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Solinger Polizei soll eine Chefin bekommen

Stabwechsel : Hall-Nachfolge: Polizei soll Chefin kriegen

Mit einer Feier hat sich Polizeichef Robert Hall am Freitag in den Ruhestand verabschiedet. Seinen Job übernimmt zunächst Polizei-Oberrat Elmar Derra kommissarisch. Im Oktober wird die Solinger Polizei weiblicher.

Der Chef hatte ein letztes Mal gerufen – und zahlreiche Kollegen und Weggefährten waren der Einladung gefolgt. Im Rahmen einer privat organisierten Feierstunde im städtischen Verwaltungsgebäude an der Bonner Straße in Ohligs hat sich der bisherige Leiter der Polizei-Inspektion Solingen, Robert Hall, am Freitag in den Ruhestand verabschiedet. Denn bereits in wenigen Tagen wird der gebürtige Solinger seinen 62. Geburtstag begehen, so dass der Polizei-Oberrat dann nach mehr als vier Jahrzehnten im Dienst die Pensionsgrenze erreicht haben wird.

Kopflos werden die weit über 100 Polizistinnen und Polizisten in der Klingenstadt darum aber noch lange nicht. In Person von Polizei-Oberrat Elmar Derra steht Halls kommissarischer Nachfolger nämlich schon fest, der bis Ende September dieses Jahres die Geschäfte in der Polizei-Inspektion führen wird. Und für eine langfristige Lösung an der Spitze der Ordnungshüter ist ebenfalls gesorgt – wobei auf die Polizei bald wohl eine Premiere warten dürfte.

Der Grund: Nach Informationen unserer Redaktion wird am 1. Oktober 2019 erstmals in der Geschichte eine Frau in das Chefzimmer des Polizeigebäudes an der Kölner Straße ziehen. Was der Neuen aufgrund ihres beruflichen Werdegangs allerdings keine allzu großen Startschwierigkeiten bereiten sollte. Denn augenblicklich arbeitet die erfahrene Beamtin noch als Inspektionsleiterin in einer Stadt im Ruhrgebiet, die von der Einwohnerzahl sowie von der sozialen Zusammensetzung der Bevölkerung durchaus Parallelen zu Solingen aufzuweisen hat.

Indes bedeutet dies nicht, dass die zukünftige Polizeichefin ihren Dienst vollkommen sorgenfrei antreten kann. Im Gegenteil: So drückt die Kolleginnen und Kollegen in der Klingenstadt – wie vielerorts in Nordrhein-Westfalen – schon seit geraumer Zeit so mancher Schuh, der vor allem im ganz normalen Alltag schmerzt.

Egal ob schwindender Respekt vor uniformierten Ordnungshütern, Personalknappheit in einigen Bereichen oder ein enormer Berg von Überstunden, der seit etlichen Jahren vor sich hergeschoben wird: Die Liste der Klagen ist lang, ohne dass es bislang gelungen ist, der Probleme nur ansatzweise wieder Herr zu werden.

Dementsprechend nutzte auch der scheidende Chef die vergangenen Wochen immer wieder, um Klartext zu reden. Beispielsweise kritisierte Robert Hall den Personalschlüssel für die einzelnen Direktionen, der dazu führe, dass manchmal genau dort Leute fehlten, wo sie am dringlichsten benötigt würden. Und der restriktiven Altersgrenze vermag der Polizei-Oberrat, der gerne noch ein paar Jahre länger gearbeitet hätte, ebenso nichts abzugewinnen – wie auch die Leiterin der Direktion Gefahrenabwehr bei der Polizei, Irmgard Baumhus, nun einmal mehr bei der Verabschiedung Halls betonte.

Dabei gehört Erfahrung im Job zu den wichtigsten Voraussetzungen, um den Herausforderungen gerecht zu werden. Robert Hall jedenfalls hat seit seinem Eintritt in den Dienst 1974 eine ganze Menge an Erfahrungen gesammelt. So war Motorradfahrer Hall anfangs als Kradpolizist unterwegs. Später folgten Stationen als stellvertretender Leiter der Inspektion Köln-Mitte, im Kölner Problemviertel Chorweiler, in Wermelskirchen sowie in Remscheid. Und darüber hinaus engagierte sich Robert Hall bei Missionen in Mazedonien, im Süd-Sudan und in Afghanistan.

Im Jahr 2015 übernahm er schließlich die Inspektion in seiner Heimatstadt, für die er sich wünscht, dass die Polizei wieder mehr Präsenz auf den Straßen zeigt.