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Basketball: Als Ruhe gefragt war

Basketball : Als Ruhe gefragt war

Einige graue Haare sind Trainer Manfred Heck sicherlich gewachsen. Doch die BG Solingen gewann in der 2. Basketball-Regionalliga gegen Capone Düsseldorf, weil sie in der wichtigen Phase doch die Nerven behielt.

"Was soll das denn", schreit Manfred Heck von der Seitenlinie in Richtung seiner Basketballer. Der für den Coach der BG Solingen so ungewöhnliche Gefühlsausbruch hatte triftige Gründe. Anstatt – wie in der ersten Halbzeit – diszipliniert weiter zu spielen, verloren die Klingenstädter die Selbstbeherrschung. Benjamin Dimsic ärgerte sich zu Recht über die kleinlichen Pfiffe seitens der Schiedsrichter gegen ihn, haderte aber übertrieben und kassierte ein Technisches Foul. Kurz darauf wirft Marcel Kower sein Trikot im Frust auf den Boden mit der gleichen Ahndung der Unparteiischen. Plötzlich waren die Düsseldorfer zurück in einem Spiel, das die BG bei einer 45:36-Halbzeitführung bereits kontrolliert hatte.

Die schlimmste Solinger Phase war damit zwar vorbei, doch Souveränität stellte sich ebenfalls nicht mehr ein. Von den vielen schönen Spielzügen, mit denen die Gastgeber Capone Düsseldorf in der ersten Hälfte eingeschnürt hatten, war nur noch selten etwas zu sehen. Die BG leistete sich im Gegenteil viele Fehlwürfe und überzeugte eigentlich nur noch durch Kampfstärke. Dimsic schmiss sich auf freie Bälle, Philip Freeman blockte Düsseldorfer Wurfversuche – keine Frage, die Solinger gaben in dieser Phase keinen Zentimeter verloren.

Leitwolf schmerzlich vermisst

Es fehlte jedoch der Spieler, der in der hektischen Phase die Ruhe behält und einfach mal einen lockeren Dreier versenkt. In diesem Bereich ist Neuzugang Avery Oliver, der dank einer starken ersten Hälfte 33 Punkte markierte, noch nicht so stark wie der nach Barmen gewechselte Marco Barth. Der Leitwolf wurde schmerzlich vermisst. So gingen die Gäste vier Minuten vor Schluss 75:70 in Führung. Das Spiel stand nun auf des Messers Schneide.

Heck wäre nicht Heck, wenn er in der Hitze des Gefechts nicht noch einen Joker in der Hinterhand hätte. Der Trainer brachte ausgerechnet Heißsporn Oliver Habura, der in dieser Phase den Überblick behalten sollte. Es war der entscheidende Wechsel. Habura versenkte den Ball während er gefoult wurde und traf den folgenden Freiwurf. Eine Minute später setzte der Außenspieler den Drei-Punkte-Wurf zum 77:77. Danach blieben die Solinger abgebrüht. Philip Freeman krönte seine starke Vorstellung mit einigen wichtigen Rebounds und der nötigen Ruhe von der Freiwurf-Linie. "Freeman, Freeman", schallte es immer wieder lautstark durch die Halle. Zum Publikumsliebling ist der Neuzugang schon jetzt avanciert.

"Wir haben zu früh aufgehört zu spielen", erklärt Manfred Heck den Einbruch in der zweiten Hälfte. "Da waren wir dann zu eigensinnig und haben uns das Spiel fast noch aus der Hand nehmen lassen." Mit der ersten Halbzeit war der Coach jedoch voll zufrieden: "Die Systeme haben geklappt. Wir waren als Team präsent".

(RP)