Solinger Konjunktur schwächelt

IHK-Konjunkturumfrage für Solingen: Unternehmen geht es überwiegend gut

Herbstumfrage der Industrie- und Handelskammer zeigt: Die Hochkonjunktur hält an – in Solingen aber mit Abstrichen.

„Etwas unterdurchschnittlich – wenn auch verbessert“: So beschreibt die Industrie- und Handelskammer (IHK) die Lage und die Erwartungen der Solinger Wirtschaft. Der Geschäftslageindex, der aus der Differenz zwischen positiven und negativen Antworten gebildet wird, war schon zu Anfang des Jahres und im Frühjahr schlechter als in Wuppertal und Remscheid. Daran hat sich auch bei der Herbstumfrage nichts geändert. Während der Index in Wuppertal aber von 38 auf 34 und in Remscheid von 41 auf 40 sank, stieg er in der Klingenstadt von 24 auf 31.

Der großen Mehrheit der Firmen gehe es nach wie vor gut, fasste IHK-Präsident Thomas Meyer die Ergebnisse der Konjunkturumfrage zusammen. An ihr haben sich 440 Unternehmen mit fast 25.000 Beschäftigten beteiligt. Meyer: „Die bergische Wirtschaft läuft noch auf vollen Touren.“ Die Firmen seien deshalb auch bereit zu investieren – oft aus der eigenen Tasche – sowie Mitarbeiter und Lehrlinge einzustellen.

Nach Branchen sortiert, geht es den Industriebetrieben am besten, speziell in den beiden Nachbarstädten. Aber auch in Solingen hält nur jedes zehnte der befragten Industrieunternehmen die momentane Lage für schlecht (Bezirk: jedes 20.). Je 45 Prozent der Befragen stufen sie als gut oder befriedigend ein. „Die Solinger Industriestruktur ist stark auf die schwächelnden Autohersteller ausgerichtet“, nennt Meyer einen Grund für die Unterschiede in den drei Städten.

Noch etwas besser als der Solinger Industrie geht es momentan den „sonstigen“ Dienstleistern – etwa IT-Firmen sowie Unternehmensberatern. Und Geldinstitute, die bei der IHK separat erfasst werden, haben noch nie schlechte Ergebnisse gemeldet. Trotzdem will die Branche weiter Arbeitsplätze streichen.

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Für schlecht hält auch kein einziges Solinger Verkehrsunternehmen seine Situation – obwohl es besonders an Fahrern mangelt. Anders ist die Lage im Handel, der unter dem heißen Wetter und der Online-Konkurrenz leidet: Mehr als jeder vierte Groß- und Einzelhändler der Klingenstadt beurteilt den momentanen Stand als nicht rosig. Jeder fünfte Einzelhändler und fast jeder zweite Großhändler glaubt sogar, dass es schlechter werden wird.

„Die Erwartungen trüben sich so langsam ein“, berichtet IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Wenge. Mit Sorge betrachten die Unternehmer nicht nur den Handelskrieg zwischen den USA und China, sondern auch den Brexit und die steigende Verschuldung Italiens. Ärger bereitet auch die Bürokratie, konkret die Datenschutzgrundverordnung.

Probleme bereitet auch weiter der Fachkräftemangel, weshalb viele Unternehmen die Ausbildung verstärken. Bis Ende September hatte die IHK 2318 neue Verträge registriert. „Große Sorgen macht mir aber der Ausbildungsmarkt in Solingen“, betont die IHK-Expertin Carmen Bartl-Zorn. Auf 100 Bewerber kommen nur 56 freie Stellen, während in Wuppertal und Remscheid diverse Ausbildungsplätze nicht besetzt werden können. Bartl-Zorn: „Es ist schwierig zu sagen, woran es in Solingen liegt.“ IHK-Präsident Meyer: „Wir müssen mehr Werbung für die duale Ausbildung machen.“

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