Solinger Schulen sehen Kopftuchverbot kritisch

Solingen : Solinger Schulen sehen Kopftuchverbot kritisch

Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) und Staatssekretärin Serap Güler (CDU) lassen ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren prüfen. Bei Solinger Schulleitern stoßen die Pläne auf wenig Gegenliebe.

Von einer "komischen Diskussion" spricht Stephan Mertens, Direktor des Gymnasiums Vogelsang: "Auf der einen Seite wird zurecht Toleranz mit Kippa tragenden Juden eingefordert, muslimischen Mädchen mit Kopftuch soll das gleiche Recht hingegen verwehrt werden." Ein Kopftuchverbot würde nur Probleme schaffen, glaubt Mertens. "Die Polarisierung würde nur verstärkt werden." Bei außergewöhnlichen Situationen müsse man das Gespräch suchen. An seinem Gymnasium seien es ohnehin nur ältere Schülerinnen, die ein Kopftuch tragen: "Es ist mir kein Fall einer unter 14-Jährigen bekannt."

Auch an der Albert-Schweitzer-Schule sei das kein Thema, erklärt Schulleiterin Hans-Martin Rahe. "Es gibt nicht mal eine Handvoll Schülerinnen mit einem Kopftuch." Ein mögliches Verbot sieht Rahe kritisch. Anders wäre das hingegen bei einer Verschleierung des Gesichts, betont Rahe: "Das ginge gar nicht."

"Von einem Kopftuchverbot halte ich nichts. Das würde eher Widerstände schüren", sagt Elke Mosebach-Garbade, Leiterin der Geschwister-Scholl-Schule. An der "Scholle" gebe es einige Schülerinnen, die ihr Haar verhüllen. "Die sind jedoch mindestens 14 Jahre alt." Viel problematischer sei es, wenn muslimische Eltern ihre Tochter nicht auf Klassenfahrt gehen lassen. "Dadurch wird Integration verhindert."

Solche Fälle kennt auch Sabine Riffi — allerdings von anderen Religionsgemeinschaften. So hätten Kinder, die den Zeugen Jehovas angehören, ein Theaterstück nicht sehen dürfen, berichtet die Rektorin der Grundschule Uhlandstraße und Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Solingen. Ein Kopftuchverbot hält Riffi für das falsche Signal: "Das ist kein Thema, das in den Schulen wichtig ist."

(kris)
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