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Spar- und Bauverein Solingen​: Keine Mieterhöhung wegen der Inflation

Spar- und Bauverein Solingen : Keine Mieterhöhung wegen der Inflation

Der Spar- und Bauverein Solingen legt im Jubiläumsjahr von 7,7 Millionen Euro ein gutes Jahresergebnis vor und will weiter investieren.

Prinz Friedrich Leopold von Preußen weihte am 15. Juli 1897 die Müngstener Brücke ein. Wenige Tage zuvor, am 11. Juli 1897, wurde der Spar- und Bauverein Solingen (SBV) gegründet. Sowohl die Genossenschaft, als auch die Brücke sind somit 125 Jahre alt. Daran erinnerte am Donnerstag der Aufsichtsratsvorsitzende der größten Wohnungsbau-Genossenschaft des Rheinlandes, Hans-Werner Bertl. Doch während in die Müngstener Brücke zuletzt etliche Millionen Euro zur Sanierung investiert werden mussten, zeigt der Spar- und Bauverein Solingen keine „Altersschwäche“ – im Gegenteil: Vorstandsvorsitzender Jürgen Dingel legt für das Geschäftsjahr 2021 ein „Top-Jahresergebnis“ vor. „Wir sind sehr zufrieden“, sagte Dingel bei der Vorlage der Bilanzzahlen.

Mit einem Jahresergebnis in Höhe von 7,7 Millionen Euro schließt das Geschäftsjahr der Genossenschaft bei einer Bilanzsumme von 314 Millionen Euro ab. In den Bestand an Häusern und Wohnungen wurden 9,9 Millionen Euro investiert, (Vorjahr 9,5 Millionen Euro), für 8,8 Millionen (7,4) wurden Wohnungen modernisiert, für etwa drei Millionen Euro (4) entstanden Neubauten, beispielsweise am Argonner Weg/Wittekindstraße in der Siedlung Böckerhof. „Wir hätten gerne noch mehr in die Bestände investiert“, sagte der SBV-Vorstandsvorsitzende. Doch Krankheitsfälle, Lieferengpässe sowie Verzögerungen im Bauablauf schoben diesem Vorhaben einen Riegel vor. „Wir werden das nachholen“, kündigte Dingel an.

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Doch die Baupreise, insbesondere Materialpreise, steigen. „Bauen wird im knappen zweistelligen Prozentbereich teurer“, ergänzte das für den technischen Teil zuständige Vorstandsmitglied Uwe Asbach. Von daher wird nach den Worten von Dingel und Asbach „kontinuierlich weiter in den Bestand investiert. „Wir sind und bleiben ein zuverlässiger Partner des örtlichen Handwerks“, versicherte SBV-Vorstandsmitglied Erwin Kohnke.

Die guten Bilanzzahlen der Genossenschaft nicht nur im Jubiläumsjahr, sondern bereits in den vergangenen Jahren lässt den Spar-- und Bauverein Solingen sprichwörtlich zwar nicht „im Geld schwimmen“. Aber allein durch das gute Jahresergebnis 2021 können neben einer maximalen Dividende von vier Prozent für die Mitglieder rund sieben Millionen Euro in die Ergebnisrücklagen eingestellt werden – sofern die Mitgliederversammlung am 11. Juni im Gemeindesaal der evangelischen Stadtkirche am Fronhof dem Gewinnverwendungsvorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat zustimmt. Immerhin könnte so die Eigenkapitalbasis des SBV auf 131 Millionen Euro steigen.

Rechnet man den Gesamtbestand der Spareinlagen der Mitglieder hinzu, die am Jahresende 2021 mehr als 99 Millionen Euro (plus drei Millionen Euro) ausmachten, erreichen diese beiden Werte fast 75 Prozent der Bilanzsumme. „Das schafft Unabhängigkeiten von Banken“, sagte Jürgen Dingel.

Eine klare Absage erteilte SBV-Vorstand Uwe Asbach einer Mieterhöhung wegen der hohen Inflationsrate, so, wie dies andere Wohnungsunternehmen bereits angekündigt haben. Vielmehr wolle man weiter in Modernisierung und Instandhaltung investieren, um die Nebenkosten zu reduzieren. Zudem würden Mietanpassungen im Zuge von Modernisierungen deutlich geringer ausfallen, als dies der Gesetzgeber vorgibt. „Gleichwohl wächst auch bei uns der Kostendruck. Die Spielräume verkleinern sich, je mehr die Inflationsrate anzieht“, warnte Jürgen Dingel. Der Krieg in der Ukraine und Bau- und Energiepreissteigerungen sowie Lieferkettenstörungen würden sich negativ auf die wirtschaftliche Situation der Genossenschaft auswirken.

SBV-Aufsichtsratsvorsitzender Hans-Werrner Bertl hob die Vorzüge der Genossenschaft hervor. Lebenslanges und damit sicheres Wohnrecht, auch Mitgestaltung und Mitbestimmung. Allein in den vergangenen zehn Jahren investierte der SBV in Solingen rund 195 Millionen Euro.