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Sportlerwahl: Abonnement-Siegerin Jessica Mager erstmals geschlagen

Sportlerwahl : Abonnement-Siegerin Jessica Mager erstmals geschlagen

Mit Kim Treudt-Gösser, Jochen Wollmert und Sebastian Hinze hat unsere Zeitung die Verdientesten der vergangenen Saison ausgezeichnet.

Besonders schwer sei es diesmal gewesen. So leitet Guido Radtke die Ehrung der in der vergangenen Saison verdientesten Protagonisten des Solinger Sports im WMTV-Restaurant ein. Die Floskel, die der Sportchef der Solinger Morgenpost zu Beginn der kurzweiligen Veranstaltung benutzt, ist freilich nicht neu, wenn es um die Auswahl von Preisträgern geht.

Doch eindeutig war das Votum der vierköpfigen Endjury in diesem Jahr nicht. Die Konkurrenz für die letztlichen Sieger war groß, bevor sich Ernst Lauterjung (Sportausschuss-Vorsitzender), Christian Licht (Sportexperte WDR-Lokalzeit Bergisch Land), Daniel Certa (Leistungssport-Koordinator der NRW-Sportschule) und Radtke zu den Entscheidungen durchgerungen haben. Nur eine Personalie lag auf der Hand. Sebastian Hinze ist der "Trainer der Saison" — es musste so kommen.

Mit dem Bergischen HC hat der junge Coach den direkten Wiederaufstieg in die Handball-Bundesliga geschafft. So souverän, wie es ihm vor der Spielzeit nur wenige zugetraut hätten. Entsprechend groß ist die Anerkennung unter den merh als 80 Gästen, die Hinze mit aufrichtigem Applaus bedenken. Was der Trainer danach im Interview verrät, unterstreicht, wie verdient die Auszeichnung ist. "Auch wenn ich nicht immer so wirke: In mir drin sieht es ganz und gar nicht ruhig aus. Ich habe mir während der gesamten Saison enorm Druck gemacht", sagt Sebastian Hinze.

"Hier in kleiner Runde kann ich es ja verraten: So viel Selbstvertrauen habe ich eigentlich gar nicht. Ich habe auch Selbstzweifel." Eine Eigenschaft, die den Trainer dazu getrieben hat, sich so akribisch auf die Gegner vorzubereiten, dass wohl nur deren Trainer genauere Informationen besaßen. Später wird Hinze sogar einräumen, dass er zu Beginn seiner Tätigkeit nachts teilweise nur zwei Stunden geschlafen habe.

Angesprochen auf seine Prognose für die kommende Erstliga-Spielzeit, bleibt Hinze seiner Linie treu. "Ich habe den Anspruch, dass wir uns in jedem Spiel verbessern und weiterentwickeln. Wenn uns das gelingt, denke ich, dass wir am Ende der Saison zufrieden sein werden." Mit Norman Eberhardt und Thomas Eigerdt verweist Hinze zwei Trainer auf die Plätze, die ebenfalls erfolgreich gewesen sind. Eberhardt steht mit den Solingen Alligators in der laufenden Baseball-Saison ganz oben, Eigerdt ist mit den Fußballerinnen des SV Eintracht in die Regionalliga aufgestiegen. Obwohl sie nicht gewonnen haben, sind beide Trainer auf der Veranstaltung erschienen und wurden von Guido Radtke spontan in kurze Interviews verstrickt.

Das Gleiche gilt für Jessica Mager. Seit es die Morgenpost-Wahl gibt, hat die Sportschützin stets die Auszeichnung als beste Sportlerin entgegen nehmen dürfen. In der vierten Auflage muss die Olympia-Teilnehmerin Kim Treudt-Gösser den Vortritt lassen. "Klar bin ich ein bisschen enttäuscht", gibt Jessica Mager zu. "Das ist man doch immer, wenn man nicht gewinnt. Aber Kim hat es mehr als verdient." Mit 14 Jahren hat die Solingerin Degenfechterin die Deutsche Vize-Meisterschaft der A-Jugend gewonnen. Außerdem zwang sie bei der DM der Frauen die Olympia-Zehnte Monika Sozanska an den Rand einer Niederlage. "Die Medaille in der A-Jugend war schon eine große Sensation. Leider habe ich das Finale knapp mit zwei Punkten verloren", sagt Treudt-Gösser. Was Radtke zu einer Nachfrage inspiriert: "Gab's auch Tränen ?" Der Moderator hat den Satz kaum ausgesprochen, da wehrt die Fechterin ab: "Nein." Ein sympathischer Moment.

Genauso spaßig ist die kurze trockene Fechteinlage, die Radtke und Treudt-Gösser bieten, "um mal zu zeigen, wie schnell Kim auf den Beinen ist", wie Radtke es anpreist. Kaum hat der Sportchef eine kurze Bewegung gemacht, stößt die Fechterin blitzschnell nach vorne. "Aha, so macht sie es also. Sie wiegt den Gegner in Sicherheit. Ist das im Wettkampf auch so ?" Die Frage ringt Kim Treudt-Gösser ein zweites Mal die trockene Antwort "Nein" ab — zur Freude des Publikums.

Während die Sportlerin der Saison als 15-Jährige natürlich noch nicht ganz so geübt wirkt, wenn sie vor Publikum spricht, hat der verdienteste Sportler Übung. Jochen Wollmert sammelt seit Monaten Auszeichnungen für seine faire Geste bei den Paralympischen Spielen, als er seinen Gegner im Tischtennis-Finale nach der Niederlage tröstete. "Seine Gegner wünschen sich, er würde seine Karriere endlich beenden", kündigt Radtke den Goldmedaillen-Gewinner an. Doch der 48-Jährige denkt noch nicht ans Aufhören. "Als ich die ersten Bilder des Olympischen Dorfs in Rio gesehen habe, war die Sache für mich klar." Da will Jochen Wollmert auch mit 51 Jahren noch dabei sein. Sein Hunger nach Erfolgen ist ungebremst. Zum neunten Mal hintereinander hat der Tischtennisspieler mit dem Team des Reha- und Behindertensport Solingen die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Behindertensport geholt. "Jetzt wollen wir natürlich die Zehn holen." Wenn es so weitergeht, muss Wollmert einen Scherz wahr machen. "Wir haben schon überlegt die Autogrammkarte als Klappkarte zu machen — damit die ganzen Erfolge noch darauf passen." Es könnte dem ehrgeizigen Sportler passieren.

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(trd)