Solinger sammelt Spenden im Internet Ein Grabstein für Papa

Solingen · Ein junger Solinger sammelt derzeit Spenden für einen besonderen Zweck: Er möchte einen Grabstein für die Ruhestätte seines Vaters finanzieren. Dem 26-Jährigen, der selbst vier Kinder hat, fehlt das Geld dafür.

Das zwei Jahre alte Holzkreuz ist verwittert und muss dringend ersetzt werden. Doch ein Grabstein ist teuer.

Das zwei Jahre alte Holzkreuz ist verwittert und muss dringend ersetzt werden. Doch ein Grabstein ist teuer.

Foto: Sven H. (Name der Redaktion bekannt)

Beerdigungen sind eine teure Angelegenheit. Wer sie bezahlt, muss in der Regel inklusive aller Gebühren mit einem insgesamt vierstelligen Betrag rechnen. Viel Geld, das man für einen geliebten Verwandten gerne gibt – aber nicht immer geben kann.

So geht es Sven H. (Name der Redaktion bekannt). Der 26-jährige Solinger ist Vater von vier Kindern und muss jeden Euro zwei Mal umdrehen, bevor er ihn ausgibt. Er ist von Beruf Hauswirtschaftskraft. Doch weil seine Frau zwischenzeitlich erkrankt war, musste er sich arbeitslos melden, um sich um die heute zwei, fünf, acht und neun Jahre alten Kinder zu kümmern. Mittlerweile geht es seiner Ehefrau besser und er kann sich wieder um Arbeit bemühen, berichtet er. „Doch in solch einer Lage hat man auch nicht so die Möglichkeiten, Ersparnisse zu bilden.“

Daher war für das Grab seines Vaters, das auf einem Kölner Friedhof angelegt ist, finanziell bislang auch nur ein schlichtes Holzkreuz drin. Passend dazu hatte Sven H. eine Umrandung des Grabes ebenfalls aus Holz selbst angefertigt. Nun aber ist das Grabkreuz verwittert, und die Kölner Friedhofsverwaltung hat ihm mitgeteilt, dass die selbst gebastelte Umrandung nicht akzeptiert wird. Nun also soll ein Grabstein, besser noch eine Grababdeckung her: „Ich wäre froh, wenn das Grab dann wieder gepflegt aussähe“, sagt der 26-Jährige.

 Ein Solinger sammelt Spenden, um den Grabstein für seinen Vater finanzieren zu können.

Ein Solinger sammelt Spenden, um den Grabstein für seinen Vater finanzieren zu können.

Foto: Sven Huhnholt

Zu seinem Vater hatte der Solinger ein gutes Verhältnis, erzählt er. Dieser war Möbelpacker und zuletzt erwerbsunfähig, so dass auch er keine Gelegenheit hatte, Geld zur Vorsorge zu sparen oder eine Versicherung abzuschließen, die die Begräbniskosten abdeckt.

2021 erkrankte der Vater an Lymphdrüsenkrebs. „Das war schon ein großer Schock für mich“, erinnert sich Sven H. Zunächst schöpfte die Familie Hoffnung, denn eine erste Chemotherapie schlug an. „Doch ein paar Monate später kam der Rückschlag“, berichtet Sven H.. Die Tumoren wuchsen wieder. Eine weitere, umso stärkere Chemotherapie, „hat mein Vater dann nicht mehr ganz so gut weggesteckt“. Nur kurze Zeit nach der Entlassung aus dem Krankenhaus sei er im Alter von 61 Jahren gestorben. Das war im September 2022. Ein Erbe konnte er seiner Familie nicht mitgeben.

„Vor allem die letzte Zeit hat uns noch einmal zusammen geschweißt“, erzählt der 26-Jährige, „ich bin mit ihm gemeinsam durch die Krankheit gegangen“. Jetzt möchte Sven H. seinem Vater eine würdige Grabstätte gestalten. Er war bereits bei einem Steinmetz und hat sich umgeschaut. „Ich muss natürlich gucken, was das Budget hergibt“, erzählt er. Doch einen dunklen Stein mit eingraviertem Namen, das fände er schön. „Wobei jeder einzelne Buchstabe schon um die 20 Euro kostet“, weiß er mittlerweile.

Um diesen Wunsch, den er mit seiner Mutter teilt, erfüllen zu können, hat der Solinger jetzt unter https://www.gofundme.com/f/z55r43-grabstein-fur-papa%C2%A0 mit dem Stichwort „Grabstein für Papa“ eine Spendenkampagne gestartet. „Das übliche Holzkreuz auf seinem Grab fängt nun nach zwei Jahren an immer mehr kaputt zu gehen, aber ein Grabstein kostet einfach sehr viel Geld. Sehr gerne möchte ich meinem Vater eine würdevolle letzte Ruhestätte bereiten und würde mich sehr über Unterstützung freuen. Jeder noch so kleine Beitrag kann helfen“, schreibt Sven H. dort zur Erklärung. Das Spendenziel hat er auf 3500 Euro angesetzt. Nach fünf Tagen sind schon 211 Euro eingegangen. „Die meisten sagen, dass es eine schöne Aktion ist“, berichtet er über das Echo von Freunden und engsten Anverwandten. Doch es gebe auch Kritik aus der Familie. Daher kürzt unsere Redaktion den Namen in der Berichterstattung ab.

Geht alles gut, dann hofft Sven H., einen Steinmetz schon in zwei Monaten beauftragen zu können, so dass Grabstein oder Platte noch in diesem Jahr aufgestellt sind. „Wir hatten einen guten Kontakt“, erzählt Sven H über seinen Vater: „Ich finde, dass jede Person eine angemessene Ruhestätte verdient.“

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