Solinger Naturfreunde bleiben ihren Prinzipien treu

Mein Solingen : Naturfreunde bleiben ihren Prinzipien treu

Regine Weiß, die Vorsitzende des Naturfreunde-Vereins Solingen-Theegarten, wünscht sich im Interview mehr Helfer.

Weiß An den Prinzipien hat sich nichts geändert. Unsere Hauptinteressen sind, die Spaltungstendenzen in der Gesellschaft zu überwinden und nachhaltig zu sein. Das gilt auch für unser Haus am Theegartener Kopf.

Auf das erste, von den Nationalsozialisten zerstörte Haus folgte in den 50er Jahren ein zweites, das ebenfalls in Eigenarbeit errichtet wurde. Da gab es noch keine Photovoltaik-Anlagen und Brennwert-Heizungen. Wie sieht Nachhaltigkeit in Meigen heute aus?

Weiß Eine Photovoltaik-Anlage könnte der Dachstuhl nicht tragen. Aber wir haben beispielsweise eine eigene biologische Kläranlage und achten auch sehr darauf, wo die von uns verwendeten Lebensmittel herkommen. Außerdem sind wir Mitglied der BürgerEnergie Solingen und beziehen auch unseren Strom über sie. Der achtsame Umgang mit dem, was uns umgibt, ist uns wichtig. Das vermitteln wir Kindern und Jugendlichen auch bei dem Projekt „Umweltdetektive“.

Das Naturfreundehaus Theegarten liegt am Ende einer Sackgasse zwischen Feldern und einem kleinen Wäldchen. Wie viel Natur können Ihre Gäste hier erleben?

Weiß Sie sehen etwa einen Specht an der Bruthöhle oder Eichhörnchen bei der Nahrungssuche. Manchmal stehen Rehe auf der Wiese, über die abends die Käuze fliegen. Und der Landwirt, der nach Demeter-Prinzipien arbeitet, schickt seine Rinder im Familienverbund auf die Weide.

Wem gefällt das? Wer mietet das Haus, das 30 Betten, zwei große Räume und eine Küche für Selbstversorger bietet?

Weiß Das Haus wird recht gut genutzt. Von Jugendgruppen ebenso wie beispielsweise für Seminare und Familienfeiern. Es kommen Gruppen aus der näheren Umgebung, aber auch aus dem Münsterland oder aus den Niederlanden. Zu den regelmäßigen Gästen zählen beispielsweise Berufsschüler aus Düsseldorf. In der generell ruhigeren Zeit im Herbst und im Winter besuchen uns gerne Mitglieder der Naturfreundejugend NRW, die hier eine „Nacht der Werwölfe“ veranstalten oder „Das schwarze Auge“ spielen. Wir selbst nutzen das Haus unter anderem, um uns alle 14 Tage beim Singkreis zu treffen. Er besteht seit mehr als 25 Jahren.

Gibt es so etwas wie einen Hausmeister?

Weiß Bis in die 90er Jahre lebten hier noch Hütteneltern. Mein Vater Karl Wagner war in den 20er Jahren Kindergruppenleiter der Naturfreunde. Ich habe große Teile meiner Kindheit hier verbracht, obwohl wir in Widdert weitab vom Schuss wohnten. Heute geschieht alles ehrenamtlich. Dazu zählen auch die Hüttendienste. An vielen Sonntagen bieten wir eine Bewirtung mit Kaffee, Kuchen und alkoholfreien Kaltgetränken an.

Fürs Ehrenamt können sich nicht alle begeistern. Auf wie viele Mitglieder können Sie zurückgreifen?

Weiß Es ist schwierig, Menschen zu finden, die sich auf lange Zeit binden. Wir würden uns freuen, wenn sich mehr Menschen bei uns engagieren würden. Unsere Ortsgruppe hat rund 80 Mitglieder, von denen viele im Rentenalter sind. Immerhin gibt es aber auch ein Drittel Kinder und Jugendliche. Auch für sie versuchen wir, das Haus zu halten – damit sie etwas in der realen Welt entdecken können und nicht nur in der virtuellen.

Aus welchen Schichten kommen die Kinder?

Weiß Die meisten kommen aus der Arbeiterklasse. Momentan besteht unsere Kindergruppe zu 80 Prozent aus Flüchtlingen. Ein Teil von ihnen trifft sich auch im Café Courage in der Innenstadt zur Hausaufgabenhilfe. Als ich 2014 in Pension gegangen bin, habe ich dort die Flüchtlingshilfe eingerichtet. Das Thema bewegt uns auch am 19. August, wenn die Autorin Jeannette Hagen ab 15 Uhr bei uns über Flüchtlingsarbeit und Menschenwürde spricht.

Welche Projekte stehen außerdem an?

Weiß Wir wollen den Willi-Lohbach-Weg in Stand setzen. Der Weg zum Kennenlernen der Erdgeschichte, der ein Stück am Bertramsmühler Bach und der Wupper entlang führt, war eine Gemeinschaftsarbeit der Solinger Naturfreunde-Gruppen und einer Fachgruppe.

Wie eng ist die Zusammenarbeit der Gruppen heute?

Weiß Es ist immer schwieriger geworden, ein gemeinsames Jahresprogramm zu erstellen. Zurzeit gibt es kein gemeinsames Programm. Und von den ursprünglich drei Naturfreundehäusern ist ja neben unserem nur noch das am Eipaß übriggeblieben. Allerdings arbeiten wir bei etlichen Aktionen in Solingen eng zusammen.