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Solinger im ‘Ndrangheta- Prozess angeklagt

Solingen / Duisburg : Ohligser im ‘Ndrangheta-Prozess angeklagt

Ein Solinger soll als ­Strohmann für die Mafia gearbeitet haben. Er war bei einer Razzia im ­Dezember 2018 festgenommen worden. Mit ihm müssen sich 13 weitere mutmaßliche Mitglieder und Unterstützer des Drogenrings vor Gericht verantworten.

Ein Ohligser wird bei einem der wohl größten Mafia-Prozesse der Bundesrepublik mit auf der Anklagebank sitzen. Nachdem die Staatsanwaltschaft Duisburg Anklage gegen den 56-jährigen Italiener erhoben hat, soll voraussichtlich Mitte Oktober der Prozess gegen ihn vor dem Landgericht Duisburg beginnen.

Dem Mann wird vorgeworfen, Beihilfe zum bandenmäßigen Drogenhandel in nicht geringer Menge geleistet zu haben. Er soll unerlaubt größere Mengen Kokain nach Deutschland eingeführt und eine kriminelle Vereinigung – konkret die ‘Ndrangheta, ein Ableger der italienischen Mafia – unterstützt haben. Mit dem Solinger, der sich aktuell noch in U-Haft befindet, müssen sich 13 weitere mutmaßliche Mitglieder und Unterstützer des Drogenrings vor Gericht verantworten.

Wann das Verfahren eröffnet wird, stehe noch nicht fest – auch werde der Prozess vor dem Landgericht Duisburg sehr wahrscheinlich nicht dort stattfinden, sondern in den Räumen eines Prozessgebäudes, das zum Oberlandesgericht Düsseldorf gehört, sagt Sarah Bader, Sprecherin des Landgerichts Duisburg. „Wenn das Verfahren eröffnet wird, benötigt man bei einer so hohen Anzahl von Beschuldigten ein Gebäude, das groß genug und vor allem ausreichend gesichert ist.“

Ein Blick zurück: Bei einer europaweiten Razzia am 5. Dezember 2018 hatten Beamte des LKA Düsseldorf den Ohligser in seiner Wohnung festgenommen. Auf seine Spur waren die Ermittler erstmals 2015 durch einen Zufall gekommen: Rund 82 Kilogramm Kokain hatten Mitarbeiter der niederländischen Zollbehörden im Dezember 2015 in einem Container in Rotterdam bei einer Kontrolle gefunden und sichergestellt. Der Stoff mit einem geschätzten Marktwert von 2,5 Millionen Euro war aus Sicht der Staatsanwaltschaft für eine Scheinfirma in Düsseldorf bestimmt, für die der Ohligser als Geschäftsführer fungierte.

Ein Großhändler, der für die ‘Ndrangheta tätig war, soll ihn angesprochen haben, um ihn als Strohmann zu gewinnen. Aus Sicht der Ermittler zögerte der Ohligser nicht lange. Im Laufe der Ermittlungen soll er sich auch einem als Dealer getarnten Ermittler des LKA als Drogenkurier angedient haben und diesem etwa bei dem Bau eines Verstecks für Drogen behilflich gewesen sein.

Unter dem Deckmantel der vermeintlichen Holz- und Kohle-Importfirma – so sind die Ermittler heute überzeugt – wollte man große Mengen Kokain aus Südamerika importieren. Über die Niederlande, Deutschland und die Schweiz soll der aus Südamerika importierte Stoff schließlich für zahlungskräftige Kunden in Italien bestimmt gewesen sein.

Mit einer gewaltigen Gewinnspanne: Kostet das Kilogramm Kokain in Kolumbien im Einkauf etwa 5000 Euro, blättert der „Endkunde“ in Italien dafür später bis zu 45.000 Euro hin.

Und während die europäischen Strafverfolgungsbehörden sich angesichts bürokratischer Hürden zuweilen schwertun, erfolgreich zusammenzuarbeiten, funktioniert die europaweite Kooperation im kriminellen Milieu reibungslos: So ging das Geflecht aus italienischen Dealern, türkischen Geldgebern sowie südamerikanischen und marokkanischen Großlieferanten strikt arbeitsteilig vor. Auch ihre Kommunikation hatten die Kriminellen über kryptierte Handys hochprofessionell verschlüsselt – für deutsche Ermittler ist es eine Herkulesaufgabe, diese bei den strengen Datenschutzauflagen in der Bundesrepublik zu knacken. Oft hinke die Justiz den rasanten technischen Entwicklungen hinterher, heißt es in Expertenkreisen.

Schwierigkeiten dürfte dem Ohligser wohl ein Kronzeuge bereiten, der in Italien einsitzt und ihn schwer belastet. Eine tragende Rolle bei den Machenschaften der ‘Ndrangheta schreiben die Ermittler ihm zwar nicht zu, doch soll er ein nützliches Rädchen im Getriebe gewesen sein.

(Boll)