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Solinger vor Gericht​: Heroin in Wohnung des Bruders gelagert​

Solinger vor Gericht : 500 g Heroin in Wohnung des Bruders gelagert

Der drogensüchtige Bruder zog nach einer Haftstrafe bei ihm in Solingen ein. Bei einer Durchsuchung wurden 500 g Heroin und zwei Waffen gefunden. Die Brüder stehen nun beide vor Gericht.

Er wollte seinem Bruder helfen. Als der 2019 aus der Haft entlassen wurde, hat er ihn bei sich wohnen lassen. Nun sitzen die beiden Kasachen auf der Anklagebank, die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Drogenhandel mit Waffen vor. Knapp 500 Gramm Heroin sollen sie in einer Wohnung in Solingen gelagert haben, den Angeklagten drohen lange Haftstrafen. Vor allem auch deshalb, weil auch noch eine Schreckschusspistole und ein Luftgewehr sichergestellt worden waren.

Was die Angeklagten selbst über die Tatvorwürfe sagten, lässt deutlich werden, wie weit die Drogensucht hineinreichen kann in eine Familie. Die Mutter fürchtet seit langem den Tod des einen Sohnes, der seit mehr als 20 Jahren Heroin raucht und spritzt. Der inzwischen 43-Jährige hatte sich seinen ersten Schuss zu seinem 20. Geburtstag gesetzt, da war er gerade mit den Eltern und dem Bruder nach Deutschland gekommen. Die Mutter sei wieder zurückgegangen nach Kasachstan, zum Vater gab es keinen Kontakt mehr – die beiden Brüder waren schon immer eng miteinander.

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So eng, dass der eine immer seine Hand über den anderen gehalten hat. Bis dahin, dass er ihn eben nach der Haftentlassung in seiner Wohnung in Solingen aufgenommen hat. Noch im Knast hatte der Ältere weiter Heroin geraucht und dafür sogar eine Haftverlängerung kassiert. Getrieben von der Angst, obdachlos zu werden, zog er schließlich in die Wohnung des Bruders. Nun hatten beide ein Problem: Dass der eine Drogen nimmt, hat der andere gewusst. Auch, dass er sie verkauft. Von der Wohnung hatte man die Geschäfte unbedingt fernhaften wollen – wohlwissend, dass dieser „Haus-Verkauf“ schnell die Polizei misstrauisch werden lässt. Also wurde nur auf der Straße verkauft und dabei hatte sich der eine Bruder vom anderen auch schon mal für Hol-und-Bring-Dienste einspannen lassen.

Und die Waffen? Die gehörten zum Wohnungsinventar und dem, der mit den Drogen nichts am Hut hatte. Nach solchen Details fragen Ermittlungsbeamte freilich nicht, wenn eine Wohnung durchsucht wird. Wenn dann –so wie hier – 500 Gramm Heroin im Badezimmer gefunden werden und dazu noch eine Schreckschusspistole und ein Luftgewehr in einem der anderen Zimmer, dann ist das Drogenhandel mit Waffen.

Dass der eine gewusst hat, welche Mengen Heroin der andere in seiner Wohnung gebunkert hat? Eher unwahrscheinlich, das wird vermutlich auch der Richter so sehen. Denn hätte er es gewusst, hätte er die Stunden zwischen der Festnahme des Bruders und der Durchsuchung seiner Wohnung wohl genutzt, um das Heroin oder auch seine Waffen verschwinden zu lassen. Nichts davon hat er getan und nun steckt er mittendrin im Schlamassel. Seine Hoffnung dürfte wohl sein, dass er seine Gutmütigkeit nicht allzu teuer wird bezahlen müssen.

Der drogenabhängige Bruder hat das Gericht hingegen wissen lassen, dass er die erwartete Haftstrafe gerne dazu nutzen würde, um in einer Entziehungsanstalt von seiner Sucht loszukommen. Die Kammer hat zwei weitere Verhandlungstage festgesetzt.