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Solinger Kreativität dreist abgekupfert

Aktion Plagiarius : Solinger Kreativität dreist abgekupfert

Auf der Frankfurter Messe Ambiente wurde zum Auftakt der Negativpreis Plagiarius verliehen.

Gleiches Aussehen bedeutet nicht automatisch die gleiche Qualität, Leistungsfähigkeit und vor allem Sicherheit. Und billig ist bekanntlich nicht gleich preiswert. Im Gegenteil, das Preis-Leistungsverhältnis bei Plagiaten ist oftmals katastrophal. Darauf macht sei Jahren die Aktion Plagiarius aufmerksam. Sie prangert dreisten Ideenklau an und setzt sich für Innovation und fairen Wettbewerb ein, zumal dreiste Plagiate und Fälschungen von Produkten unvermindert auf den Markt kommen.

Zum Auftakt der Konsumgütermesse Ambiente am Freitag in Frankfurt wurde deshalb einmal mehr der Negativpreis Plagiarius verliehen – ein Zwerg mit einer goldenen Nase. Diese „Auszeichnung“ ist Symbol für die immensen Profite, die ideenlose Nachahmer sprichwörtlich auf Kosten von Kreativen und der Industrie erwirtschaften.

Vier Hauptpreise – der dritte Preis wurde zweimal vergeben – und sechs gleichrangige Auszeichnungen wurden verliehen. Auch zwei Solinger Produkte wurden hemmungslos abgekupfert: die Taucherlampe „Ledlenser D 14.2“ von der Ledlenser GmbH und der Rasierer „Futur 700“ von Merkur Stahlwaren.

Bei der Taucherlampe kopierte der Fälscher nicht nur das geschützte Design, sondern auch das Taucher-Piktogramm. Der sehr niedrige Preis spiegelt sich in billigen Materialien – Plastik statt Edelstahl –, einem nicht ausreichend dimensionierten Kühlkörper und minderwertigen LED’s sowie mangelnder Funktionalität wider, urteilte die Jury des Plagiarius-Wettbewerbs 2020. Und trotz zweier Einstellmöglichkeiten für die Lichtstärke sei das Ergebnis beim Plagiat in beiden Positionen das gleiche schwache Licht.

Auf den Markt gebracht hatte die gefälschte Taucherlampe ein deutscher eBay-Händler. Er wurde abgemahnt, gab Restbestände heraus und nannte seinen Lieferanten. Der Vertrieb erfolgte unter anderem über ein Unternehmen aus Polen.

Über Amazon.de wurde das Plagiat des Rasierers von Merkur Stahlwaren beworben. Geliefert hat es ein chinesisches Unternehmen. Kopiert wurde neben dem Rasierer die Verpackungskonstruktion inklusive zwei Sichtfenstern. Grundsätzlich, so die Aktion Plagiarius, sind viele Fälschungen aus billigen Materialien gefertigt, schlecht verarbeitet und haben nie eine Qualitäts- und Sicherheitskontrolle durchlaufen. Der Jury des Schmäh-Preises geht es gleichwohl nicht darum, legale Wettbewerbsprodukte zu brandmarken. Intention sei vielmehr, „plumpe 1:1-Nachahmungen, die dem Originalprodukt bewusst zum Verwechseln ähnlich sehen und die keinerlei kreative oder konstruktive Eigenleistung aufweisen, in den Fokus zu rücken“.

Fälschungen sind für den Verein Aktion Plagiarius jedenfalls „einfallslos und moralisch verwerflich“. Im Museum Plagiarius im Südpark werden in einer einzigartigen Ausstellung mittlerweile mehr als 350 Plagiarius-Preisträger der unterschiedlichsten Branchen jeweils im Original und Plagiat im direkten Vergleich präsentiert. Ab Freitag, 14. Februar, werden auch die neuen Preisträger in die Ausstellung aufgenommen.