder des zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf dem Spielbogen eingetragenen Fabian Gutbrod. Dafür wechselte sich Alexander Oelze mit Michael Hegemann ab. "Wir hatten so den Druck bei der Zweiten Welle hochhalten und den Schwung in den Positionsangriff nehmen wollen." Zufrieden bilanzierte Sebastian Hinze, dass dies gut funktioniert habe. Oelze hatte Freiräume für zwei Treffer aus der Distanz, Arnor Gunnarsson wurde auf Rechtsaußen freigespielt, und Kristian Nippes fand die Lücke zum Durchbruch. Die Aktionen, die zum Zwischenstand von 4:4 führten, machten Hoffnung, dass die Bergischen den Norddeutschen genauso viel Probleme bereiten könnten wie im Hinspiel (28:30).

"Wir wollten das Spiel in die Breite ziehen, stattdessen hat sich irgendwann alles nur noch in der Mitte wiedergefunden", stellte Hinze fest. Einer der Gründe dafür war nicht schwer auszumachen. Pawel Fratczak und Paulo Ribeiro ahndeten jeden Durchbruch, bei dem es zum frontalen Körperkontakt kam, als Stürmerfoul. Kristian Nippes, Alexander Oelze und Emil Berggren rannten sich in kurzer Folge mehrfach fest. Nicht jedes Mal lagen die Schiedsrichter mit ihrer Entscheidung richtig. "Dadurch haben wir den Mut verloren, es weiter zu probieren." Die Mannschaft von Sebastian Hinze war ihrer stärksten Waffe gegen die im Innenblock kompakte Deckung beraubt. "Immer wieder haben wir uns in die Falle locken und festmachen lassen."

Die Ballverluste und die daraus resultierenden Treffer nach Tempogegenstößen und Zweiter Welle waren programmiert. Während die Löwen ohne ein Tor per Schnellangriff geblieben sind, waren Steffen Weinhold, Thomas Mogensen und Co. 13 Mal aus ihrem Konterspiel heraus erfolgreich. Eine bessere Quote hatte BHC-Schlussmann Mario Huhnstock in der ersten Hälfte verhindert. Das Debakel erklärte Sebastian Hinze mit dem fehlenden Willen in den zweiten 30 Minuten. "Die Flensburger sind mit ihrer Spielweise eines der größten Vorbilder, die wir in der Liga haben." Die Selbstdisziplin, den eigenen Stiefel konsequent herunterzuspielen, hätte sich der Trainer des Aufsteigers auch von seinem Team gewünscht. So aber hat er bis zum nächsten Spiel am 16. April bei der TSV Hannover-Burgdorf viel aufzuarbeiten, damit sich der BHC wieder konkurrenzfähig präsentiert.

(gra)