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Solinger Jecken denken schon an nächste Session

Karneval in der Cofona-Krise : Jecken denken schon an nächste Session

Mit Wehmut über den ausfallenden Straßenkarneval will sich der Vorsitzende des Festausschusses Solinger Karneval (FSK) nicht aufhalten. Der stellt die Weichen für die Zukunft – zum Beispiel die Prinzenproklamation.

Am Donnerstag ist – in aller Stille – Altweiber. Werden Sie dann in Erinnerungen an fröhlichere Zeiten schwelgen oder das Datum bewusst ausblenden?

Hawranke Das ist nicht so einfach. Allen Leuten blutet das Herz. Es tut weh, dass alle Veranstaltungen ausfallen und wir nichts unternehmen können. Ich habe jedes Jahr vom Altweiberball bis Rosenmontag Urlaub. Dabei bleibt es auch diesmal. Gemacht wird aber nichts.

Halten Sie sich mit alten Aufnahmen und Fernsehprogrammen ein bisschen in Stimmung?

Hawranke Ich schaue mir die Übertragungen im WDR mit Ausschnitten aus früheren Jahren an. Stimmung kommt dabei keine auf, aber so bekommt man wenigstens ein bisschen vom Karneval mit.

Wie tauschen Sie sich im Moment mit den Vereinen aus?

Hawranke Den einen oder anderen trifft man beim Einkaufen und telefoniert. Geplant hat niemand etwas. Jeder sagt, wie schade es ist, dass der Straßenkarneval komplett ausfällt. Aber jeder schaut positiv in die Zukunft. Wir hoffen ganz stark darauf, dass wir im nächsten November eine gewohnte Karnevalssession starten können.

Wie steht es um die Verträge mit den für die aktuelle Session eingeladenen Künstlern?

Hawranke Die Masse der Verträge konnte man auf die kommende Session umschreiben. Bei einigen Künstlern war das aber nicht möglich, weil sie schon anderweitig gebucht sind. Dennoch sieht es insgesamt recht gut aus.

Ist die Session 2021/22 finanziell überhaupt in trockenen Tüchern?

Hawranke Da kann ich nur für meine Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Klingenstädter sprechen: Wir haben das nächste Jahr durch Sponsoren und Rücklagen gesichert. Die Corona-Krise hat uns finanziell auch ganz stark getroffen, aber wir werden die Session gestemmt bekommen – zumal jedes Mitglied auch einen freiwilligen Obolus beisteuert. Uns ist natürlich klar, dass auch Feiern wie das Dürpelfest, mit auf dem wir an unserem Stand sonst Einnahmen gehabt hätten, nicht stattfinden werden. Das ist einkalkuliert.

Was hören Sie von anderen Gesellschaften? Gibt es irgendwo dramatische Probleme?

Hawranke Sicherlich leiden alle Vereine unter der Situation. Von dramatischen Schwierigkeiten ist mir aber nichts bekannt. Nur wissen wir natürlich auch nicht, was noch kommt. Wer in der jetzigen Zeit besonders leidet, sind die Tanzgruppen. Sie haben keine Auftritte, können nicht trainieren und müssen, wenn es weitergeht, praktisch wieder bei null anfangen. Die Choreographien funktionieren nun einmal nicht auf Distanz.

Wie geht es jetzt weiter? Im Frühjahr findet ja normalerweise die Jahreshauptversammlung des Festausschusses statt.

Hawranke Wir warten zunächst einmal auf Lockerungen, so dass wieder Versammlungen stattfinden können. Wahrscheinlich wird sich das ein wenig nach hinten verschieben. Auf unserer Jahreshauptversammlung wird dann auch das Prinzenpaar vorgestellt. Das wird in der kommenden Session aber dasselbe bleiben – so wie auch das Dreigestirn in Köln erstmals für zwei Sessionen bestimmt wurde. Ansonsten sind die Planungen für die kommende Session schon im Gange – auch für den Rosenmontagszug im Jahr 2022. In dieser Hinsicht geht alles seinen gewohnten Gang.

Werden Sie sich zur Neuwahl als Vorsitzender des Festausschusses stellen?

Hawranke Ja. Auch meine Vorstandskollegen wollen weitermachen.

Welche Zukunft wird der Karneval in der Ohligser Festhalle haben? Die Stadt liegt ja wegen des Vorkaufsrechts mit dem Eigentümer im Clinch, nachdem der einen neuen Investor an Land gezogen hat.

Hawranke Wie es dort weitergeht, kann ich nicht sagen. Wir haben auch keinen Kontakt zur Festhalle. Wegen der Unsicherheiten darüber, was dort passiert, haben wir beschlossen, die nächste Prinzenproklamation im Walder Stadtsaal zu veranstalten.