1. NRW
  2. Städte
  3. Solingen

Solinger wegen Raub und Körperverletzung vor Gericht

Solinger vor dem Landgericht : Plötzlicher Gedächtnisverlust

Verhandlung vor dem Landgericht in Wuppertal wegen Raub und Körperverletzung vor fast zwei Jahren im Gustav-Coppel-Park. Der Prozess wird fortgesetzt.

Grundsätzlich hätte der 15. April 2018 den Beteiligten in deutlicher Erinnerung sein müssen. Wer vergisst schon einen Überfall mit Raub und Körperverletzung, wenn er das Opfer ist? Erstaunlich, dass am Montag vor der Berufungskammer des Landgerichts Wuppertal die Opfer sehr zurückhaltend über die Einzelheiten dieses Falls berichteten, der sich spätnachts im Gustav-Coppel-Park abgespielt hatte.

„Der Prozess kommt völlig unerwartet, ich habe die Geschichte völlig verdrängt, bin nicht nur aus diesem Grund sogar aus Solingen weggezogen – es war nicht die beste Zeit meines Lebens“, sagte ein heute 19-jähriges Opfer als Zeuge aus. Erinnern konnte es sich nur an viel Alkohol, wegen dem es benommen auf einer Mauer gedämmert habe. Mit fünf Tritten von verschiedenen Seiten sei es dort hinunter befördert worden. Dabei wurde es seiner Gürteltasche, seiner Uhr und seines Handy beraubt.

Wie öfter sei er mit zwei Freunden im Park gestrandet, Wodka „und ähnliches“ seien der Grund für eine entspannte Stimmung gewesen. Die bohrenden Nachfragen des Richters nach einer „Kiffer-Party“ bejahte allerdings nur eines der Opfer. Die beiden anderen wichen einer Antwort weiträumig aus. Übereinstimmend gaben sie aber zu, dass sie von zwei später dazukommenden Unbekannten, die auf der Anklagebank saßen und jede Aussage verweigerten, eine Telefonnummer bekommen hatten, über die sie „Stoff“ hätten anfordern können.

Nach dem Anruf bei einem 27-jährigen Freund aus Solingen sei dieser schnell aufgetaucht und solle direkt aggressiv vorgegangen sein: Einem der drei habe er gedroht: „Ich stech Dich ab.“ Der und der dritte Zeuge, der bei den ersten Anzeichen des Streits schon in sichere Entfernung ausgewichen war, rannten aus dem Park, alarmierten die Polizei und liefen zurück, um dem wehrlos ausgeraubten Opfer von der Mauer zu helfen, das gerade entkleidet werden sollte.

Der Richter störte sich an dem Gegensatz zwischen den deutlicheren Aussagen bei der Polizei damals und dem Gedächtnisverlust vor Gericht jetzt: Erkannt hätten sie keinen aus der Tätergruppe, nur einer sei aktiv gewesen, die beiden anderen hätten nur dabei gestanden, und von einem Messer hätten sie nichts gesehen. Den Aktiven hatte das Amtsgericht deshalb und wegen zwei ähnlichen Vorfällen zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Die beiden vorgeblich Passiven waren freigesprochen worden, aber: Deren Beteiligung wollte die Anklage in dieser Berufung geklärt wissen.

Allerdings fehlte der bereits verurteilte Haupttäter als möglicher Hauptbelastungszeuge unentschuldigt. Er soll jetzt bei einem weiteren Termin von der Polizei vorgeführt werden. Ein weiterer wichtiger Zeuge befindet sich in Quarantäne.