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Solinger sucht per Facebook Lebensretter seines Vaters

Nach Zusammenbruch in Geschäft : Solinger sucht per Facebook Retter seines Vaters

Der Solinger Thomas Eidmann will über das Facebook zwei Männer finden, die bei seinem Vater nach einem Herzstillstand Erste Hilfe leisteten. Der Post wurde über 1300 Mal geteilt. Ein Retter meldete sich inzwischen.

Die Nachricht verbreitete sich in Windeseile. Bis zum späten Montagnachmittag war der Post, den Thomas Eidmann am Samstag auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hatte, bereits mehr als 1300 Mal geteilt worden. Und dies durchaus mit Erfolg. Denn nachdem der Solinger in dem sozialen Netzwerk einen Aufruf gestartet hatte, mit dem er die zwei Lebensretter seines Vaters suchte, meldete sich inzwischen einer der Männer.

"Ich bin den Rettern sehr dankbar", sagte Thomas Eidmann am Montag. Dabei überwog bei ihm aber nach wie vor die Sorge um seinen Vater. Dieser war am Samstagvormittag gegen 11 Uhr in der Ohligser Fußgängerzone unterwegs gewesen, als der 72-Jährige auf der Düsseldorfer Straße in einem Optikergeschäft plötzlich zusammenbrach. Der Vater von Thomas Eidmann hatte einen Herzstillstand erlitten — und wäre wohl noch am Ort des Unglücks verstorben, wenn nicht die beiden zufällig vorbeikommenden Passanten sowie die Angestellten des Optikers abwechselnd eine Herzdruckmassage durchgeführt hätten.

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"Der Zustand meines Vaters ist noch immer kritisch"

Tatsächlich konnten die alarmierten und kurze Zeit später eintreffenden Rettungskräfte nur deshalb den Patienten in ein Krankenhaus bringen, wo die Ärzte am Montag weiter um das Leben des 72-Jährigen kämpften. "Der Zustand meines Vaters ist noch immer kritisch. Er liegt in einem künstlichen Koma", berichtete der Sohn, der sich mit seiner Facebook-Suche vor allem aus zwei Gründen an die Öffentlichkeit wendete.

"Zum einen will ich den Helfern, die so vorbildlich reagiert haben, einfach nur meinen Dank zum Ausdruck bringen", sagte Thomas Eidmann. Darüber hinaus geht es dem Solinger aber auch darum, möglichst viele Menschen für das Thema Erste Hilfe zu sensibilisieren. Denn immerhin kann jeder von einer Sekunde auf die nächste selbst in eine Lage geraten, in der er auf schnelle Hilfe von Fremden angewiesen ist.

Einen Schritt, den professionelle Retter am Montag ausdrücklich guthießen. "Es ist ganz wichtig, den Menschen die Angst zu nehmen, sie könnten etwas verkehrt machen", sagte beispielsweise eine Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Solingen auf Anfrage unserer Redaktion. Dabei seien bei einem Herzstillstand gerade die ersten Minuten entscheidend. "Je früher Patienten durch Drücken des Brustkorbes reanimiert werden, desto besser stehen die Chancen, dass die Betroffenen ohne bleibende Schäden überleben", stellte die DRK-Sprecherin klar.

"Gaffer haben sich am Fenster des Optikergeschäfts die Nasen platt gedrückt"

Eine Erkenntnis, die sich offenbar zunehmend durchsetzt. Die Erste-Hilfe-Kurse des Roten Kreuzes in Solingen sind jedenfalls erheblich besser besucht als früher. "Oft kommen Leute zu uns, die selbst einmal in einer Notlage gewesen sind. Oder die Kurs-Teilnehmer haben eine Situation erlebt, in der ihre Hilfe nötig gewesen wäre, sie jedoch wegen fehlender Übung nicht eingreifen konnten", schilderte die DRK-Sprecherin aus dem Alltag ihrer Kollegen.

Parallel ist allerdings noch ein anderes Phänomen verstärkt zu beobachten. Immer wieder kommt es vor, dass Menschen bei Unglücksfällen einfach nur zuschauen. So auch am Samstag in Ohligs, als der Vater von Thomas Eidmann zusammengebrochen war. "Gaffer haben sich am Fenster des Optikergeschäfts die Nasen platt gedrückt", sagte der Sohn des Verunglückten, der kein Verständnis für ein solches Verhalten aufbringt. Was im Übrigen gleichermaßen für die Polizei gilt. "Unter Umständen machen sich Schaulustige unterlassener Hilfeleistung beziehungsweise der Behinderung von Rettern schuldig", stellte eine Polizeisprecherin klar.

(or)