Solinger Kunstrasenplätze – auf Sand gebaut

Folgen für Solinger Anlagen nach EU-Beschluss : Kunstrasenplätze – auf Sand gebaut

Die EU will Mikroplastik von den Kunstrasenplätzen verbannen und durch Sand ersetzen lassen. Das ist mit erheblichen Mehrkosten verbunden. Die Stadt ist aber zuversichtlich, genug Zeit für die Maßnahme zu haben.

Inwieweit die Bälle auf dem neuen Untergrund besser laufen werden und in den kommenden Jahren endlich mal wieder mit einem Aufschwung im Solinger Fußball zu rechnen ist, steht zwar noch in den Sternen. Aber geht es nach der Stadt, müssen die Kicker zumindest nicht fürchten, demnächst von der Europäischen Union die Rote Karte gezeigt zu bekommen.

Zwar gibt es in Brüssel Überlegungen, ab dem Jahr 2022 auf sämtlichen Kunstrasenplätzen zwischen Portugal und Polen das bislang übliche Kunststoffgranulat zu verbieten sowie durch Sand ersetzen zu lassen. Doch die Verantwortlichen im Solinger Rathaus sind zuversichtlich, dass dies auf den augenblicklich zwölf Kunstrasenflächen im Stadtgebiet nicht gleichbedeutend mit einem Abpfiff für die hiesigen Vereine sein wird.

Der Hintergrund: In der Klingenstadt müssen die Kunstrasenanlagen in den nächsten Jahren aus Altersgründen ohnehin ausgetauscht werden. Und im Rahmen der damit einhergehenden Planungen wurde, wie eine Stadtsprecherin am Montag betonte, bereits eine möglichst umweltfreundliche Erneuerung der Plätze „mitgedacht“.

Das bedeutet im Klartext, dass auf dem zukünftigen Kunstrasenplatz Höher Heide statt Kunststoffgranulat Sand zum Einsatz kommen wird, während die Stadt bei den schon vorhandenen sowie zur Sanierung anstehenden Flächen darauf zählt, noch etwas Zeit eingeräumt zu bekommen.

Tatsächlich will sich Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), der Kraft seines Amtes unter anderem auch für den Bereich Sport verantwortlich ist, bei der Europäischen Union für eine Übergangsphase von insgesamt sechs Jahren für die bestehenden Kunstrasenplätze stark machen. Und ein solches Zeitfenster würde im Fall von Solingen wiederum ausreichen, um die seit dem Jahr 2003 entstandenen städtischen Kunstrasenfelder nicht allein auszutauschen, sondern dabei zudem in Sachen Umweltschutz auf den neuesten Stand der Technik zu bringen.

„So gesehen kommt die Umrüstung für uns zu einem relativ gutem Zeitpunkt“, sagte der Vorsitzende des Sportausschusses, Ernst Lauterjung (SPD), am Montag auf Anfrage unserer Redaktion. Beispielsweise sei das Thema der Kunstrasensanierung zuletzt erst bei einer Sitzung des Ausschusses ausführlich zur Sprache gekommen, so Ernst Lauterjung.

Gleichwohl ist der Solinger Politik klar, dass der Austausch des Kunststoffgranulats durch Sand Mehrkosten nach sich ziehen dürfte, rechnet der Deutsche Städtetag doch mit Zusatzbelastungen in Höhe von bis zu 200.000 Euro pro Platz. „Eine Umrüstung der Kunstrasenplätze wäre mit erheblichen Kosten verbunden“, hieß es jetzt etwa auch vonseiten der Solinger FDP.

Parallel unterstrichen die Freien Demokraten, dass weder die Stadt, noch die Vereine in der Lage seien, diese Ausgaben zu stemmen. Weshalb die Liberalen nun einmal mehr den Bund und das Land in der Pflicht sehen. Deren finanzielle Unterstützung sei auf jeden Fall „dringend notwendig“, sagte der Fraktionschef und Sprecher der FDP im Sportausschuss, Ulrich G. Müller.

Im Rathaus selbst besteht derweil bis auf Weiteres keine hundertprozentige Sicherheit darüber, wie sehr eine mögliche EU-Verordnung zu Granulat auf Kunstrasenplätzen die notorisch leere kommunale Kasse am Ende zusätzlich belasten wird. „Das können wir jetzt noch nicht sagen. Die Kosten werden im Kosten der turnusmäßigen Kunstrasensanierung ermittelt“, teilte die Stadtsprecherin mit.

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