Solingerin baut an Solarhaus in Dubai

Lara Andriessen : Solingerin baut an Solarhaus in Dubai

Lara Andriessen ist Teil eines studentischen Teams aus den Niederlanden, das sich am Solar Decathlon Middle East beteiligt.

Der Kreis schließt sich in Dubai: Als Lara Andriessen in der zwölften Schulklasse an einer MINT-Woche der Universität Wuppertal teilnahm, beeindruckte sie besonders das Projekt Solarhaus. Einige Jahre später gehört die inzwischen 24-jährige Solingerin zu einem Studententeam, das selbst ein derartiges Gebäude entwickelt hat – und vom 14. bis zum 28. November in den Vereinigten Arabischen Emiraten präsentieren wird. Lara Andriessen ist „Sustainability Manager“ in der rund 50-köpfigen Gruppe „VIRTUe“, die sich aus Studenten der Technischen Universität Eindhoven und der Fachhochschule Fontys zusammensetzt.

Als Fachfrau für Nachhaltigkeit und neue Ideen gehört die Solingerin zum Kernteam. Ihr Bachelor-Studium an der TU hat sie für rund ein Jahr unterbrochen; das Projekt passt aber perfekt zu ihrem Studiengang Sustainable Innovation. „Es ist viel Arbeit, es gibt viel Druck, aber es macht auch unglaublich viel Spaß“, kommentiert Andriessen ihren Einsatz, der auch einmal 60 Stunden pro Woche umfassen kann.

„So gut wie alle Häuser sind jetzt unterwegs“, erzählt die 24-Jährige. „Die Konkurrenz ist stark. Wir sind sehr gespannt, was die anderen Teams präsentieren. Wir erwarten vor allem viel von den Gruppen aus Australien und den Vereinigten Staaten.“ Von den ursprünglich 22 Teams, die nach der Vorrunde übriggeblieben waren, haben bereits vier die Segel gestrichen. Dabei sind beispielsweise noch Mannschaften aus Italien sowie Serbien und natürlich aus den Emiraten.

Die niederländische Gruppe will mit einem speziellen Konzept punkten. Andriessen: „Wir passen uns an die Kultur und die Stadt an. Wir wollen kein Haus für die immer weiter ausufernden Vororte bauen, sondern einen Stadtteil verdichten.“ Deshalb ist LINQ, so der Name des Hauses, eher als Apartment gedacht, als Teil eines viel größeren, siebenstöckigen Gebäudes mit einem grünen Atrium und zwei unteren Etagen, die auch der Nachbarschaft offenstehen sollen – mit Angeboten wie Kinderbetreuung, Läden und einem kleinen Theater. Getragen werden soll alles von zwei Stahlkernen. Das Apartment selbst errichtet die Gruppe in Holzskelett-Bauweise. „Das erlaubt es uns, die Außenmauern besser zu isolieren, da diese weniger Gewicht tragen müssen“, erläutert die Studentin. „So halten wir die Hitze draußen und die Kälte drinnen.“

Lara Andriessen recherchierte und errechnete, wie umweltfreundlich die Materialien sind, welche Lebenszyklen sie haben: „Unter anderem muss das Holz, das wir nutzen, zertifiziert sein. Ich sorge auch dafür, dass das Haus zirkulär gebaut wird. Das bedeutet, dass die Materialien wiederverwendet werden können, wenn das Haus seinen Zweck verliert.“ „Ganz toll“ findet die Solingerin, dass es sich um ein sogenanntes Hybridhaus mit einem Wechsel- und einem Gleichstromnetzwerk handelt: „Bei Gleichstrom ist der Energieverlust gering, weil der Transportweg zwischen Solarzellen und Endverbraucher eng ist.“

Die Solarzellen erzeugen nicht nur Strom für Küchen- und andere Geräte, sondern sorgen in dem stark gedämmten Haus auch für eine angenehme Raumtemperatur. Mit einem Strahlungskühlsystem wird nachts Wasser gekühlt, das dann tagsüber durch Rohre in den Wänden und Decken fließt. „Wir haben in dem Haus schon übernachtet und gekocht. Alles funktioniert“, sagt die Studentin. „Der komplette Technikraum inklusive Küche und Badezimmer passt in einen Seecontainer.“

Zur Technik gehört auch eine Ladestation für ein Elektroauto. Mit selbst konstruierten Solarwagen haben Eindhovener Teams schon mehrere Erfolge erzielt. Im letzten Jahr kamen sie wieder auf den ersten Platz bei der härtesten Solar-Rallye der Welt in Australien. Ähnlich erfolgreich möchte auch das Team VIRTUe mit seinem Haus sein. Am 29. Oktober beginnen Lara Andriessen und ihre Kommilitonen mit dem Aufbau in Dubai. Die Juroren haben dann im November zwei Wochen Zeit für die Bewertung.

Wie es nach dem BA-Studium weitergeht (die Abschlussarbeit ist schon geschrieben), weiß die Solingerin genau: „Meine Arbeit im Team hat mir deutlich gemacht, dass ich Bauingenieurin werden will – mit Blick auf Nachhaltigkeit. Der Bausektor hat den größten Einfluss auf die CO2-Emissionen auf der Welt. Das will ich verändern.“

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