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Solinger Veranstalter leiden trotz Corona-Lockerungen

Trotz Corona-Lockerungen : Keine Erholung bei Solinger Fest-Veranstaltern

Auch die Lockerungen der Corona-Schutzbestimmungen sorgen bei den professionellen Organisatoren größerer Feiern nicht für volle Auftragsbücher. Auch das gastronomische Tagesgeschäft leidet noch unter der Pandemie.

Das Ende der Villa Media in Wuppertal als Folge der Corona-Krise sorgte schon in der vergangenen Woche für Schlagzeilen – und ist nur ein Beispiel für die prekäre Situation von Veranstaltern größerer Feiern. Zwar sind in Nordrhein-Westfalen seit dem 15. Juni offiziell auch wieder private Feste „aus herausragendem Anlass“, wie es in der Pressemitteilung heißt, also Hochzeiten, Tauf-, Geburtstags- und Abschlussfeiern, mit einer Teilnehmerzahl von bis zu 50 Personen erlaubt. Für neuen Aufschwung sorgt das aber in der Branche nicht: Für derartige Ereignisse habe er aktuell so gut wie keine Reservierungen, berichtet zum Beispiel der Ohligser Gastronom André Hitzegrad. Und das beziehe sich sowohl auf die eigenen Räume an der Grünstraße als auch auf die ansonsten gerade bei Hochzeitspaaren beliebte Wasserburg „Haus Graven“ in Wiescheid. „Die Leute haben eben einfach noch Angst“, sagt Hitzegrad. Diese Erfahrung machen auch viele seiner Kollegen: „Selbst wenn ein Gastgeber 50 Menschen einlädt, kommen am Ende nur 25, weil die anderen sich Sorgen machen“, bringt Thorsten Steinhaus die Situation auf den Punkt. Alle größeren Veranstaltungen bis September seien storniert, und im Moment gebe es auch keine Anfragen, sagt der Gastronom, der in seinem Restaurant am Alten Bahnhof gleich mehrere Säle für geschlossene Gesellschaften anbieten kann. Diese machten bei ihm 80 Prozent des Geschäfts aus, betont er.

Und selbst das gastronomische Tagesgeschäft leidet weiter unter den Folgen der Pandemie. Ältere Gäste kämen ebenso wenig wie Firmenkunden, Geschäftsessen seien Online-Konferenzen gewichen. Die Staatshilfen seien für die Veranstalter sowieso ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen. Selbst auf Weihnachtsfeiern in seinen Räumen macht er sich wenig Hoffnung: „Die Lage ist mehr als schwierig“, fasst er zusammen. Und das gelte für die Mitarbeiter in den Gastronomiebetrieben ebenso wie für Geschäftspartner und Lieferanten.

Die erste Veranstaltung seit vier Monaten der kompletten Schließung – eine Hochzeit – erlebt am kommenden Wochenende die Alte Schlossfabrik. In den Räumen in der Nähe zur Remscheider Stadtgrenze finden ausschließlich Feiern, vom Abiball über Firmenfeste bis zur „90er Jahre-Party“, statt. Auf letzere werden die Gäste weiterhin verzichten müssen. „Wir hoffen aber, dass wir in den nächsten Monaten so viele private Feiern wie möglich ausrichten können“, betont Geschäftsführer Florian Unkel. Die potentiellen Gäste erlebe er als „lösungsorientiert“: „Vieles ist erst einmal verschoben, mehr die Hälfte der Hochzeitspaare sagen aber, dass sie im vorgegebenen Rahmen feiern wollen.“

Anastasija Ebbinghaus räumt im Haus Rüdenstein nach einer Familienfeier den Tisch ab. Foto: Guido Radtke

Auf ein Drittel des Geschäftes verzichten musste auch die Gaststätte Rüdenstein: „Die größte Festgesellschaft, die wir zuletzt begrüßen konnten, war eine 14-köpfige Gruppe anlässlich einer standesamtlichen Trauung“, sagt Geschäftsführerin Petra Meis. Alle größeren Ereignisse seien verschoben worden. Immerhin kann die Gaststätte am Wupperufer auf ein gutes a la Carte-Geschäft und seine Außenterrasse setzen – und auf die eigene Grillhütte, an der auch Wanderer spontan Speisen und Getränke zum Mitnehmen bestellen können. Kompensieren ließen sich die Umsatz-Ausfälle für die Corona-Krise dennoch nicht.

In der Alten Schlossfabrik habe man Rücklagen, die ursprünglich für andere Investitionen geplant waren, ins Überleben der Corona-Krise gesteckt, sagt Florian Unkel. Größere Partys, darüber macht er sich keine Illusionen, werde es auch in den nächsten Monaten nicht geben. „Wir hoffen“, betont er, „dass sich die Lage im nächsten Jahr normalisiert.“