1. NRW
  2. Städte
  3. Solingen

Solingerin verkauft Adenauer-Villa

Annonce statt Auktion : Solingerin verkauft Adenauer-Villa

Lissa Ilse Thurner wurde für das Gelände eine hohe Summe aus Abu Dhabi geboten.

Fast euphorisch meldet sich der Solinger Geschäftsmann Claus-Dieter Wielowski am Telefon. Das Gebot für die bundesweit gerade durch die Schlagzeilen gehende Adenauer-Villa in der Eifel liege bei 35.000 Euro. „Ein Scheich aus Abu Dhabi hat uns ein Vielfaches geboten.“ Aber man habe auf die laufende, am 22. Januar endende Auktion verwiesen. Mit „Wir“ meint er auch Lissa Ilse Thurner. Sie ist die Erbin des Grundstücks und des nur als Ruine zwischen Laub- und Nadelbäumen stehenden Repräsentationsbaus.

„Sie haben bei uns am Tor gerüttelt, stellten viele Fragen“, erzählt die Geschäftsführerin eines Personaldienstleisters mit Schwerpunkt Medizinbranche über das Interesse. Auch die Medien würden sich jeden Tag melden. Anlass war, dass Wielowski Grundstück und Ruine mit der berühmten Adenauer-Vergangenheit bei eBay zur Auktion angeboten hatte. Aber der Konzern nahm diese heraus. Stattdessen gibt es nun eine Annonce. Das Gebot soll an die Firma Medior gehen, die Thurner gehört.

Um das Grundstück in der Nähe der Nürburg rankt sich eine lange Geschichte. Das „Camp Konrad“ wurde vom früheren AEG-Vorstandsvorsitzenden Friedrich Spennrath 1955 beantragt. Mit dem Bau auf dem 605 Meter hoch gelegenen Hügel begann er im selben Jahr. 600 Quadratmeter Wohnfläche sollten es auf 2000 Quadratmeter Grundstück im Kammerwald bei Duppach in der Eifel werden. Spennrath hatte Baupläne des Architekten Heribert Multhaupt verwendet. Dieser war mit Lotte Adenauer, der Tochter des amtierenden Bundeskanzlers verheiratet. Adenauers Sohn Konrad war bei der AEG beschäftigt.

Gerüchte tauchten zu damaliger Zeit auf, der Bundeskanzler solle Grundstück und Anwesen zum Geschenk erhalten, das als Jagd-, Wochenend- und Gästehaus geplante Anwesen im Stil des amerikanischen Landsitzes Camp David wie ein US-Präsidenten für die große Politik und private Kontakte nutzen können. Doch das Prachtanwesen wurde nie vollendet. Im März 1956 wurde der letzte Sack Zement angerührt. Seitdem verfällt alles.

Vielleicht könne man das Gebäude sogar sanieren. Für Lissa Ilse Thurner komme das nicht in Frage. Sie wolle sich von dem Grundstück trennen, es habe für sie keinen Nutzen, sie zahle dafür nur Grundsteuer. Thurners Vater hatte das Anwesen 1980 zusammen mit weiterem land- und forstwirtschaftlichem Gelände gekauft. Wielowski nennt Konsul Hubert Kogge aus Essen als Verkäufer. Im vergangenen Jahr erbte das alles seine Tochter Lissa Ilse. Wielowski spricht von 270.000 Quadratmetern Fläche. Thurner betont, sie verkaufe nicht das Haus, es handle sich um ein Waldgrundstück. Inzwischen sichere ein zwei Meter hoher Zaun die Ruine. Sie habe wegen der Baufälligkeit des Adenauer-Baus aber keine Probleme mit den Behörden gehabt, das werde von den Medien fälschlich berichtet.

Sie preist das Grundstück an: „Jetzt, wenn die Bäume keine Blätter tragen, kann man fast bis Gerolstein blicken.“ Auch sei alles rechtlich sauber. Sie dürfe mit Grundstücken handeln, habe eine entsprechende Genehmigung. „Wenn wir für Pharma-Konzerne agieren, kaufen wir für diese auch schon einmal Grundstücke, wenn die Firmen das nicht selbst und öffentlich machen wollen.“

Für den 22. Januar verspricht Wielowski einen großen Show-Down an der Neuenhofer Straße. Dort sitzt die Firma Medior zwischen Standesamt und dem Internationalen Schneidwarenverband ebenfalls in einer Villa. Mindestens zwei mögliche Käufer hätten sich angesagt, um vor Ort möglicherweise kurz vor 18 Uhr noch ein Gebot bei der privaten Auktion abzugeben, bevor der Zuschlag endgültig erfolge. Ob der Scheich aus den Vereinigten Arabischen Emiraten dabei ist, wissen Thurner und Wielowski nicht – oder verraten es nicht.