Solinger Jobcenter mit bestem Ergebnis seit 2012

Punktlandung : Jobcenter mit bestem Ergebnis seit 2012

Fast 2500 Männer und Frauen fanden im letzten Jahr zumindest zeitweise zurück ins Arbeitsleben.

„So ein erfolgreiches Jahr wie 2018 haben wir noch nicht gehabt“, sagt Mike Häusgen. Er leitet das 2012 eingerichtete kommunale Jobcenter seit 2015. 2483 „Integrationen“ in den Arbeitsmarkt meldet das Center für das vergangene Jahr (2017: 2438). Damit wurde der mit dem Arbeitsministerium des Landes vereinbarte Wert nahezu punktgenau erreicht und in einzelnen Bereichen – wie bei den Asylanten und Flüchtlingen – sogar um die Hälfte überschritten. Die Integrationsquote lag insgesamt bei fast 24 Prozent. Im Vergleich mit 19 anderen Jobcentern in NRW-Großstädten rangierte die Solinger Behörde auf Platz zwei hinter Hamm. „Spitze“ sei man bei der nachhaltigen Integration: Nach einem halben Jahr waren 72 Prozent der Geförderten weiter in Beschäftigung.

Das städtische Jobcenter ist für rund 70 Prozent der Solinger Arbeitslosen zuständig (Hartz IV), die Arbeitsagentur für die restlichen 30 Prozent. Im Dezember 2018 waren beim Center 15.110 Leistungsberechtigte registriert (Dezember 2017: 16.018). Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften ging im selben Zeitraum von 7922 auf 7437 zurück. Als „erwerbsfähig“ erfassten Häusgen und seine Mitarbeiter (das Jobcenter hat 205 Arbeitsplätze) 10.392 Männer und Frauen. „Marktfern“, also schwer zu vermitteln, seien rund 53 Prozent aller Kundinnen und Kunden.

„Die Kollegen machen die Erfahrung, dass es von Jahr zu Jahr schwieriger wird“, erklärt Kristin Degener. Sie leitet die Abteilung Markt und Integration. Mehr Erfolgsgeschichten gebe es aber, seit zum Jahresanfang zusätzliche Mittel vom Bund zur Verfügung gestellt wurden („Teilhabe am Arbeitsmarkt“). Degener: „Seit wir dieses Instrument und damit 2,4 Millionen Euro zusätzlich haben, bekommen wir unheimlich viele Anfragen.“ Arbeitgeber erhalten fünf Jahre lang Zuschüsse, die in den ersten beiden Jahren sogar bei 100 Prozent liegen. „Das vergrößert die Aussicht auf echte sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.“

Insgesamt hatte das Jobcenter 2018 einen Etat von 22,4 Millionen Euro. Davon standen 10,23 Millionen Euro für die Eingliederung zur Verfügung. Das Geld fließt nicht nur an (vorwiegend kleine und mittlere) Firmen, sondern auch an Wohlfahrtsverbände und Betriebe der Stadt, die Arbeitsplätze zur Verfügung stellen. Ein-Euro-Jobs, sogenannte Arbeitsgelegenheiten, haben dabei 2018 „deutlich zugenommen“, so Häusgen. 344 Plätze standen zur Verfügung, etwa bei der Ittertal e.G., dem Sozialkaufhaus oder im Grünbereich. „Viele Angebote würde es ohne Arbeitsgelegenheiten nicht geben.“ Etwa jeder 20. Ein-Euro-Jobber schafft es in eine Festanstellung.

Eines der zentralen Themen neben dem Arbeitsmarkt sind für das Jobcenter die Kosten der Unterkunft. Seit April gibt es neue, um 12,6 Prozent angehobene Mietsätze. Die Wohnung für eine Person darf jetzt beispielsweise 390 Euro statt 348,50 Euro im Monat kosten (Brutto-Kaltmiete). „Die positiven Ergebnisse der angehobenen Sätze sind bereits jetzt zu erkennen“, heißt es im Jahresbericht. „Die Summe der Kürzungsfälle wegen Unangemessenheit der Wohnungskosten sind von 941 Fällen im Oktober 2018 auf 660 Fälle im Juni 2019 gesunken.“ Weniger positiv, so Häusgen: „Wir merken: Auf einmal werden die Wohnungen teurer. Das Jobcenter zahlt ja bei Neuvermietungen.“

Nach zahlreichen Änderungen und Verbesserungen der Arbeit im vergangenen Jahr – unter anderem wurden die Betreuer der Arbeitsuchenden entlastet – steht 2018 die Digitalisierung der Papierdokumente an. „Wir haben mehr als zwei Kilometer Akten“, erläutert Mike Häusgen. „Die fressen Platz.“ Das Jobcenter ist bei der Umstellung zusammen mit dem Ausländer- und Integrationsbüro Vorreiter; das Sozialamt soll nachziehen. Ein Vorteil der Digitalisierung, so Häusgen: „Wir wollen mehr Homeoffice-Arbeitsplätze schaffen.“ Ein anderer: ein besserer Service für die Bürger, etwa durch die Online-Terminvergabe.

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